Jahresrückblick Die Geschichten hinter nackten Zahlen

Weithin hörbar: Die Glocken der Battenberger Kirche läuten nicht zur zum Gottesdienst.
Weithin hörbar: Die Glocken der Battenberger Kirche läuten nicht zur zum Gottesdienst.

Im Jahr 2023 gab es nicht nur Krieg, Terror und Umweltkatastrophen. Zum Glück haben im Leininger Land ganz andere Themen im Fokus der Öffentlichkeit gestanden. Zum Abschluss des Jahres soll unser Rückblick nun ein eher vergnüglicher sein – Horrornachrichten gibt es schließlich genug. Zwar kommen wir in den zwölf Folgen auch an ein paar schlechten oder traurigen Nachrichten nicht vorbei – im großen und ganzen wollen wir die vergangenen zwölf Monate aber mit einem Augenzwinkern Revue passieren lassen. Viel Spaß mit dem März.

Schlägt’s 12 oder 13? Im vergangenen März war Battenberg – lokaljournalistisch gesehen – sozusagen Dorf des Monats: Gleich Anfang März lieferte das idyllisch gelegene 400-Seelen-Dorf zwei Schlagzeilen. „Jetzt schlägt’s aber 13“, wird sich da manch Battenberger ob dieser Top-Quote gedacht haben. Doch Halt: Bei 13 Glockenschlägen muss man dort ganz genau auf die Uhr schauen – zumal, wenn es sich um politisches Geläut handeln sollte. Dazu zählen etwa die Glockenschläge, die die Uhrzeit anzeigen. Und die können juristisch – zur Schlafenszeit – durchaus eine Lärmbelästigung sein, wie diverse Gerichtsentscheidungen belegen. In Battenberg war dies zum Politikum geworden, nachdem sich ein Anwohner über den vollen Stundenschlag beschwert hatte. Für die Battenberger war dies deswegen neu, weil hier zuvor die Glocken wegen des maroden Kirchturms viele Jahre geschwiegen hatten. Nach der Sanierung des frühgotischen Sakralbaus kann zwar der neue Glockenstuhl die Schwingungen der Glocken wieder aushalten, aber offensichtlich nicht jedes Battenberger Ohr. Die Läutezeit der vollen Stunden wurde – auch aus Rücksicht auf Schichtarbeiter – von 8 – statt bislang 22 Uhr – bis 20 Uhr festgesetzt. Dagegen gab’s aber auch noch Protest, obwohl es dadurch in Battenberg genau genommen nur noch zwölf (Mal) schlug. Für manchen schlug’s wohl trotzdem 13.

Die 72.: Keine Glocken-Schlagzeile, sondern eine Personalie war Grund für die zweite Titelgeschichte mit Battenberger Bezug: Charlotte Schraut wird Nachfolgerin der Asselheimerin Mara Echter als Weingräfin des Leiningerlands. Die 21-jährige Battenbergerin ist die insgesamt 72. Weingräfin – aber wohl die erste , hieß es, „mit eigener Burg“, gehört doch ihrer Familie die Burg Battenberg mit dem Hofgut. Vielleicht ist die sportliche Charlotte aber auch seit dem Jahr 1950 die erste Kickboxerin und als Jurastudentin die erste angehende Rechtsanwältin, die als Gräfin den Wein im Leiningerland repräsentiert. Es stimmt übrigens nicht, wie dies schon manch Biertrinker am Stammtisch mutmaßte, dass Kampfsport- oder Paragrafenkenntnisse die neuen Grundvoraussetzungen für eine Weingräfin moderner Prägung seien. Allerdings: Beim Besuch eines Wein(aber auch Bier-)festes kann dies – zu späterer Stunde – zumindest nicht schaden. Konfliktlösungen sind halt leider nicht immer so zu regeln, wie das die Vorbild-Figur für den Titel, Gräfin Eva von Neuleiningen, der Sage getan hatte: Während des Bauernkriegs im 16. Jahrhundert soll sie Aufständische mit Wein bewirtet und so die Neuleininger Burg vor der Zerstörung bewahrt haben.

