Frankenthal
Kunst im Schaufenster: Mehr Künstler und Läden machen mit
Alles begann virtuell: Die Frankenthaler Künstlerin und Kunstkoordinatorin Nicoleta Steffan wollte im vergangenen Frühjahr ein Zeichen gegen den Corona-bedingten Stillstand in der Kunstszene setzen. „Ohne Kunst fehlt was – Stillstand 2020“ hieß die Internetaktion, der sich 300 Kunstschaffende anschlossen. Als die Kontaktbeschränkungen zunächst aufgehoben wurden, lief das Projekt aus – in der Hoffnung, dass der Kunstbetrieb ab Sommer wieder an Fahrt aufnimmt.
Doch die zweite Corona-Welle machte die Hoffnungen zunichte, und Steffan entwickelte mit „Raum für Kunst – Art in the City“ ein Konzept, das Kunstbegegnungen ermöglichen und Kontaktbeschränkungen gerecht werden sollte. Die Frankenthalerin fand Händler, die Kunstobjekte in ihren Schaufenstern und Geschäften zwischen ihrer Ware zur Schau stellten. Und sie versuchte, Leerstands-Kunst in Frankenthal zu etablieren – eine in größeren Städten inzwischen populäre Idee, bei der leerstehende Ladenräume interimsweise und kostenfrei zu Kunstgalerien umfunktioniert werden. Den Inhaber von Optik Geiger konnte Steffan überzeugen. Seit November darf sie das ehemalige Schmuckgeschäft in der Speyerer Straße als Galerie nutzen, bis sich ein Nachmieter findet.
Aktion bis Ende April verlängert
Hatten sich Anfang November acht Frankenthaler Geschäfte an der Initiative beteiligt, so wird mittlerweile an 30 Standorten Kunst präsentiert. Zugleich ist die Zahl der beteiligten Künstler von anfangs sieben auf nunmehr 30 gestiegen. Sie stammen vorzugsweise aus dem südwestdeutschen Raum. Rund 20 Werke wurden laut Steffan seit Beginn der Initiative verkauft.
Ursprünglich sollte die Aktion drei Monate lang laufen. Ende Januar wollte Steffan die Kunstwerke den Künstlern zurückgeben. Doch aufgrund der positiven Resonanz aus der Bevölkerung hat sie die Initiative bis Ende April verlängert. Nach dem 30. April wird Steffan die Bilder und Skulpturen peu à peu in originelle Verpackungen hüllen und sie mit dem Hinweis „Ohne Kunst fehlt was“ versehen – als Erinnerung an die gleichnamige virtuelle Initiative vom Frühjahr 2020.
Während in den Geschäften häufig jeweils mehrere Kunstschaffende vertreten sind, ist das Schaufenster des ehemaligen Juwelier Geiger seit Januar für Einzelausstellungen, sogenannte One-Artist-Shows, reserviert. Dabei zeigte zunächst jeweils ein Künstler seine Objekte für 14 Tage. Seit Februar hat Steffan den Zyklus auf drei Wochen verlängert. „Die Resonanz ist sehr gut. Sogar aus Ludwigshafen kommen Leute, um die Ausstellungen zu betrachten“, sagt Steffan.
Neue Galerie in der Bahnhofstraße
Angesichts der steigenden Zahl geschlossener Läden in der Innenstadt hatte sie gehofft, weitere Leerstände vorübergehend als Galerien nutzen zu können. „Das ist unheimlich schwierig“, meint Steffan. Bei der Akquise unter Geschäftsinhabern und Maklern stieße sie häufig auf Vorbehalte. Die Erfahrung von Toni Geiger zeige aber das Gegenteil: „Herr Geiger meint, dass sein ehemaliges Juweliergeschäft noch nie so viel beachtet wurde wie jetzt.“ Das Schaufenster war auch Marcus Tauber aufgefallen, dessen Mutter Irene Tauber bis zu ihrem Tod im November das Deko-Geschäft „La Casa“ in der Bahnhofstraße 5 betrieben hatte. „Da der Mietvertrag bis 30. Juni läuft, kann der Laden bis dahin als Galerie fungieren. Meiner Mutter hätte die Idee sicher gefallen“, erklärt Tauber auf Anfrage.
Stadtbücherei und CFF machen mit
Als weiteren Erfolg verbucht Steffan, dass nun im Rahmen ihrer Aktion in der Auslage der Stadtbücherei Stadtansichten des in Frankenthal lebenden Malers Roland Falkenhagen präsentiert werden. „Dort sieht man Frankenthaler Straßenszenen aus der Zeit vor Corona, als sich die Menschen noch treffen durften. Das schaut man sich gerade jetzt gern an“, meint sie. Stolz ist Steffan, dass das Congress-Forum mitzieht. In den großen Fensterfronten am Cosacchi-Platz sind acht Tondos des gebürtigen Frankenthalers Joachim Hanisch zu besichtigen. Es handelt sich um kreisförmige Visionen, die mit extremem Weitwinkel wie ein Blick in die Glaskugel wirken. Außerdem beteiligen sich ein Schuhgeschäft und die Begegnungsstätte für Künstler „Nukleus“ in Ludwigshafen, Grünstadt habe Interesse angemeldet.
Dass sie nun einen Schlusspunkt unter ihre Aktion setzt, obwohl diese zunehmend auf fruchtbaren Boden fällt, begründet die 52-Jährige so: „Alles muss ein Ende haben, damit es wertgeschätzt wird.“ Außerdem sei die ehrenamtliche Organisation zu einem Vollzeitjob geworden. Steffan ist zuversichtlich, dass es auch zukünftig ohne ihr Zutun Kooperationen zwischen Geschäftsleuten und Künstlern geben wird. In der Galerie von Tauber sowie im ehemaligen Juwelier Geiger möchte sie weiterhin Kunstwerke platzieren, bis sich Nachmieter für die beiden Leerstände gefunden haben.