Frankenthal
Pilgerpfad-Projekt: Varianten, Favoriten und Perspektiven
Der Mann, der in seinem Gutachten im September vergangenen Jahres zum ersten Mal Zahlen zu einer möglichen Bebauung am Jakobsplatz genannt hatte, kommt am Donnerstag ganz am Ende zu Wort. Martin Albert, Professor an der SRH-Hochschule Heidelberg, hält mit Blick auf das Pilgerpfad-Projekt der Mannheimer Investoren Pro Concept fest: „Es wird diesen Stadtteil weiterbringen und aufwerten.“ Der Wissenschaftler sieht das Vorhaben als „Beginn einer längerfristigen Quartiersentwicklung“, deren Erfolg vielleicht erst in einigen Jahren sicht- und spürbar werde.
Albrecht schreibt allen Beteiligten – Verwaltung, Politik und Bürgern – bei der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses aber auch ins Stammbuch, den bevorstehenden Schritt ernstzunehmen – mit dem Ziel eines Kompromisses, „den alle mittragen können“. Was er damit meint, ist die letztlich vom Stadtrat zu treffende Entscheidung, mit welchen zwei der vier von Pro Concept vorgeschlagenen Varianten für einen neuen Komplex am Nordende des Jakobsplatzes der seit 2020 laufenden Beteiligungsprozess weitergehen soll.
Pro Concept: Meilenstein
2300 Quadratmeter Grundfläche und Gebäudehöhen von zwölf bis 15 Metern – diese Werte, er spricht am Donnerstag von „Empfehlungen“, hatte der Professor in seiner Expertise genannt. Die Varianten, die Investorenvertreter Awes Khan dem Ausschuss als die bevorzugten präsentiert, sind mit 2900 Quadratmetern überbauter Fläche und 15 beziehungsweise 18 Metern Höhe größer. Bautechnische und statische Gründe führt Khan dafür an: Der als Basis für zwei zueinander versetzte Wohngebäude geplante Markt müsse sechs Meter hoch werden, um in einer gewissen Raumhöhe auch Lüftungstechnik unterzubringen.
Grundsätzlich hofft Pro Concept „auf einen neuen Meilenstein innerhalb des Prozesses“. Khan betont: Gekauft habe das Unternehmen die in die Jahre gekommene Gewerbeimmobilie am Jakobsplatz mit dem Ziel, sie zu entwickeln – das bedinge „Wirtschaftlichkeit“. Dieses Interesse sieht er vor allem mit Variante 1 verwirklicht, die mit etwa 72 Wohneinheiten über dem Supermarkt plant – wegen einer Auskragung über den Parkplatz sieben mehr als bei Variante 2.
Fraktionen reagieren positiv
„Wir sehen uns als Problemlöser“, erklärt Awes Khan. Das Problem aus seiner Perspektive: der „massive Verlust an Lebensqualität“ am zentralen Ort des Quartiers, den die derzeitige Situation darstelle. Er illustriert das mit einem Foto, das den Blick übers schwarze Bitumen-Flachdach des Markts Richtung Ökumenisches Gemeindezentrum zeigt. Dachbegrünung, Abstand zu den Nachbargebäuden und Erhalt der Blickachsen – aus Sicht der Investoren sei vielen Bedenken aus der bisherigen Bürgerbeteiligung Rechnung getragen, findet Khan.
Die Reaktion der Fraktionen im Ausschuss auf das Vorgestellte ist positiv. Lob gibt es vor allem für den bisherigen Prozess, manche nennen ihn „beispielhaft“. Aus Sicht von Gerhard Bruder (Grüne/Offene Liste) sei der Punkt erreicht, „an dem wir entscheiden müssen, wie es weitergeht“. Variante 1 erscheine ihm „am verträglichsten“. Die gefällt auch Tanja Mester (FWG) am besten. Sie plädiert am Donnerstag dafür, dennoch mit den Bürgern alle vier Versionen zu diskutieren.
Initiative „enttäuscht“
Gabriele Bindert (CDU) ist sicher, „dass es weiter Menschen geben wird, die keine der vier Varianten wollen“. Gerade aber der Entwurf mit den zwei aufgesetzten Gebäuden und den freien Blickbeziehungen trage doch vielen Bedenken Rechnung: „Gratulation zu diesem Ergebnis.“ Alis Hoppenrath (SPD) führt das nicht zuletzt darauf zurück, dass ihre Fraktion auf dem Gutachten zur Sozialverträglichkeit bestanden habe. „Dass es große Änderungen bewirkt hat, erfüllt uns mit Genugtuung“, sagt sie.
Herbert Hildebrandt, Sprecher der Bürgerinitiative, die sich gegen die früheren Hochhauspläne von Pro Concept gebildet hatte, ist „etwas enttäuscht“ von den Entwürfen. Sein Eindruck: „Das soziale Problem im Pilgerpfad ist nicht auf dem Schirm.“ Variante 2 sei noch die beste, so Hildebrandt. Ihn wundere, warum nicht auch eine Null-Variante zur Diskussion gestellt werde. „Vielleicht ist eine Sanierung des Bestands ja doch eine Option.“
Noch Fragen?
Auf der Internetseite der Stadt sind unter www.frankenthal.de/pilgerpfad alle vier Varianten und deren Vor- und Nachteile aus Sicht der Investoren dargestellt.
