Frankenthal
Wechsel in Bücherei: Bilanz von Leiterin Christine Wieder
An ihren ersten Besuch in der Frankenthaler Stadtbücherei dürfte Christine Wieder sich kaum selbst erinnern. Schon im Kinderwagen habe Mutter Karin, langjährige Leiterin der katholischen Kindertagesstätte St. Ludwig, sie mitgenommen, erzählt die 41-Jährige. Während der Schulzeit sei sie als begeisterte Leserin regelmäßig zu Besuch in der Welschgasse gewesen. Und so sollten die Autoren der Abizeitung am Albert-Einstein-Gymnasium letztlich recht behalten, die als künftigen Traumberuf „Bibliothekarin“ vorhersagten.
Tatsächlich sei sie seit ihrem Dienstantritt im Februar 2015 „jeden Tag gerne zur Arbeit gekommen“, sagt die Wahl-Mannheimerin. Dass es am Ende fast zehn Jahre werden würden, sei damals nicht geplant gewesen. Die gebürtige Frankenthalerin und Tochter des ehemaligen Oberbürgermeisters Theo Wieder übernahm die stellvertretende Leitung zunächst als Elternzeitvertretung, zwei Jahre später rückte sie – ebenfalls kommissarisch – im Tausch mit Gabriele Kölling an die Spitze, ehe sie wieder zwei Jahre später offiziell die Chefposition innehatte.
Freiraum dank Selbstverbuchung
Als eines der großen Projekte, die das Team unter ihrer Führung erfolgreich umgesetzt hat, nennt Wieder die Umstellung der Ausleihe auf ein System der Selbstverbuchung Ende 2021. Durch die Arbeitsentlastung konnten die Öffnungszeiten verlängert werden. Außerdem seien so Ressourcen frei geworden für zusätzliche Angebote der Medienbildung und Leseförderung sowie das ohnehin breit aufgestellte Veranstaltungsprogramm.
Zum 17-köpfigen Mitarbeiterstab gehören inzwischen neben Verwaltungskräften, Bibliothekarinnen und einer Auszubildenden auch Medien- und Kindheitspädagoginnen. Kindergartenkinder und Schüler lernen in ihrer Bücherei Programmieren und drehen kleine Trickfilme. Neben den klassischen Medien habe man das digitale Angebot in den zurückliegenden Jahren konsequent ausgebaut, sagt die scheidende Leiterin. Sie habe dabei gerne Impulse gesetzt, Vieles sei im Dialog entstanden, betont Wieder und verweist auf ihr „kreatives Team“. Nicht zuletzt dank Fördergeldern aus Land und Bund habe man trotz klammer Finanzlage in Frankenthal viel umsetzen können.
Bohrmaschine zum Ausleihen
Eine eigene Bücherei-App, die den Überblick über Ausleihen vereinfachen soll sowie Streamingportale für Filme und Musik nennt Wieder als Beispiele der Digitalisierung. Dass Mahnungen künftig per E-Mail zugestellt werden können, sei in Kürze geplant. Eine Gamingstation ermöglicht seit 2018 das gemeinsame Zocken am Videobildschirm und an der Konsole, Forscherstationen laden zum naturwissenschaftlichen Experimentieren ein. Der Jugendbereich im Erdgeschoss sei gemeinsam mit jungen Nutzern nach deren Wünschen als gemütlicher Rückzugsort gestaltet worden. In einer „Bibliothek der Dinge“ können Nutzer seit Frühjahr unter anderem Werkzeuge, Sportgeräte und Musikinstrumente ausleihen.
Spielecafé für Erwachsene
Als einen ihrer persönlichen Lieblingsorte im Haus nennt Wieder das Lesecafé im Obergeschoss. Hier sollen künftig Brettspiele für Erwachsene angeboten werden. Auch das ein Wunsch von Nutzern – dessen Realisierung sie nun nicht mehr selbst miterlebe, wie die 41-Jährige berichtet. Schon seit einiger Zeit liege dort ein Puzzle aus, bei dem sich jeder Besucher an der Suche nach den passenden Teilen beteiligen kann. Es freue sie zu erleben, „dass die Bücherei bei Vielen zum Leben gehört“, sagt Wieder. Als Leiterin sichtbar zu sein, etwa an der Auskunftstheke, sei ihr immer wichtig gewesen. Mit der Stadtbibliothek in Mannheim übernimmt Wieder, die seit Längerem in der Quadratestadt lebt, ein deutlich größeres Haus mit über 70 Mitarbeitern und Zweigstellen in elf Stadtteilen.
In der Stadtbücherei Frankenthal steigt die bisherige Stellvertreterin Gabriele Kölling (59) an die Spitze auf. Ihre bisherige Position übernimmt die Medienpädagogin Dorle Voigt.