Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtbücherei: Bunte Party zum Jubiläum

Idee rein, Zeichnung raus: So funktioniert der in der Bücherei aufgebaute Illumat.
Idee rein, Zeichnung raus: So funktioniert der in der Bücherei aufgebaute Illumat.

Zum 100. Geburtstag hat sich am Sonntag eine junge, moderne, vielseitige Stadtbücherei Frankenthal vorgestellt. Zum Tag der offenen Tür kamen eifrige Nutzer, um mitzufeiern bei Sekt, Kuchen und Spielen sowie Neugierige, die das Angebot kennenlernen wollten. Und der Strom an Besuchern riss den ganzen Tag über nicht ab.

Vor der Bücherei waren am Sonntagnachmittag alle Fahrradständer besetzt, aber auch freie Parkplätze im näheren Umfeld waren Fehlanzeige. Schon um 15 Uhr konnte die stellvertretende Büchereileiterin Gabriele Kölling einen Zwischenstand von 470 Besuchern nennen. „Von 11 Uhr an waren viele Menschen da, einige davon hatten wir noch nie hier gesehen“, berichtet sie. Zehn Neuanmeldungen verzeichnete ihr Team gegen 16.30 Uhr. „Einige Besucher haben angekündigt, sich demnächst anzumelden.“

Doch nicht nur das Ausleih- und Onlineangebot der Bücherei überzeugte, das Team dort weiß auch zu feiern, etwa mit Buffet im Lesesaal. Ständige Angebote wie das „Café Wolle“ oder „Miteinander Reden“ wurden vorgestellt, als Gast präsentierte der Weltladen sein faires Angebot. Es wurde gebastelt, programmiert, fotografiert, im Quiz eigenes Wissen getestet oder die Vielfalt der Stadtbücherei erkundet.

Konzentriert zuhören

In Ober-, Erdgeschoss und auf der Terrasse, überall waren Stationen aufgebaut für kleine und große Besucher – wobei es wohl manch Großem gefallen hätte, bei den Kinderspielen mitzumachen. Etwa bei „Just Dance“, einem auch in privaten Kinderzimmern gern genutzten Softwareprogramm. Die Kinder müssen dabei vor dem großen Bildschirm Bewegungen nachmachen. Wer das am besten konnte, wurde „König“. Gleich viermal gekrönt wurde der neunjährige Erjon Thaqi. Dagegen müsse Cousine Eliane Gjoci (6) noch tüchtig zu Hause üben, meinte der aktive Fußballer.

Fünf lyrische Texte, die berührten, gab es von Frank und Marion Barchet vom Theater Alte Werkstatt auf der Terrasse. Besucher konnten zwischen Frauen- und Männerstimme wählen. „Tendenziell wollen Männer eine Frauenstimme hören“, beobachtete Barchet. In einer Art Umkleide wurde gelesen, ganz entspannt, allem Profanen entrückt, konnte der Zuhörer per Kopfhörer den etwa zweiminütigen Texten lauschen. Gudrun Pfeifer entschied sich für einen Auszug aus einem Goethe-Gedicht über die Spannung in der Hochzeitsnacht. Sie bevorzuge Hörbücher und Hörspiele, weil es ihr leichter Falle, sich dem Gehörten zuzuwenden, nachzuspüren und darüber nachzudenken, sagte sie.

Anziehungspunkt für Kinder waren Videos, über die man mit der Virtual-Reality-Brille ins Meer abtauchen oder auf einem Skateboard über Straßen rasen konnte. Christian Hammer (10) entschied sich fürs Tauchen. Zweidimensional konnten die Besucher den Weg mitverfolgen zwischen Fischschwärmen, Mantarochen, Quallen …. bis zum Ruckeln beim Aufkommen auf dem Meeresgrund. Ein wenig schwindelig und am Ende des virtuellen Tauchgangs fast ein bisschen unheimlich zumute sei ihm, meinte Christian.

Blick hinter die Kulissen

Mama Andrea Hammer entschied sich für eine Führung durch die Stadtbücherei, die auch hinter die Kulissen führte. „Da möchte ich gerne mal hineinschauen“, sagte sie. Waren die Führungen beliebt, so war der absolute Renner der Illumat. Doch im Innern des quadratischen Zeltes befanden sich weder Rechner noch Plotter, Scanner oder Drucker, sondern vier leibhaftige Zeichner: Stefanie Rotter, Florian Mensel, Rosa Linke und Ina Hattenhauer. Alles berufstätige Designer und Illustratoren, die mit elf weiteren Kolllegen 2007 über ein Weimarer Uniprojekt des Studiengangs Illustration und visuelle Kommunikation zueinandergefunden haben.

Berufsziel sei ja die Erfüllung von Auftragsarbeiten – so wie am Tag der offenen Tür: Auf Wunschzetteln stehen Begriffe, die über einen Schlitz im Zelt landen und von den Zeichnern auf vorgeschnittenen Karten umgesetzt und über einen Spalt wieder ausgeworfen werden. Die Illusion des Automats bleibt so also stets gewahrt. Katharina Wittje (8) hatte den Begriff Steuerbär gewählt, weil zu Mama Maria Gomez Feier anlässlich der bestandenen Prüfung als Steuerfachangestellte das Kinderlied „Gummibärchen“ in „Steuerbärchen“ umfunktioniert und gesungen wurde. Das sei ihr nicht mehr aus dem Kopf gegangen – und nun hielt sie ihren streng blickenden, mit Steuerunterlagen bewaffneten Steuerbär in Händen. Witzig umgesetzt etwa war auch die Powerpommes mit Ketchup-Klecks auf dem Kopf. Eins stellte Kinderbuchautorin Ina Hattenhauer ganz klar fest: „Die Einhorndichte in Frankenthal ist sehr hoch.“

Fotos vor dem Greenscreen: Diese Technik konnten Besucher ausprobieren.
Fotos vor dem Greenscreen: Diese Technik konnten Besucher ausprobieren.
100 Jahre Stadtbücherei: Leiterin Christine Wieder (links), ihre Stellvertreterin Gabriele Kölling und Oberbürgermeister Martin
100 Jahre Stadtbücherei: Leiterin Christine Wieder (links), ihre Stellvertreterin Gabriele Kölling und Oberbürgermeister Martin Hebich feiern mit.
Mit der Virtual-Reality-Brille in spannende Welten tauchen war ein weiteres Angebot beim tag der offenen Tür.
Mit der Virtual-Reality-Brille in spannende Welten tauchen war ein weiteres Angebot beim tag der offenen Tür.
Beim Spiel „Just Dance“ geht es darum, Bewegungen auf dem Bildschirm nachzuahmen.
Beim Spiel »Just Dance« geht es darum, Bewegungen auf dem Bildschirm nachzuahmen.
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