Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Obdachlosenhilfe plant Teeküche für Bedürftige

Eine warme Mahlzeit und Gesellschaft: Das soll die neue Teeküche nach der Vorstellung der Initiatoren Einsamen und Bedürftigen b
Eine warme Mahlzeit und Gesellschaft: Das soll die neue Teeküche nach der Vorstellung der Initiatoren Einsamen und Bedürftigen bieten.

Die ökumenische Obdachlosenhilfe Frankenthal geht neue Wege. Statt eines Wohnprojekts will der Verein unter neuem Vorstand künftig mit einer Teeküche ein niedrigschwelliges Angebot für sozial Schwache machen. Bei der Mitgliederversammlung am Mittwochabend gab es viel Diskussionsbedarf.

Menschen ohne eigenes Zuhause wieder in der Gesellschaft zu integrieren: Das ist seit rund 30 Jahren Kernaufgabe der Obdachlosenhilfe. Diese zu erfüllen, wird immer schwieriger, wie der scheidende Vorsitzende Daniel Winkes feststellt. In einer von der katholischen Kirche angemieteten Wohnung in der Wormser Straße werden bislang bis zu drei Bewohner betreut. Doch auf dem engen Wohnungsmarkt gebe es im Anschluss immer weniger Perspektiven für sozial Schwache, sagt Winkes. „Und die Obdachlosenhilfe hat personell nicht mehr die Möglichkeiten, über die Rolle eines netten Vermieters hinausgehende Beratungs- und Betreuungsleistungen zu erbringen.“ Weil sich Winkes und einige jüngere Aktive der aktuell 78 Mitglieder aus ihrem Ehrenamt zurückziehen möchten, stand zuletzt die Auflösung des Vereins im Raum.

Mladen und Elfriede Svoboda, beide erst seit Kurzem Mitglieder der Obdachlosenhilfe, wollen nun frischen Wind ins Vereinsleben bringen. Ihr Ziel: die Teeküche, in der Menschen ohne eigene vier Wände ein warmes Essen und Gemeinschaft bekommen, wiederzubeleben. Weil Helfer fehlten und die Corona-Regeln den Betrieb erschwerten, war dieses Angebot der Obdachlosenhilfe in der Pandemie aufgegeben worden. Man sei bereit, den Vorsitz des Vereins zu übernehmen, wenn der Verein sich für die Teeküche engagiert und das soziale Wohnprojekt aufgibt, so die Ankündigung der beiden, die am Mittwoch für einige Diskussion sorgt.

Idee: Stadt soll Wohnung übernehmen

Einig sind sich die Anwesenden, dass die Wohnung, in der aktuell zwei Menschen leben, nicht aufgelöst werden kann. Sie auf die Straße zu setzen, würde den Grundsätzen der Obdachlosenhilfe zuwiderlaufen. Zudem gelte für den vor 25 Jahren abgeschlossenen Mietvertrag eine lange Kündigungsfrist. Die einstimmig beschlossene Idee: Die Wohnraumsicherung der Stadtverwaltung soll die Räume in ihren Pool an Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen ohne Bleibe integrieren. Das wäre aus Sicht des Vereins ein Gewinn für die Stadt, der es an dieser Art von Wohnraum mangelt. Dazu müsste die Verwaltung mit dem Einverständnis der Eigentümerin – der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit – das Mietverhältnis und auch die derzeitigen Bewohner übernehmen. Erste Gespräche dazu habe es bereits gegeben, so Winkes. Walter Becker, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der katholischen Großpfarrei, will an der Weitergabe mitwirken, Winkes den Prozess zwischen Stadtverwaltung und Kirche als Beisitzer begleiten. Der bisherige Beisitzer Jonas Breßler sichert zu, sich um die beiden Bewohner zu kümmern, bis die Stadtverwaltung den Mietvertrag übernimmt.

Finanziell scheint das Projekt Teestube gesichert. Der Verein hat ein stattliches Guthaben von rund 54.000 Euro, wie aus dem Kassenbericht des langjährigen Schatzmeisters Ernst Krauß hervorgeht. Neben der einstimmig gewählten Doppelspitze mit Mladen als Vorsitzendem und Elfriede Svoboda als Stellvertreterin – beide stellen sich letztlich zur Wahl – komplettiert er den neuen Vorstand. Das Geld stammt laut Krauß zum Teil noch aus der Zeit, als die ökumenische Obdachlosenhilfe Träger der Frankenthaler Tafel war. Die damalige Vereinsspitze, Marianne und Franz-Josef Möller, hatte die Lebensmittelinitiative im Jahre 2000 ins Leben gerufen. Ende 2018 übernahm der Malteser Hilfsdienst die Tafel. Seitdem habe der Verein nur noch minimale Ausgaben. Etwa die Hälfte der seit 2019 eingenommenen Spenden, das sind rund 14.000 Euro, soll nach dem einstimmigen Votum der Mitglieder an die Tafel Frankenthal gehen. „Seit der Übernahme durch die Malteser gingen bei der Obdachlosenhilfe weiterhin Spenden ein, die nicht formal als Spenden für die Tafel bezeichnet waren, den Gedanken weiterhin an die Tafel zu spenden aber durchaus vermuten ließen“, heißt es in dem Beschluss.

Mögliche Räume im Dathenushaus

Bei ihren Plänen für eine Teeküche schwebt den Svobodas ein niederschwelliges Angebot vor, ähnlich der von Maltesern, Caritas und Gemeinden organisierten Winterhilfe in Ludwigshafen. Das Frankenthaler Paar, das sich dort einbringt, möchte in seinem Wohnort ein vergleichbares Projekt verwirklichen. Willkommen sein sollen alle Besucher, „mit seelischer und körperlicher Obdachlosigkeit, also vereinsamte Menschen und die ohne eigenes Zuhause“, so Elfriede Svoboda. Sie appellierte an die Mitglieder, sich bei der Verwirklichung einzubringen. „Allein können wir das nicht schaffen.“ Räume könnte die Teestube auf Vorschlag von Joachim Sinz, Diakon des Protestantischen Dekanats Frankenthal, im zentral gelegenen und barrierefreien Dathenushaus finden. Sinz ist hier mitverantwortlich für das Projekt „Miteinander“ und sagt, das Team habe bereits selbst über eine Teestube nachgedacht.

Kontakt

Der Verein ökumenische Obdachlosenhilfe Frankenthal ist erreichbar über Telefon 06233 44319 oder per Mail an emsvoboda@t-online.de.

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