Grünstadt
Lohnen sich gebrauchte Geschenke? Das sagen Grünstadter Läden
Zur Mittagszeit ist das Geschäft SecondPlus – Secondhand in Grünstadt gut gefüllt. Kunden ziehen an den Kleiderständern vorbei. Darin hängen jede Menge Klamotten – nach Größen sortiert, wie Regionalleiter Mathias Pitschmann erklärt. Aber nicht nur das. „Wir haben auch Weihnachtsdeko da.“ In einem Drahtkorb liegen Weihnachtsmützen drin, in Rot-Weiß. Darüber hinaus hat das Geschäft passenden Schmuck anzubieten.
Laut Pitschmann laufen diese Artikel in der Vorweihnachtszeit am besten. Genauso kaufen die Menschen mit Vorliebe Kinderklamotten. Vor Weihnachten ziehe das Geschäft noch mal an, so Pitschmann. Besonders Menschen mit weniger Geld kämen vorbei. Die wissen dann auch, was sie suchen, sei es eine neue Jacke oder ein Pullover.
Ladenchef: „Zu viel wird weggeworfen“
„Dass wir die Kunden beraten, kommt selten vor“, sagt er. Eher stöbern sie selbst. Am Ende könnte jeder dann einen eigenen „Schatz finden“. Dafür achtet die SecondPlus GmbH mit Sitz in Germersheim auf Qualität, wie er sagt. Heißt: Nicht alles, was bei den Filialen ankommt, wird automatisch für den Verkauf übernommen. „Wir prüfen die Ware, die uns erreicht.“ So spenden Private häufig Klamotten, ein anderer Teil stammt von Recycling-Firmen. Auch von karitativen Einrichtungen bezieht das Unternehmen Textilien.
„Wir sehen in der Gesellschaft, dass zu viel weggeworfen wird“, sagt er. Artikel müssten dann neu produziert werden – das sei aber nicht notwendig. Auch im Internet lässt sich mittlerweile viel Gebrauchtes kaufen. Nur: Wer im Internet kaufe, bleibe oft auf der Ware sitzen, wenn sie nicht passt. „Im Geschäft kann man sehen, was man kauft“, bekräftigt er. Das hätten sich auch die Mitarbeiter der Second-Hand-Filiale in Grünstadt zu Herzen genommen. „Die Kollegen kaufen gerne hier“, sagt Pitschmann. Sie säßen sozusagen an der Quelle. Auch für ihn kommt das in Frage. Beruflich habe er ja „Berührungspunkte“. Und für seine Frau und Kinder sucht er gerne mal ein schönes Second-Hand-Geschenk zu Weihnachten aus.
Schlechte Nachfrage
Ein gutes Stück entfernt führt Frank Reclies sein Antiquitätengeschäft Trödelhallen/Antique Atelier. Wobei er eher im Außendienst aktiv ist, wie er sagt. Reclies ist viel unterwegs und prüft extern, welche Objekte in sein Geschäft passen könnten. Hauptquelle für ihn sind Haushaltsauflösungen. Entweder, weil sich die Menschen bei ihm melden, oder weil er von Kunden empfohlen wird. Auf diese Weise kam in den vergangenen sieben Jahren einiges an Objekten zusammen. Über 600 Quadratmeter hat er mit Ware gefüllt: von Schränken über gerahmte Ölgemälde bis zu Klamotten, Küchengeräten und Tischen. Die Preise legt er selbst fest, zusammen mit seiner Cousine Kortina Marek – die für den Verkauf im Laden zuständig ist. Untersützt werden sie von Jürgen Stenzel, der nebenbei als Künstler tätig ist. Von einem Weihnachtsgeschäft spüren Marek und Reclies nichts. Das sei vor Corona noch anders gewesen. Damals hätten sie pro Jahr zehn bis zwölf Schränke verkauft, so Reclies. Mittlerweile sei es nur noch die Hälfte.
„Gut gehen die Klamotten“, sagt Marek. Statt vor Heiligabend kämen die Kunden vermehrt zu Beginn eines Jahres. „Dass jemand mal reinkommt und schnell nach einer Vase fragt, haben wir so nicht“, erklärt Reclies. Entweder kauften die Menschen ganz billig oder sie besorgten sich Designerware. Viele hätten aber „kein Geld mehr“, um es auszugeben, stellt er fest. Dazu kommt, dass vermehrt im Internet gekauft wird. Während Corona hätten sich die Menschen an dieses Kaufverhalten gewöhnt.
Ein Stück Geschichte
Das hat Spuren hinterlassen: „Wir müssen gucken, dass wir überleben.“ Da komme es schon mal vor, dass er sich bei manchen Preisen nicht mehr runterhandeln lasse. „Sie merken es selbst: Wir haben keine Heizung an.“ Er spricht von den niedrigen Temperaturen in seinem Geschäft. Kortina Marek hofft indes auf die nächste Generation. „Die Jungen kaufen viel mehr Second-Hand“, sagt sie.
Besser läuft es für David Lagrene. Vor allem die Monate November und Dezember seien gut. In sein Geschäft Antik & Kunst David kommen Besucher, um zu kaufen und zu verkaufen. Wer zu Weihnachten kaufen will, sucht „oft etwas für die Familie“, so Lagrene. Das seien meistens kleine Sachen: ein Mokkaservice, ein kleines Ölgemälde, auch Schmuck. Gerade vor Heiligabend verkauften manche gerne an ihn, um Geld für Geschenke zu haben. „Sie bringen Schmuck, aber vermehrt auch Silber“, erklärt der Antik-Experte. Zu 80 Prozent ließen sich die Menschen mit Kaufabsicht in seinem Laden beraten. „Viele fragen, ob sie etwas für ihren Sohn oder die Tochter kaufen können.“ Allerdings sei seine Ware antik. „Die meisten Dinge sind nicht 30 oder 40 Jahre alt – sondern viel älter.“ Wichtig ist ihm, dass die Artikel gut erhalten sind – gerade, wenn es sich um ein Weihnachtsgeschenk handelt. Da müssten sie dann „nicht einmal Wert haben“, so Lagrene. Er findet sie einfach „schön“. Der Grund: „Man sieht solche Gegenstände nicht alle Tage.“ Und darüber hinaus seien sie ein Stück Geschichte.