Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Aldi-Zentrale wächst: „Drama“ um Verkehr befürchtet

Bald noch größer: die Aldi-Logistikzentrale im Süden Grünstadts.
Bald noch größer: die Aldi-Logistikzentrale im Süden Grünstadts.

Doppelt so viele Fahrzeuge werden rollen, sobald das Zentrallager im Süden Grünstadts wächst. Das hat Folgen. Warum Aldi jetzt die Reparatur eines Kreisverkehrs zahlen soll.

600 Mitarbeiter statt 280, 67.000 Quadratmeter Lagerfläche statt 38.000 – das Aldi-Logistikzentrum im Südosten Grünstadts soll massiv wachsen. Geplant sind der Abriss des Gebäudes und ein Neubau, der an höchster Stelle 33 Meter messen soll. Damit will das Unternehmen moderner werden und auch mehr Filialen beliefern. Obwohl das Grundstück auf Kirchheimer Gemarkung liegt, ist auch Grünstadt von den Plänen betroffen, vor allem rund um den Verkehr. Deshalb stellte eine Delegation des Unternehmens dem Bauausschuss vor, wie es weitergeht und welche Auswirkungen drohen.

Deutlich mehr Fahrzeuge auf der Strecke

Die Kernfrage, die im Raum stand, brachte Karin Schramm (CDU) auf den Punkt: „Verstehe ich richtig, dass sich die Anzahl der Lkws verdoppeln wird?“ Architekt Martin Kraus bejahte. Auch die Anzahl der Autos werde stark zunehmen, was an der steigenden Mitarbeiterzahl liegt. Allerdings plane das Unternehmen eine Steuerung des Verkehrs. Das Personal werde außerhalb der Spitzenzeiten zur Arbeit und nach Hause fahren, und auch die Lastwagen seien zu verschiedenen Zeiten unterwegs. Damit soll sich die Auslastung gleichmäßig verteilen. Präventiv wolle das Unternehmen mit dem zuständigen Landesbetrieb Mobilität ins Gespräch gehen und Lösungen suchen, sicherte Kraus zu.

Ein Kommentar zum Thema, warum Grünstadt als Verlierer aus der Situation hervorgeht, steht hier.

Das reichte manchem Ausschussmitglied aber nicht. So forderten Karlheinz Schneider (FWG) und Michael Kopietz (SPD) eine weitere Autobahnabfahrt. „Sonst droht der Kollaps“, malte sich Schneider bereits aus. Damit bezog er sich auf den Kreisverkehr, der die Autobahn mit der B271, der Stadt und dem Industriegebiet verbindet. Der Lieferverkehr für die Logistikzentrale nutzt diesen Knotenpunkt längst. Auch Kopietz befürchtet Schlimmes: „Der Kreisel wird zum Drama.“ Dort eine Doppelspur zur Entlastung einzurichten, sei aufgrund des fehlenden Platzes wenig sinnvoll.

Kreisverkehr als Verhandlungsmasse

Schramm sprach auch den nördlichen Kreisverkehr vor dem Globus-Markt an. Dort sei der Asphalt bereits so vom Verkehr überlastet, dass er sich bei Hitze am Rand welle. „Können Sie nicht als Präsent die Reparatur übernehmen?“, schlug Schramm augenzwinkernd vor. Versprechen könne er das nicht, erwiderte Kraus, aber zumindest sei die Richtung die gleiche: „Wir sind auch an einem tüchtigen Verkehrsnetz interessiert.“

Er versprach, auch diesen Punkt ins Gespräch mit dem LBM mitzunehmen. Dirk Theobald, stellvertretender Leiter der städtischen Bauabteilung, verwies auf die Verkehrsprognose aus dem Jahr 2024. Die soll beim Gespräch mit dem LBM zurate gezogen werden, denn sie liefere eine realistische Einschätzung der aktuellen Verkehrsbelastung.

Kritik an der Höhe des Gebäudes

Ein weiterer Kritikpunkt, bei dem sich Schneider und Kopietz einig sind, ist die Höhe des geplanten Neubaus. „Ich wäre dankbar, wenn das Gebäude fünf Meter weniger hätte, aber da lässt sich vermutlich wenig machen“, so Kopietz. Schneider plädierte dafür, lieber in die Fläche zu gehen statt in die Höhe, denn das Grundstück umfasst insgesamt 197.000 Quadratmeter. Schneiders Wunsch: der Blick von der Autobahn auf Grünstadt solle erhalten bleiben statt vom Logistikzentrum verbaut zu werden. Kraus erläuterte daraufhin, dass es sich ohnehin erst um einen Vorentwurf handle und die Gespräche mit den jeweils Betroffenen durchaus wichtige Impulse für die Planung lieferten.

Umgekehrt forderte Daniel Gölbert (SPD) die Information ein, warum Aldi ausgerechnet im Leiningerland so massiv wachsen wolle. Darauf reagierte Standortleiter Thomas Nikolaus: Bei dem Neubau handle es sich um ein Vorzeigeprojekt in ganz Europa, das Arbeitsplätze in der Region schaffen werde. „Die Alternative wäre gewesen, Aldi geht weg“, machte er deutlich. Dass die Entscheidung für Kirchheim gefallen ist, hänge letztlich damit zusammen, dass „die Werbetrommel ohne Ende gerührt“ worden und die Infrastruktur günstig sei – außerdem mit Glück: „Das ist ein riesen Standortvorteil.“

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