Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Sternenkinder: So will die Frankenthaler Stadtklinik trauernde Eltern begleiten

Grabschmuck auf der Grabanlage für Sternenkinder auf dem Frankenthaler Hauptfriedhof.
Grabschmuck auf der Grabanlage für Sternenkinder auf dem Frankenthaler Hauptfriedhof.

Wie hilfreich kann die Stadtklinik Eltern beiseitestehen, die dort ihr Baby tot zurücklassen müssen? Zwei Mütter fühlten sich ziemlich alleingelassen mit ihrem Schmerz.

Man kann sich den Schmerz nicht vorstellen, den Eltern ertragen müssen, die ein Kind verloren haben. Und dann auch noch in einem frühen Stadium, da das Baby noch gar nicht geboren oder außerhalb des Mutterleibs nicht lebensfähig war. Sternenkinder werden diese winzigen Wesen liebevoll genannt, weil sie nicht oder nicht lange auf der Erde verweilen durften und vor dem bewussten Eintritt ins Leben gleich zu den Sternen aufgebrochen sind.

Und was geschieht mit ihrer sterblichen Hülle, die im OP- oder Kreißsaal zurückbleibt? Dieser grausamen Frage müssen sich ihre Mütter stellen, die gerade in der Klinik entbunden haben oder operiert werden mussten, um einen weniger als 500 Gramm leichten Fötus tot zu bergen. Auch in der Stadtklinik in Frankenthal, wo ein Netzwerk aus Seelsorgerinnen, Hebammen und Medizinern in dieser traumatischen Phase des Abschiednehmens assistieren will. Doch nicht jede Mutter hat sich dort in der Vergangenheit mit ihren existenziellen Fragen und Nöten aufgefangen gefühlt. Was zwei von ihnen nun öffentlich thematisiert haben, hat ihre Zuhörer betroffen gemacht.

Neues Gräberfeld auf dem Hauptfriedhof

Ihre schonungslosen Schilderungen, die sie auch gegen Relativierungen und Erklärungsversuche verteidigen, brechen reichlich unvermittelt aus ihnen heraus, mitten in einer Gesprächsrunde, die sich auf einen ganz anderen Aspekt im würdevollen Umgang mit Sternenkindern konzentrieren wollte: Der Arbeitskreis Friedhof, der an diesem Mittwochabend in den Räumen des Eigen- und Wirtschaftsbetriebs Frankenthal (EWF) tagte, wollte sich eigentlich Zeit nehmen, um die Gestaltung eines neuen Areals auf dem Hauptfriedhof speziell für Sternenkinder und Kinder gemeinsam zu entwickeln.

Für ein neues Gräberfeld in direkter Nachbarschaft zur Sternenkinder-Anlage (hinter der Baumreihe) sind zwei Bäume gefällt worde
Für ein neues Gräberfeld in direkter Nachbarschaft zur Sternenkinder-Anlage (hinter der Baumreihe) sind zwei Bäume gefällt worden.

Bislang sind für beide Bedarfe zwei getrennte Bereiche am Rande des Friedhofs angelegt. Aus Kapazitätsgründen soll nun ein drittes Gemeinschaftsfeld hinzukommen, in der Nähe der bisherigen Gedenkstätte für die Sternenkinder. Wie das angelegt werden soll, um allen Wünschen für eine würdige Grabgestaltung gerecht zu werden, andererseits aber auch einen insgesamt geordneten Gesamteindruck zu vermitteln, dafür sind eine Menge Ideen zusammengekommen, die der Arbeitskreis nun sortieren will.

Sie reichen von einem ewigen Briefkasten, in den persönliche Zeilen eingeworfen werden können, die sich nach und nach im Erdreich zersetzen, bis hin zu einer Sitzbank für trauernde Eltern und einem kleinen Sandkasten, in dem Geschwisterkinder sich ablenken können. Diese Impulse will Marietta Mayer, die für den EWF die Friedhöfe federführend verwaltet, nun für die nächste Sitzung aufbereiten.

Mehr zu Sternenkindern in Frankenthal

Erinnerung: Weitere Ruhestätte für Sternenkinder auf Frankenthaler Hauptfriedhof
Tod und Gedenken: So soll künftig verstorbenen Kindern auf dem Friedhof gedacht werden
Totgeborene Kinder: „Bleiben immer Teil der Familie“

„Infoblatt in die Hand gedrückt“

Doch diese strukturellen Überlegungen für ein würdiges und optisch ansprechendes Gedenken werden an diesem Abend überlagert von den Schilderungen zweier Mütter darüber, wie sie die Behandlung direkt nach dem Verlust ihres Babys in der Stadtklinik empfunden haben. Sie fühlten sich nicht adäquat aufgeklärt darüber, wie es nun mit ihrem Sternenkind weitergeht – oder sie waren in einer Verfassung, in der sie unfähig waren, solche Informationen aufzunehmen. Zitiert wurde eine weitere Mutter, die lange im Unklaren geblieben sein soll über den Verbleib des kleinen Körpers.

