Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochen-Kolumne
Polizei: Einfach gucken
Der Scherz ist das Loch, aus dem die Wahrheit pfeift. Möglicherweise in diesem Sinn haben sich die Verantwortlichen der örtlichen Polizeiinspektion gedacht: Wenn die RHEINPFALZ sich in ihrer Wochenkolumne über ihr Engagement bei der Kontrolle der „Radrowdys“ in der Frankenthaler Fußgängerzone lustig macht, dann zeigen wir diesen Spöttern mal, was wir drauf haben. Am Montag, 18. September, direkt nach Veröffentlichung des Beitrags „Stadtradeln: Wen stört’s“, erreicht die Redaktion jedenfalls eine Pressemitteilung, die von ruhmreichen Taten der Ordnungshüter kündet: „Nachdem bereits mehrere Kontrollen im Jahresverlauf erfolgt sind, wurden bei der letzten Kontrolle am 11.09.2023 insgesamt 13 fahrradfahrend angetroffene Verkehrsteilnehmer gezielt angesprochen und die Verkehrsordnungswidrigkeiten geahndet.“ Die Polizei offenbart zudem Problembewusstsein: Das Radeln dort, wo eigentlich Laufen angesagt wäre, führe zu „gefährlichen Situationen“ und unter Umständen zu „Unfällen und Verletzungen“. Dass am Dienstag genau das einer 59 Jahre alten Frau widerfährt, ist möglicherweise ein blöder Zufall. Aber am Ende doch vielleicht ein Hinweis darauf, dass Kontrollen „in unregelmäßigen Abständen“ das Problem nicht lösen. Jörg Schmihing
Büchertreff: Einfach machen
Gertrud Emming hat eine Mission: Die rührige Wahl-Frankenthalerin will im Nordend einen Treffpunkt für Senioren schaffen. Mit ihrer Idee, dafür eine stillgelegten Bushaltestelle in der Wilhelm-Hauff-Straße in einen öffentlichen Bücherschrank mit Sitzgelegenheit und Platz für einen gemütlichen Plausch umzugestalten, trifft die 72-Jährige offensichtlich einen Nerv. Nachdem die RHEINPFALZ Ende Juli über das Projekt berichtet hatte, werde sie immer wieder von Unbekannten darauf angesprochen. „Ich glaube, ich könnte in jedem Stadtviertel einen öffentlichen Bücherschrank aufstellen – das würde ankommen“, freut sich Emming.
Grundsätzliche Unterstützung hat inzwischen auch die Stadt zugesagt – nachdem die Seniorenbeirätin zunächst fast ein Jahr lang auf Rückmeldung aus dem Rathaus gewartet hatte. Mit so viel Rückenwind startet die beharrliche Rentnerin nun durch. Jeden Mittwoch um 15 Uhr lädt sie Senioren mit und ohne Rollator zum Spaziergang ein. Solange es keinen Bücherschrank gibt, bringt Emming einfach eine Bücherbox mit. Nach dem Prinzip „Nimm ein Buch und bring ein Buch“ können sich Lesefreunde hier austauschen. Was die Resonanz angeht, ist die Frankenthalerin entspannt. „Wenn niemand kommt, nehme ich mir ein Buch und lese.“ Wetten: Weit wird sie dabei wohl nicht kommen, wenn sich der Treff erstmal rumspricht. Sonja Weiher
Ausschuss: Einfach abwarten
Eigentlich war der Rückzieher beim Bebauungsplan „Meergärten“ reine Formsache. Trotzdem wurde die interessierte Öffentlichkeit am Donnerstag bei der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses 35 Minuten lang aus dem Spiegelsaal des Congress-Forums verbannt. Grünen-Sprecher Gerhard Bruder hatte sich zuvor zum Fürsprecher der betroffenen Grundstückseigentümerin gemacht und minutiös deren Leidensgeschichte aufgerollt.
Dass in fünfjährigen Verhandlungen keine vernünftige Lösung gefunden worden sei und die böse Verwaltung den weiteren baulichen Aktivitäten der Dame, die nicht nur ein Gewächshaus und einen Wintergarten plante, sondern das Grundstück auch einzäunen wollte, einen Riegel vorgeschoben habe, dafür zeigte Bruder kein Verständnis. Die Pfauenhaltung, die in der Vergangenheit für einigen Unmut in der Nachbarschaft gesorgt hatte, wurde inzwischen ebenfalls untersagt.
Als der Grüne dann noch mutmaßte, dass der Umstand, dass ein ehemaliges Mitglied des Stadtvorstands im Meergartenweg wohnt, zum Scheitern des Bebauungsplans beigetragen habe, sah Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU), der sich zu dem Thema eigentlich nicht mehr äußern wollte, plötzlich erheblichen Gesprächsbedarf. Allerdings hinter verschlossenen Türen und sofort. Dabei wäre dafür sicher nach dem öffentlichen Teil der Sitzung noch Zeit gewesen. Alois Ecker