Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Als Krieg auch in Frankenthal noch als ehrenwerte Beschäftigung galt

Postkarte zum Kriegerfest: Ein stolzer Soldat präsentiert sich mit Fahne und weist auf das Kriegerdenkmal hin, das seit 1889 vor
Postkarte zum Kriegerfest: Ein stolzer Soldat präsentiert sich mit Fahne und weist auf das Kriegerdenkmal hin, das seit 1889 vor dem Frankenthaler Rathaus an den siegreichen Krieg von 1870/71 und die Gründung des Deutschen Reiches erinnerte.

Nie war vaterländische Begeisterung größer als nach siegreichen Kriegen. Da machte auch Frankenthal keine Ausnahme. Zeuge dafür ist der Kriegerverein.

Im Nachhall des erfolgreichen Feldzugs 1870/71 gegen das Nachbarland Frankreich war in Frankenthal ein Kriegerverein für ehemalige Kameraden, die einen Feldzug mitgemacht hatten, gegründet worden; immerhin 103 Mitglieder waren 1877 registriert. Dem Kriegerverein gesellte sich im Spätsommer 1886 noch ein Militärverein hinzu, dem sich nach gerade mal zehn Jahren schon mehr als 300 Mitglieder angeschlossen hatten. Vorstand war Ende der 1890er-Jahre der Frankenthaler Industrielle Hans Kopp (Kriegsteilnehmer 1870/71 und Träger des Eisernen Kreuzes 2. Klasse).

Ein ereignisreiches Wochenende stand Frankenthal am 30. und 31. Juli 1898 ins Haus. Zum ersten Mal seit dem Feldzug 1870/71 hatte die Stadt die Ehre, die pfälzischen Veteranen, Krieger und Soldaten in ihren Mauern begrüßen zu dürfen. Zugleich konnte dabei auch die silberne Jubelfeier (25 Jahre) der pfälzischen Kampfgenossenschaft (aktuell 370 Vereine mit über 70.000 Mitgliedern) gefeiert werden. Die Ausrichter der Veranstaltung, der Krieger- sowie der Militärverein, hatten beide samstags zuvor noch einmal eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten (bei Clossmann in der Bahnhofstraße beziehungsweise im Häge’schen Brauhauskeller), um die notwendigen Weichen zu stellen für das bevorstehende Großereignis.

Empfang im Sonntagsanzug

Im Verlag des Frankenthaler Buchhändlers Georg Christmann waren zwei Ansichtspostkarten zum Fest erschienen, die Christmann in seinem Geschäft am Marktplatz (heute ist dort mit „Thalia“ wiederum eine Buchhandlung) zum Kauf anbot. Für die künstlerische Gestaltung der „recht geschmackvoll ausgeführten Karten“ (Ankündigung in der Frankenthaler Zeitung vom 30. Juli) zeichnete J. Rheinberger aus Dürkheim mit Lithografien zu Frankenthaler Motiven verantwortlich.

Zum Empfang der Prinzregentenfahne und des Ersten Präsidenten des bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenbundes, Ritter Georg von Waagen, der aus München anreiste, fanden sich am Samstagnachmittag (30. Juli 1898) die Mitglieder der beiden Frankenthaler Vereine vor dem Bahnhof ein, im Sonntagsanzug, wie ausdrücklich gewünscht wurde. An der Bahnhofstraße war ein Triumphbogen errichtet worden, um die Gäste gebührend zu empfangen.

Festbankett in der Turnhalle

Frankenthal hatte „sein Festkleid angelegt“, wie es die Presse formulierte. Man hatte im Vorfeld schon an die Einwohner appelliert, die „Häuser gefälligst zu beflaggen und zu schmücken“. Die „Frankenthaler Zeitung“ (zweiseitiger Artikel am 1.8.1898) war über das Ergebnis äußerst zufrieden: „Die Hauptstraßen waren gleichsam über Nacht in liebliche Alleen verwandelt worden … mit vielen hundert zartgrünen Tannen- und Fichtenbäumchen, die wenige Stunden früher im stillen Walde noch ein gemütliches Traumleben geführt hatten.“ In vielen Schaufenstern waren Büsten von Prinzregent Luitpold und Kaiser Wilhelm platziert worden.

