Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtbücherei: Was hat das neue Leitungsduo vor?

Jede Menge Ideen: das Leitungsteam der Stadtbücherei Frankenthal, Stellvertreterin Dorle Voigt (links) und Gabriele Kölling.
Jede Menge Ideen: das Leitungsteam der Stadtbücherei Frankenthal, Stellvertreterin Dorle Voigt (links) und Gabriele Kölling.

Menschen fit machen für eine zunehmend digitale Welt: Das versteht die Stadtbücherei Frankenthal als zentralen Auftrag. Auch unter neuer Leitung von Gabriele Kölling und Stellvertreterin Dorle Voigt bleibt die Medienbildung deshalb im Fokus.

Ist das Bild, das US-Präsident Donald Trump Arm in Arm mit CDU-Parteichef Friedrich Merz zeigt, echt? Oder nur eine täuschend echte Fälschung? Desinformation und Manipulation im Netz zu erkennen, Nachrichten zu überprüfen: Das fällt häufig immer schwerer – zumal zugleich die Lesekompetenz laut Studien abnimmt. Immer besser werden dagegen die technischen Möglichkeiten, die Künstliche Intelligenz (KI) bietet. KI selbst gut informiert zu nutzen und zugleich kritisch zu hinterfragen, dabei will das Team der Stadtbücherei Nutzer mit Vorträgen und Workshops unterstützen. Zielgruppe sind dabei explizit nicht nur Kinder und Jugendliche, etwa in zahlreichen Kooperationen mit Schulen, sondern auch Erwachsene bis ins Seniorenalter, betont Gabriele Kölling. Die Nachfrage und der Bedarf an solchen Angeboten sei groß, ist sie überzeugt. „Dass wir diese Medienkompetenzen haben, ist möglicherweise noch gar nicht so bekannt“, sagt die neue Leiterin der Stadtbücherei.

Das Amt hat die 59-Jährige im Dezember von Vorgängerin Christine Wieder nach deren Wechsel an die Spitze der Stadtbibliothek Mannheim übernommen. Kölling ist 2014 nach Frankenthal gekommen und war bislang stellvertretende Büchereileiterin. Zuvor hatte sie 17 Jahre lang die Gemeindebücherei in Bobenheim-Roxheim geleitet. Und auch ihre Stellvertreterin Dorle Voigt ist für Büchereibesucher keine Unbekannte. Seit 2018 hat die Medienpädagogin maßgeblich das Angebot im Bereich neue Medien und digitales Freizeitangebot ausgebaut.

Ab März Spieleabende

Beide wissen, dass das Haus in der Welschgasse, das 2022 100 Jahre Bestehen feierte, keine radikalen Veränderungen braucht. „Als Team haben wir die Bücherei gut in Fahrt gebracht“, blickt Kölling selbstbewusst zurück und verweist auf über 400 Veranstaltungen im Vorjahr. Und das mit einer Mannschaft von 17 Köpfen – teils in Teilzeit – einschließlich Verwaltungskräften und Auszubildenden. Nach dem Weggang von Wieder ist derzeit eine Stelle frei. Schwerpunkte der neuen Kollegin oder des neuen Kollegen sollen neben dem Bestandsmanagement für Erwachsene Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen sein.

Denn auch in diesem Jahr ist das Programm schon sehr voll. Nächster Meilenstein soll am 15. März die Eröffnung des neu eingerichteten Spielecafés im ersten Obergeschoss sein. Regelmäßig soll es dort künftig Spieleabende für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren geben, bei denen die neu angeschafften Brett- und Kartenspiele ausprobiert werden können. Man reagiere damit auf eine bestehende Nachfrage, informiert Kölling.

App für englische Medien kommt an

Und auch mit einer weiteren Neuerung scheint das Team einen Nerv zu treffen: Über eine App namens Libby kann jeder, der einen Frankenthaler Bibliotheksausweis oder eine für mehrere Büchereien in der Umgebung geltende Metropolcard hat, englischsprachige Literatur, Nachrichtenmedien und Hörbücher nutzen. Zu dem digitalen Angebot gehören außerdem 130 deutschsprachige Zeitschriftentitel. Obwohl Libby noch nicht beworben worden sei, gebe es schon etliche Anmeldungen aus der ganzen Region. Das freut die beiden Chefinnen – und ist wichtig, da Büchereien für solche Apps Gebühren zahlen. Weil beispielsweise das kostenlose Musikstreaming über Freegall in Frankenthal nicht ausreichend nachgefragt wurde, wird es eingestellt.

Erstmals wollen Kölling und Voigt sich am 4. April mit dem Team an der bundesweiten „Nacht der Bibliotheken“ beteiligen. Die Pyjamalesung für Kinder sei bereits fast ausgebucht. Für eine Silent Disco, bei der Besucher zu Musik aus dem Kopfhörer gemeinsam tanzen, holt die Bücherei an dem Abend das Kulturzentrum Gleis 4 mit ins Boot, Abschlussschüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Robert Schuman bessern ihre Abikasse mit dem Verkauf von Essen auf und bei einem Nacht-Flohmarkt gibt es günstige Bücher aus zweiter Hand. Wer will, kann in der Bibliotheksnacht mithilfe einer Brille in virtuelle Welten abtauchen oder ganz einfach bis Mitternacht Medien ausleihen und zurückgeben. Eine Neuauflage des Open-Air-Quizabends in der Erkenbertruine ist für 27. August geplant.

Mitstreiter für Buchclub gesucht

Die Bücherei als Treffpunkt und Ort für eigene Ideen: Darauf zielt die Idee, bis Ende des Jahres in Frankenthal einen Buchclub zu etablieren, in dem sich begeisterte Leser austauschen. Dafür setzen Kölling und Voigt auf Interessierte, die sich bei der Organisation einbringen wollen. „Die Bibliothek ist lebendiger geworden“, sagt Kölling mit Blick auf zahlreiche virtuelle und physische Spielangebote für Kinder und Jugendliche. Durch eine akustische Abschirmung bestimmter Bereiche sollen deshalb die Bedingungen für alle verbessert werden, die in der Welschgasse lesen, lernen und arbeiten wollen. Und auch die Pflege des Bestands in elektronischer und physischer Form habe weiter großes Gewicht, unterstreicht Kölling. Schließlich sollen all die neuen Angebote nicht in Konkurrenz zum klassischen Büchereibetrieb stehen.

Wie sich die Stadtbücherei in den kommenden fünf Jahren weiterentwickeln soll, daran wird in den kommenden Monaten hinter den Kulissen gearbeitet. Bis Ende 2025 soll im Austausch mit der Stadtverwaltung ein Strategiepapier erstellt werden. Jede Wette: Medienbildung und die Förderung von Lesekompetenz stehen auch hier ganz weit oben.

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