23 Jahre Leere. Zuerst vom Lehr- zum Leerschwimmbecken und nun vom Leerschwimmbecken zur Muckibude. Lange 23 Jahre war das kleine Schwimmbad im Leininger-Gymnasium in Grünstadt – seit den 60er-Jahren hatten dort zuvor unzählige Schüler richtig kraulen, Brustschwimmen und Butterfly gelernt – einfach nur leer und ungenutzt. Nun war der Kampf der Schulgemeinschaft endlich erfolgreich: Die einstige Sportstätte wurde, wenn schon nicht als Lehrschwimmbecken, so doch wenigstens als Fitnessraum einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Erreicht wurde dies allerdings weniger durch Einlenken des trägen Kreises als Schulträger, sondern durch Platzmangel im Zuge der Brandschutzsanierung am LG. Vier Container stehen im Pausenhof, weil Klassensäle für die Arbeiten schülerfrei sein müssen. Zwei weitere Container konnte man sich sparen, weil die Geräte aus den bisherigen Fitnessräume aus- und ins Leerschwimmbecken eingeräumt wurden. Bemerkung am Beckenrand: Ein Butterfly ist auch wieder im Becken – zwar nicht als Schwimmstil, aber immerhin als Gerät zur Stärkung der Brustmuskulatur. Ob auch 23 Jahre lang, oder nur während der Brandschutzarbeiten?

17 Jahre Champions League. Im März wurden die Gerüchte offiziell bestätigt: Der TuS Altleiningen meldet im Sommer seine Fußballmannschaft in der Landesliga Ost ab, startet einen finanziell abgespeckten Neuanfang seiner Kicker in der B-Klasse. Ein Weltuntergang war und ist das für den Dorfverein allerdings nicht, selbst wenn nach 17 Jahren Landesliga-Zugehörigkeit eine Ära endete. Schließlich war die Landesliga für Altleiningen „die Champions League“, wie es ein TuS-Vorsitzender mal ausgedrückt hatte. Gemeint war das sportlich Erreichbare des Clubs – ehrlicherweise jedoch das finanziell Machbare im „Amateurfußball“. Für den TuS war die Landesliga „zu kostenintensiv“, der Verein habe nun „andere Ziele“, hieß es in der Pressemitteilung. „Wir wollen künftig mehr Geld in die Infrastruktur und den Sportplatz investieren und auch dem Breitensport, insbesondere für Kinder, mehr Raum geben.“ Es ist absolut nachvollziehbar, dass Altleiningen den Weg gewählt hat, den andere Dorfvereine (ohne Sponsoren) schon lange gehen (müssen). Manch Fußballerherz wird künftig wohl gerade die Derbys des TuS mit dem VfR Grünstadt missen. Jedoch: Die selbst an aktivem Sport und gemeinsamen Freizeitaktivitäten interessierten Bürger aus Altleiningen und Höningen können sich freuen, will der TuS „seinen gesellschaftlichen Auftrag nicht mehr über sportliche Erfolge im Fußball definieren, sondern den Bürgern ein vielfältiges Angebot machen“. Der Otto-Normal-Altleininger spielt nun mal keine Champions League.

Nur eines. Als Nicht-Bockenheimer mischt man sich am besten gar nicht erst in die Diskussionen um den im März vollzogenen, neuen Standort der Weinlaube des Kultur- und Verkehrsvereins Bockenheim ein. Nur eines sei angemerkt: In vielen anderen Dörfern würde so manch geselliger Geselle gleich mehrfach das Dubbeglas auf den Wirt erheben, wenn er vor Ort wenigstens eine Bewirtungsmöglichkeit hätte. Na denn: Prost.

 Bei ihrer Ernennung zur Weingräfin lachen Charlotte Schraut und der Battenberger Ortsbürgermeister Peter Schmidt herzlich.
Bei ihrer Ernennung zur Weingräfin lachen Charlotte Schraut und der Battenberger Ortsbürgermeister Peter Schmidt herzlich.
Das ehemalige Lehrschwimmbecken wird zum Fitnesscenter umgebaut, wie der Erste Stellvertreter Felix Gruber zeigt.
Das ehemalige Lehrschwimmbecken wird zum Fitnesscenter umgebaut, wie der Erste Stellvertreter Felix Gruber zeigt.
Da schwebt sie, die Weinlaube, die ihren angestammten Platz an der Klosterschaffnerei verlassen musste.
Da schwebt sie, die Weinlaube, die ihren angestammten Platz an der Klosterschaffnerei verlassen musste.
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