Rheinland-Pfalz Was der Sex wert war

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«Frankenthal.» Nachdem er Frauen astronomische Summen versprochen und sich so Sex ergaunert hatte, ist ein Mann aus dem Raum Grünstadt in Frankenthal gestern zu fast vier Jahren Haft verurteilt worden. Dabei entschieden die Juristen nicht nur, wie der 29-Jährige bestraft wird. Sie bezifferten auch, was die von seinen Opfern erbrachten Liebesdienste wert waren.

Das Fachwissen eines Bordell-Betreibers bemühte die Polizei, als sie 2012 gegen einen Mann aus dem Raum Grünstadt ermittelte. Denn der Verdächtige hatte online nicht nur Handys verscherbelt, die er gar nicht besaß. Indem er dafür gigantische Summen versprach, hatte er sich auch Sex ergaunert: 30.000 Euro etwa sollte eine Frau bekommen, die extra aus Leverkusen anreiste und ihn auf einem Pfälzer Skaterplatz beglückte. Weil er nie zahlen wollte, war das Betrug. Um dessen Höhe zu bestimmen, mussten die Ermittler damals beziffern, was die von den übertölpelten Damen erbrachten Dienstleistungen wert waren. Also hielten sie sich an das, was der Ludwigshafener Bordell-Betreiber über die Tarife professioneller Anbieterinnen berichtet hatte: Eine Stunde Oral- und Vaginalsex sei gemeinhin mit 200 Euro zu entlohnen, wobei die Anreise zumeist extra abgerechnet werde. Im Frankenthaler Gerichtssaal greift eine Staatsanwältin die sieben Jahre alte Kalkulation nun auf, um sie zu aktualisieren. Denn kaum hatte der Mann aus dem Leiningerland seine Strafe für die früheren Betrügereien abgesessen, machte er wieder weiter: 2015 lockte er mit der Aussicht auf ein 15.000-Euro-Honorar eine Frau in ein Mannheimer Hotelbett. Und 2017 schlief eine Pfälzerin in Neuleiningen mit ihm, nachdem er ihr 95.000 Euro versprochen hatte. Dass er sich so wieder Sex ergaunerte, hat der inzwischen 29-Jährige im neuen Prozess auch gleich gestanden. Ebenso hat er eingeräumt, dass er wieder nicht existierende Handys feilbot, dass er unter falschem Namen Bezahl-Fernsehen abonnierte und Hoteliers um Übernachtungsgebühren prellte. Um so vehementer bestreitet er aber, was ihm eine Bremerin vorwirft. Mit ihr war im Sommer 2017 liiert, sie fuhr deshalb jedes Wochenende in die Pfalz. Als Zeugin hat sie später behauptet: Er leerte in dieser Zeit heimlich ihre Konten und brachte sie zudem mit erfundenen Schauergeschichten dazu, dass sie ihm auch noch Geld schickte. Der Angeklagte hingegen erwidert im Prozess: Das hat sie alles nur erfunden, um sich an ihm zu rächen. Und deshalb fordert sein Verteidiger am Ende des Verfahrens, dass sein Mandant mit einem Teil-Freispruch sowie einer Bewährungsstrafe davonkommen möge. Das Gericht hingegen meint: Die Krankenschwester aus Bremen ist viel glaubwürdiger als der Sex-Betrüger aus dem Leiningerland. Weshalb es den 29-Jährigen in allen Anklagepunkten für schuldig befindet, ihn – wie von der Staatsanwältin vorgeschlagen – zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Außerdem hat er seinen Opfern zurückzugeben, was er ihnen abgeluchst hat, die Gesamtsumme beziffern die Richter auf knapp 10.000 Euro. Einberechnet ist dort, was den beiden Frauen für ihre Liebesdienste zusteht. Diesmal halten sich die Juristen an eine Summe, die der Angeklagte selbst ins Spiel brachte: Er hat je 500 Euro Wiedergutmachung angeboten. Die Staatsanwältin lässt zwar erkennen, dass gewöhnliche Prostituierte mit weniger Lohn rechnen müssen. Aber sie sagt: Damit bescheinigt der 29-Jährige eben, dass seine Opfer beim Sex mit ihm „überobligatorische“ Leistung ablieferten.

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