„Das ist kein routinemäßiger Eingriff, da braucht es schon etwas mehr Einfühlungsvermögen anstatt einem im Aufwachraum nur ein Infoblatt in die Hand zu drücken“, hätte eine Mutter erwartet. Dass über eine sensiblere Ansprache der Eltern von Sternenkindern in deren unterschiedlichen Konstellationen klinikintern diskutiert wird, bekräftigte Sonja Hebrock. Sie hat selbst ein Baby unter diesen Umständen verloren, bringt sich engagiert in die Neugestaltung des Sternengräberfelds auf dem Hauptfriedhof ein und vertritt heute die FWG im städtischen Krankenhausausschuss.

Hebammen stehen zur Seite

Die Stadtklinik ist nicht in dem Arbeitskreis vertreten. Sind den Verantwortlichen solche Erfahrungen bekannt? Wie geht das medizinische Personal mit dieser hochsensiblen Situation um, wie erreicht es die Eltern in deren Schmerz? Grundsätzlich muss da unterschieden werden zwischen der Geburtshilfe und der Gynäkologie. Im Kreißsaal würden die trauernden Eltern über die Bestattungsmöglichkeiten informiert, erläutert die leitende Hebamme Annette Drabe auf Nachfrage. Eine davon ist die jährliche Sammelbestattung von Sternenkindern auf dem Hauptfriedhof im Rahmen einer interreligiösen Zeremonie.

Mehr aus Frankenthal

Landtagswahl am 22. März: So funktioniert die Briefwahl in Frankenthal
Neues Gewerbegebiet an der A6: Frankenthal will zusätzlichen Autobahnanschluss
Anno dazumal: Als Krieg auch in Frankenthal noch als ehrenwerte Beschäftigung galt

Nach dem reformierten Bestattungsgesetz könnte die Urne neuerdings auch mit nach Hause genommen werden. Ein solcher Wunsch ist Anfang des Jahres erfüllt worden. Zur psychologischen Begleitung könnten Hebammen die Klinikseelsorgerinnen hinzuziehen. Zudem können sie an den Wormser Verein Sternengeflüster verweisen, der sich auch in die Pflege der Sternengräber und in den Arbeitskreis Friedhof einbringt, erläutert Drabe.

Zugang zur Gemeinschaftsgrabstätte für Sternenkinder.
Zugang zur Gemeinschaftsgrabstätte für Sternenkinder.

Mitunter begleiteten Hebammen Mütter auch über den Termin in der Stadtklinik hinaus bei der Trauerbewältigung zu Hause und betreuten diese auch psychosozial. In den 42 Jahren ihres Hebammendienstes ist es ihr erspart geblieben, dass ein Kind während einer von ihr begleiteten Geburt gestorben ist. Drabe und ihre Kolleginnen werden gebraucht, wenn etwa ab der 14. Schwangerschaftswoche Geburten eingeleitet werden müssten, weil der Embryo zu massiv geschädigt oder abgestorben ist.

Empathisch und professionell

In der Gynäkologie wird wiederum unterschieden zwischen einem Notfall und einem geplanten Eingriff nach einer Überweisung durch eine Frauenärztin. Sowohl im ärztlichen Aufklärungsgespräch vor der körperlichen Untersuchung als auch beim Entlassungsgespräch würden sensible Aspekte wie die Bestattung eines Sternenkinds thematisiert und auf Wunsch mit den Eltern vertieft, informiert der stellvertretende Chefarzt Franz-Gregor Hüttner auf Anfrage. Hilfestellungen könnten die Mediziner aus Checklisten beziehen, die hohe Standards gewährleisteten, aber auch hausintern von Psychologen und Seelsorgerinnen.

„Es ist unserem gesamten Team, inklusive der sehr engagierten Krankenhausseelsorgerinnen, ein echtes Anliegen, dass diese für jedes Elternteil so belastende Erfahrung, in unserer Klinik bestmöglich empathisch und professionell gehandhabt wird.“ Solche Gespräche bedürften eines besonderen Maßes an Zuwendung. Deren Ziel sei es, Eltern nicht weiter zu verletzen, sondern Orientierung zu geben und gegebenenfalls Brücken zu bauen und Wege zu weisen, um die weitere Verarbeitung zu erleichtern. „Nicht die rein medizinisch-somatische Versorgung steht dabei im Vordergrund, sondern eine einfühlsame Kommunikation mit Menschen in einer sehr verletzlichen Lebenssituation.“

Mehr zum Thema
x