Frankenthal
Stadtwerke: Grundversorgung mit Strom wird billiger
„Unsere bestehenden Kunden haben von der Energiekrise nichts gemerkt“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Volkmar Langefeld. Dank einer langfristigen Einkaufspolitik habe man den Gaspreis stabil halten können. „Kundentreue hat sich ausgezahlt“, betont Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) als Aufsichtsratsvorsitzender. Auch für das kommende Jahr rechnen beide aktuell nicht mit einer Preiserhöhung bei Strom und Gas. In der Grundversorgung, in der etwa 20 Prozent der Kunden sind, werden die Stadtwerke die Kosten für Strom zum 1. Januar von derzeit brutto 42,74 Cent je Kilowattstunde auf 36,94 Cent senken – und damit unter das derzeitige Maximum der Strompreisbremse von 40 Cent. Die Debatte über den Fortbestand der Energiepreisbremse betreffe den lokalen Versorger damit nicht. „Beim Gas waren wir nie drüber“, so der Geschäftsführer. Eine Preissenkung sei hier deshalb nicht geplant.
Grundsätzlich seien Energiepreise inzwischen aber deutlich weniger beständig, warnt Langefeld. Politische Entscheidungen in der Energiekrise „fast ohne Übergangszeiten“ hätten insbesondere in Vertrieb und Abrechnung das Personal massiv gefordert. Im Stadtgebiet Frankenthal sowie in Bobenheim-Roxheim und Gemeinden der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim mit Ausnahme von Lambsheim versorgen die Stadtwerke Frankenthal nach eigenen Angaben rund 80.000 Kunden mit Strom, Gas und Wasser.
70 Prozent der Neukunden gehalten
Pleiten von Billiganbietern haben den Werken 2022 einen deutlichen Zuwachs an Kunden beschert. Von 15 bis 20 Prozent Plus spricht der Geschäftsführer. „Die meisten von ihnen sind bei den Stadtwerken geblieben.“ Nach dem Wechsel aus der teureren Grundversorgung in günstigere Verträge habe man bislang rund 70 Prozent der Neukunden halten können. Der deutliche Zuwachs habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der Jahresüberschuss 2022 auf fast fünf Millionen Euro gestiegen sei (2021: 3,65 Millionen Euro), sagt OB Hebich. Insbesondere beim Gas kletterte der Umsatzerlös bei geringerer Einkaufsmenge um 4,2 Millionen Euro auf 22,5 Millionen Euro.
Beim Strom verzeichnet der kommunale Energieversorger ein Minus von 4,2 Millionen Euro (Umsatzerlös: 38,3 Millionen Euro). Anders als früher verkaufe man inzwischen deutlich weniger Strom außerhalb des eigenen Netzes. „Das ist nicht das Geschäft eines Stadtwerkes“, sagt Langefeld. Einzige Ausnahme: Frankenthaler Kunden, die auch Wohnungen andernorts vermieten. Die Baugesellschaft Frankenthal (BGF) beziehe ihren Strom von den Stadtwerken Heidenheim als Mehrheitseigner, informiert Langefeld auf Nachfrage.
Investition in Trinkwassernetz
Um die Anforderungen der Energiewende stemmen zu können, setzen die Stadtwerke Frankenthal „Großteils auf eigene Leute“, wie der Geschäftsführer betont. Alle ausgeschriebenen Ausbildungsstellen habe man in diesem Jahr besetzen können, 2022 zählte das Unternehmen 22 Azubis. Die Ausbildungsleitung für Technik und Vertrieb sei um eine Stelle aufgestockt und mit jüngeren Kollegen besetzt worden. Der Online- und Messeauftritt sei inzwischen deutlich moderner, neben der reinen Wissensvermittlung gehe es bei gemeinsamen Aktivitäten auch um Teambildung. „Ausbildung ist Chefsache“, sagt Langefeld.
In den Bau von Trinkwasserbrunnen und die Erneuerung des Wassernetzes in Großniedesheim, wo es 2022 eine monatelange Rohrbruchserie gab, sei 2022 ein großer Anteil der Investitionen von insgesamt rund 12,15 Millionen Euro (2021: 7,5 Millionen Euro) geflossen. Dem Eindruck, dass das Netz marode sei, tritt der Stadtwerke-Chef entschieden entgegen. Trotz längerer Reparaturarbeiten in Mörsch und einem massiven Zwischenfall im Oktober an der B9, bei dem 30.000 Haushalte und die Löschwasserversorgung der Feuerwehr betroffen waren, lägen die Schäden in dem rund 100 Jahre alten Netz „im Normalbereich“, die schrittweise Instandsetzung laufe. Um sich im Schadensfall gegenseitig aushelfen zu können, plane man mit weiteren Werken in der Region eine Austauschleitung, wie sie mit den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) bereits seit 50 Jahren bestehe.