Frankenthal
Parkgebührenerhöhung in Frankenthaler Innenstadt: Einzelhändler schlagen Alarm
Statt an der Gebührenschraube zu drehen, sehen die von der RHEINPFALZ befragten Gewerbetreibenden ein vorrangiges Ziel darin, in Frankenthal ein schlüssiges Parkraumbewirtschaftungskonzept auf die Beine zu stellen. Dass sich die Kunden durch höhere Gebühren veranlasst sehen, die Parkhäuser aufzusuchen, wird in Zweifel gezogen. Auch den Vergleich mit benachbarten Städten, in denen das Parken zum Teil deutlich teurer ist als in Frankenthal, lassen die Befragten nicht gelten.
Viele zeigten sich überdies verwundert, in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen worden zu sein, obwohl in dem Papier aus dem Rathaus zu lesen ist, dass 13 befragte Einzelhändler und Gastronomen mehrheitlich mit den höheren Tarifen einverstanden seien.
Immerhin herrschte seit 2008 an der Gebührenfront Ruhe. Künftig sollen die Parkscheinautomaten nicht mehr nur mit einem Euro pro Stunde, sondern mit 1,60 Euro gefüttert werden. Als kleines „Bonbon“ – im Verwaltungsdeutsch als Kompensationsmaßnahme bezeichnet – soll beim Drücken der „Brötchentaste“ die kostenlose Parkzeit mehr als verdoppelt werden – von sechs auf 15 Minuten. Dafür wird die Bewirtschaftungszeit der Automaten um eine Stunde (bis 19 Uhr) erweitert. Das freie Parken an Samstagen ab 12 Uhr ist dann ebenfalls Geschichte. Gezahlt werden muss bis 19 Uhr.
Plan trifft nicht überall auf Verständnis
„Keine Erhöhung ist gut für den Einzelhandel“, erklärt Mike Burkhardt, Inhaber des Kaufhauses Birkenmeier. Nachdem es lange Zeit ruhig gewesen sei, könne er verstehen, dass man an der Gebührenschraube drehen wolle. Allerdings müsse endlich auch ein Parkraumkonzept auf den Tisch. Er bezweifelt, ob künftig verstärkt die Parkhäuser angesteuert würden. Sein eigenes jedenfalls sei sehr preiswert, eine Anhebung der Tarife nicht geplant.
Verständnis für höhere Parkgebühren kann Birgitta Kisling vom gleichnamigen Haushaltswarengeschäft aufbringen: „Schließlich wird ja alles teurer“. Sie sei froh, dass die Kunden in die Stadt reinfahren und in der Nähe parken könnten. 1,60 Euro pro Stunde seien vollkommen legitim, zumal in anderen Städten deutlich mehr gezahlt werden müsse.
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Carmen Noppenberger, Inhaberin einer Modeboutique am Rathausplatz, sieht in den 60 Cent mehr nicht das große Problem. Sie ärgert sich als Betroffene vielmehr über die deutliche Verteuerung des Bewohner-Parkausweises, für den künftig 160 Euro im Jahr (bisher 30,70 Euro) hingeblättert werden müssen. Um mehr Einnahmen zu erzielen, sollte besser das Falschparken speziell in den Bewohnerzonen konsequenter geahndet werden, meint sie.
„Das ist nicht sehr schön, weil es die Leute aus der Stadt treibt“, kommentiert Sabine Fürst von Euronics-Haustechnik die höheren Gebühren. Auch sei die Parkdauer in der Speyerer Straße für viele Kunden zu kurz bemessen.
„Ein schwieriges Thema“, findet Klaudia Anna Heisig vom Café Quito. Bisher habe sie von den Gästen noch kein negatives Echo bekommen, wisse aber, dass gerade die Älteren nicht ins Parkhaus fahren wollten. „Und an der Straße ist oft nichts zu finden.“ Auch Elvis Tandaric, Geschäftsleiter von Delker-Optik, berichtet von Kunden, die wegen der engen Parklücken nur ungern die Innenstadt ansteuerten. Die Auswirkungen höherer Gebühren ließen sich nur schwer abschätzen.
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Parkraumsituation angespannt
„Ich bin nicht besonders erfreut“, erklärt Ralf Stricker vom gleichnamigen Lederwarengeschäft. Das Parkplatzangebot in Frankenthal müsse verbessert werden. Höhere Gebühren seien problematisch, da auf der „grünen Wiese“ kostenlos geparkt werden könne. Als sehr human bezeichnet Peter Charrier von „Zottelbär und Lesemaus“ die Erhöhung. Allerdings sei die Parkraumsituation sehr angespannt. Er beobachtet in der Fußgängerzone Bahnhofstraße häufig, dass bis vor die Post oder Sparkasse gefahren werde.
Dirk Ganter, Filialleiter des Drogeriemarktes Müller, äußert die Befürchtung, dass durch höhere Parkgebühren die Attraktivität der Innenstadt leiden und die Kundenfrequenz zurückgehen könnte. „Aber alles wird halt teurer.“ Dass die Gebührenpflicht an Samstagen deutlich ausgedehnt werden solle, findet er nicht besonders glücklich. Das zweistündige Gratisparken am First Saturday hingegen sei eine gute Sache.
„Wir wollen doch besser sein als die anderen“
„Das ist definitiv das falsche Signal, um die Leute in die Stadt zu ziehen“, meint Christian Steinmüller vom Café Mirou. Fast jeder habe weniger im Geldbeutel. Und da solle man nicht die Parkgebühren auf Biegen und Brechen anheben. Auch sei es nicht hilfreich, auf die höheren Tarife der Nachbarstädte zu schauen. „Wir wollen doch besser sein als die anderen.“
Es werde zwar viel geschimpft, aber so schlecht stehe Frankenthal nicht da, findet Frank Geldhäuser von Foto Filling. Speziell die Kurzparkzone in der Mühlstraße habe sich für schnelle Erledigungen bewährt. Auf die allgemeine Preissteigerung sollte maßvoll reagiert werden. Er bezweifelt, ob höhere Parkgebühren relevant seien, um als Autofahrer die Innenstadt zu meiden. „In Mannheim jammert ja auch keiner.“