Kirchheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zentrallager für die ganze Region: Was Aldi alles ändern will

Das Aldi-Logistikzentrum in Kirchheim wird durch einen größeren Neubau ersetzt. Rechts im Hintergrund: das Metro-Lager.
Das Aldi-Logistikzentrum in Kirchheim wird durch einen größeren Neubau ersetzt. Rechts im Hintergrund: das Metro-Lager.

Aldi Süd will Kirchheim zum wichtigsten Logistikstandort ausbauen. Welche Pläne der Discounter hat und wo mögliche Probleme gesehen werden.

Das 2003 eröffnete Logistikzentrum von Aldi Süd in Kirchheim platzt aus allen Nähten. Während 2018 von dort noch 51 Märkte beliefert wurden, sind es aktuell 87 der rund 2000 Filialen in Süd- und Westdeutschland. Und es sollen „deutlich mehr“ werden, wie André Rößing, in leitender Position beim Logistiknetzwerk des Konzerns, ankündigte. Auch seien derzeit viele Arbeitsabläufe noch manuell zu erledigen und mitunter körperlich belastend. „Das ist sehr unattraktiv, wir finden kaum noch Personal“, berichtete er dem Ortsgemeinderat. Es solle vieles automatisiert werden und das Lager müsse wachsen. Aus diesen Gründen plant der in Mühlheim an der Ruhr ansässige Discounter einen Neubau. Dafür soll das bisherige Gebäude abgerissen werden.

Für das Unternehmen wäre es deutlich günstiger, wenn es irgendwo auf der grünen Wiese ein neues Distributionszentrum errichten und den Bestand vermieten würde, meinte der Standortleiter Thomas Nikolaus. Doch Aldi wolle Kirchheim treu bleiben. Auf dem fast quadratischen, rund 197.000 Quadratmeter großen Grundstück im Rosengartenweg sei das Gebäude prominent sichtbar, dabei mit etwas mehr als 100 Metern relativ nah an der A6, aber gleichzeitig weit entfernt von der Wohnbebauung, so Rößing.

Gebäude bis zu 33 Meter hoch

Architekt Martin Kraus informierte über das Projekt: Die Lagerkapazitäten werden erheblich erweitert. Vorgesehen sei eine Fläche von 67.000 Quadratmetern, die jetzige messe 38.000 Quadratmeter. Kirchheims Bürgermeister Thomas Dhonau (SPD) wollte wissen, wie hoch das neue Logistikhaus wird. „An der höchsten Stelle 33 Meter, ansonsten 24“, so Kraus. „Allerdings werden die Niveauunterschiede gestaffelt und dank einer strukturierten Fassade in Grün und Weiß sieht das dann nicht mehr so wuchtig aus.“ Das benachbarte Metrogebäude rage 21 Meter in die Höhe, klärte er auf. Das Personal werde auf mehr als das Doppelte aufgestockt: von ungefähr 280 Mitarbeitern auf etwa 600 im Drei-Schicht-Betrieb.

Ansgar Galler (FWG) erkundigte sich nach der Verkehrssituation. „Wie viele Lastwagen fahren dort heute pro Tag und wie viele werden es nach dem Neubau sein?“ Rößing sagte, dass zwar mehr Brummis unterwegs sein werden, das allerdings kaum spürbar sei. Denn der Lieferverkehr werde sich über den Tag verteilen. Außerdem würden die Lkw besser ausgelastet, mit 33 bis zu 2,50 Meter hohen Paletten. So hoch zu stapeln sei bisher aufgrund der manuellen Entladung nicht möglich. „Ein Verkehrsgutachten wird die Auswirkungen zeigen“, so Rößing. Galler merkte an, dass die Straßen im Gewerbegebiet Rosengartenweg schon mächtig unter dem Schwerlastverkehr gelitten hätten. Christdemokrat Jörg Mühlmichel bat um das Aufstellen von deutlicheren Hinweisschildern: „Immer wieder kommt es vor, dass Lastwagen von der falschen Seite in den Ort fahren.“

Photovoltaikanlage wächst beträchtlich

Architekt Kraus betonte, dass das Thema Nachhaltigkeit bei Aldi Süd einen hohen Stellenwert habe. So würden beispielsweise zum Kühlen der Ware ausschließlich klimaneutrale Kältemittel verwendet. Abwärme werde zum Heizen genutzt. Die eigene Stromerzeugung werde fast versechsfacht. Statt der bisherigen Photovoltaikanlage (PVA) mit einer Spitzenleistung von 450 Kilowatt-Peak (kWp) soll eine mit circa 2600 kWp aufs Flachdach. Letzteres wird zu mehr als 80 Prozent begrünt. Die vorhandene Bepflanzung des Betriebsgeländes bleibe erhalten, versicherte Kraus.

Der grobe Zeitplan des Projektes sieht folgendermaßen aus: Das Erstellen des Bebauungsplans, dessen Kosten Aldi trägt, wird voraussichtlich noch bis Mitte nächsten Jahres dauern. Die Objektplanung will der Discounter im zweiten Quartal 2027 abgeschlossen haben. Parallel werden die Genehmigungsverfahren für den Abbruch des Bestandes und den Neubau laufen. Derweil muss das Lager geräumt und für drei Jahre in einer noch zu findenden Immobilie untergebracht werden. Die Abrissbirne wird Mitte 2027 anrücken und die Errichtung des neuen Logistikzentrums wird im ersten Quartal 2028 beginnen. Mit der Fertigstellung rechnet der Konzern Ende 2030.

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