Das Festbankett am Samstagabend (Gedeck ohne Wein 2,50 Mark) fand in der festlich geschmückten Turnhalle am Paradeplatz (heutiger Röntgenplatz) statt. Hier hatten sich, begrüßt von Rechtsanwalt Karl Schweickert, dem Vorsitzenden des Kriegervereins, die Ehrengäste, Spitzen der Behörden und der Stadtverwaltung, zahlreiche Offiziere („im Beurlaubtenstand“) sowie viele interessierte Bürger eingefunden. Das Konzert auf dem Festplatz vor der Halle fand weniger Beachtung; das ungünstige, kühle und regnerische Wetter war für den Aufenthalt im Freien nicht gerade angenehm.

Bismarcks Tod trübt Feststimmung

Der folgende Sonntag brachte nicht nur schöneres Wetter, sondern auch viele Aktivitäten. Man traf sich am Vormittag (jetzt mit schwarzem Anzug, Zylinder und weißen Handschuhen) vor der Villa von Rechtsanwalt Karl Schweickert in der Westlichen Ringstraße, um den dort logierenden Ehrengast von Waagen und die Prinzregentenfahne in die Turnhalle zu begleiten, wo die Beratungen und die Festsitzung stattfanden. Von den vorab 172 gemeldeten Vereinen aus der Pfalz, Baden und Hessen waren immerhin 155 anwesend. Die Kriegerherrlichkeit wurde vorübergehend etwas getrübt: Am Vorabend war der ehemalige Reichskanzler Fürst von Bismarck verstorben; Extrablätter mit der Trauernachricht wurden schon am Vormittag in Frankenthal verbreitet.

Hans Kopp begrüßte im Namen der hiesigen militärischen Vereine die Gäste in der Halle. Huldigungstelegramme wurden abgesandt an den Prinzregenten Luitpold von Bayern und den deutschen Kaiser Wilhelm II. Der Prinzregent bedankte sich noch am gleichen Abend mit einem Antworttelegramm, die anwesenden Gäste reagierten darauf mit einem dreifachen „Hoch!“ und einem dreifachen „Hurra!“. Um die Mittagszeit begab man sich mit der Fahne zum Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz, wo als Glanzpunkt der Sonntagsfestlichkeiten der Festakt stattfand. Für die Prinzregentenfahne wurde ein Fahnenband mit silbernem Lorbeerkranz überreicht; die Frankenthaler Stadtkapelle sorgte (unter anderem mit „Lobe den Herrn!“ und der „Wacht am Rhein“) für die stimmige musikalische Begleitung. Zweieinhalb Stunden später erfolgte der Festzug durch die Stadt, an dem 2000 Krieger, Fahnen- und Schildträger teilnahmen.

Elektrisches Licht und Tramwayverkehr

Das Ende der Festlichkeiten bildete am Abend ein Doppelkonzert mit Feuerwerk auf dem Festplatz, wo die Fest- und Trinkhallen durch elektrisches Licht beleuchtet wurden. Für die Besucher an beiden Tagen war vom Bahnhof bis zum Festplatz eigens ein „Tramwayverkehr“ (organisiert durch einen Wormser Unternehmer) eingerichtet, der alle 20 Minuten startete. Allen anwesenden Vereinen wurde für ihre Vereinsfahne ein von den Gastgebern gestiftetes Fahnenband mit Widmung überreicht, das sie mit vielen Erinnerungen an das vergangene Wochenende mit nach Hause nehmen konnten. Die beiden Festpostkarten überstanden in zahlreichen Schatullen das folgende Jahrhundert; heute noch wird immer mal wieder ein (meist ungebrauchtes) Exemplar bei Auktionen angeboten.

Die Serie

Der Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wachwerden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quelle – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.

Postkarte zum Kriegerfest: Prinzregent Luitpold von Bayern und Generalleutnant Georg von Waagen neben einer Stadtansicht von Fra
Postkarte zum Kriegerfest: Prinzregent Luitpold von Bayern und Generalleutnant Georg von Waagen neben einer Stadtansicht von Frankenthal.
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