FRANKENTHAL RHEINPFALZ Plus Artikel Stress wegen Pfauen

Streitobjekt: einer der Pfauen, um die es geht.
Streitobjekt: einer der Pfauen, um die es geht.

Von ihren geflügelten Nachbarn fühlen sich die Kühns im Meergartenweg gestört. Die Besitzerin der Pfauen hingegen meint, dass sich die Rufe der Vögel im Rahmen halten. Juristisch scheint die Sache klar: Die Stadtverwaltung hält die Pfauenhaltung für zulässig.

Pfauen in Ortschaften sind bundesweit selten anzutreffen. Aber wo sie leben, spalten die schillernden Hühnervögel die Gemüter. Ihre Besitzer schätzen das prächtige Vogelkleid. Genervte Nachbarn neigen laut Einträgen im Internet dazu, die durchdringenden Rufe als störendes Geschrei zu empfinden. Jetzt hat Frankenthal auch einen Pfauen-Fall.

Vor drei Jahren ist Elvira Stahl mit ihren elf Ziervögeln in den Meergartenweg 7 gezogen. Seitdem litten sie unter den Rufen der Pfauen, sagen Ute und Lothar Kühn. Sie wohnen im Meergartenweg 13a. Das zwei Hektar große Gelände Stahls liegt rund 50 Meter östlich und ist ein Aussiedlerhof, der sich entlang des Strandbads im Grüngürtel Richtung Isenach erstreckt.

Bereits das dritte Jahr kämpften sie bei der Halterin und der Stadt erfolglos für die Abschaffung der Vögel, schrieb das Ehepaar Kühn der RHEINPFALZ. In der Balzzeit von Mitte April bis August würden sie „von dem jammervollen Geschrei“ der Vögel geplagt, das „sporadisch von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr erfolgt und den Aufenthalt auf Terrassen und in Gärten zu einer Nervenanspannung höchsten Grades werden lässt“. Die Vogelbesitzerin sei häufig gebeten worden, die Pfauen zumindest öfter im Stall einzusperren, da dann der Lärm geringer sei. Stahl sei jedoch nicht kooperativ.

50 Unterschriften

Beim Telefonat mit der Redaktion und mit einer ergänzenden Mail teilten die Betroffenen mit, das sporadische Geschrei halte unvermindert an und sei insbesondere in Zeiten von Corona eine unzumutbare Lärmbelästigung. Mittlerweile hätten sie bei den Bewohnern der Reihenhäuser und des Mietshauses insgesamt 50 Unterschriften gegen die Pfauen gesammelt. „Wie kann eine Pfauenhaltung an einem angrenzenden Wohngebiet erlaubt sein, die automatisch bei diesen Tieren, die in einen Park, in einen Zoo oder in ein Gebiet mit einer geeigneten Umgebung gehören, solche Konflikte herausfordert?“, fragen die Kühns.

Die schriftliche Stellungnahme der Stadtverwaltung dazu lautet: „Derzeit bestehen aus Sicht der Bauaufsicht der Stadt Frankenthal keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass durch die Pfauenhaltung die schutzwürdigen Belange der benachbarten Grundstückseigentümer unzumutbar beeinträchtigt werden.“ Da die Haltung der Vögel keinem landwirtschaftlichen Betriebszweck diene, sei sie nicht genehmigungspflichtig. Juristisch gelten die Ziervögel als Haustiere. Sie zählen zu den weltweit ältesten Haustierrassen und unterliegen nur den Anforderungen des Tierschutzrechts.

Die bisher zur Unterbringung der Tiere genutzten Bauten seien baurechtlich zulässig, stellt die Verwaltung fest. Um die Vereinbarkeit der Pfauenhaltung mit der benachbarten Wohnbebauung zu prüfen, habe man „von der Halterin ein Lärmgutachten gefordert, das Grundlage für die Beurteilung ist. Dieses wird derzeit unter Beteiligung der Fachbehörden inhaltlich geprüft“, erklärt die Stadtverwaltung. Sollte eine Nachbearbeitung erforderlich sein, werde diese gefordert. „Zudem sind weitere Lärmmessungen vorgesehen.“

Balzrufe seltener

Außerdem sei momentan der Bebauungsplan „Meergärten“ in Aufstellung. „Dadurch sollen möglicherweise nötige Maßnahmen zur Lärmminderung zugunsten der westlich gelegenen Grundstücke verbindlich geregelt werden.“

Be einem einstündigen Ortstermin im Juli, zu dem Stahl die RHEINPFALZ eingeladen hatte, waren die katzenartigen Rufe der Vögel insgesamt viermal zu vernehmen. Es handle sich um Warnrufe, mit denen die Pfauen auf Geräusche wie Autolärm oder die Lautsprecherdurchsagen vom Strandbad reagierten, erklärte die 85-jährige gebürtige Eppsteinerin, die bis 2017 drei Jahrzehnte lang in einer Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis Pfauen gehalten hatte. Da sich die Balzzeit ihrem Ende nähere, würden die Balzrufe seltener. Auch bevorstehenden Regen kündigten die Tiere an, „deshalb nennt man sie in Indien auch Regenrufer“.

Voliere als Lebensraum

Die farbigen Vögel mit Federkrone auf dem Scheitel – es handelt sich um sechs Hennen und fünf Hähne – bezeichnet Stahl liebevoll als ihre „Kinder“. Die Vögel können sich nicht vermehren, da die Besitzerin die Eier aus den Gelegen holt. Damit die Pfauen nicht auf Wanderschaft gehen, leben sie in einer 1500 Quadratmeter großen Voliere, die von einem drei Meter hohen Zaun begrenzt ist.

Zusätzlich habe sie den Vögeln mit Rücksicht auf die Nachbarschaft in diesem Frühjahr die Flügel stutzen lassen, sodass diese nun flugunfähig seien, sagt die Besitzerin. Die Nächte verbringen die Tiere in einem Stall. Bislang wurden sie um sieben Uhr morgens ins Gehege gelassen. Nun lässt sie Stahl eine Stunde später ins Freie und hofft damit, die Wogen zu glätten. „Ich will in Frieden mit den Leuten leben“, erklärt die Seniorin, die sich nicht von ihren gefiederten Mitbewohnern trennen möchte. „Dass Tiere nicht vollkommen ruhig sind, ist ja klar“, meint Stahl.

Einladung an Nachbarn

Nachbarn seien eingeladen, die Pfauen zu besichtigen, sagt sie. Weniger willkommen sind Spaziergänger, die einfach auf das bislang nicht umzäunte Gelände mit seinem imposanten Bestand alter Akazien kommen, trotz der Beschilderung, dass dies ein Privatgrundstück sei. Die Besitzerin plant, es einzuzäunen. Beim Bau möchte sie auch die Stallungen modernisieren und dämmen, damit sich der Geräuschpegel in Richtung Meergartenweg reduziert. Dafür wartet Stahl nun auf die Baugenehmigung.

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