Frankenthal
„Raum für Kunst“ zieht immer weitere Kreise
Los ging es in acht Geschäften, als am 2. November die Hüllen von den ersten Bildern und Kunstobjekten gezogen wurden. Seither haben sich immer mehr Läden zu Interims-Galerien entwickelt, die ein oder mehrere Kunstwerke ausstellen. Vertreten sind alle Genres: hauptsächlich Malerei auf Leinwand, aber auch Zeichnungen, Plastiken, Objekte, Fotografie und sogar Literatur. Auch die Künstler selbst repräsentierten eine große Bandbreite, sagt Steffan. Vom Hobbymaler bis zum von Galeristen vertretenen Profi sei alles dabei.
Das Problem: Kunstschaffende haben in der Pandemie große Schwierigkeiten, ihre Werke und Kunstinteressierte zusammenzubringen. Museen und Kultureinrichtungen sind geschlossen. Die Frankenthalerin will da helfen. „Die Solidarität der Künstler untereinander ist groß. Auch der Zuspruch aus dem Einzelhandel ist phänomenal“, berichtet die Initiatorin nach sechs Wochen. Auch die Passanten seien begeistert davon, beim Einkaufen Kunst erleben zu können, die normalerweise nur in Ausstellungen zu sehen sei.
Mehr als 120 Kunstwerke wurden Steffan bislang für das Projekt überlassen. Für etwa 45 davon sucht sie noch einen geeigneten Platz in einem Geschäft. Freuen würde sie sich, wenn weitere leerstehende Ladenflächen in der Innenstadt vorübergehend mit Kunst belebt werden könnten. Die Kulturkoordinatorin und Malerin will weiter bei Hauseigentümern und Maklern nachfragen, ob eine Zwischennutzung nicht doch möglich wäre. Doch dies sei schwierig, berichtet Steffan. „In anderen Städten ist Leerstandskunst inzwischen ganz normal. In Frankenthal ist man da noch vorsichtig.“
Kunst im Schaukasten
Sie selbst organisiert die Aktion vom ehemaligen Schmuckgeschäft von Anton Geiger in der Speyerer Straße aus, das eineinhalb Jahre lang leergestanden hatte. Die Ausstellungsfläche dort wurde inzwischen um einen Schaukasten vor dem Laden erweitert. Aktuell ist darin das Gemälde „Shopping Queen“ (Öl auf Leinwand) des in Kelkheim im Taunus lebenden Malers Dimitri Vojnov zu sehen. 21 Werke des Deutsch-Bulgaren wurden ihr für die Aktion überlassen. Und für die sucht sie noch nach passenden Flächen, damit die surrealen Arbeiten auch zur Geltung kommen.
Neu hinzugekommen sind in den vergangenen drei Wochen Werke des Ludwigshafener Fotografen Ralph Beetz sowie der Malerinnen Sonja Grafetstetter (Plankstadt) und Olga David (Landau). Stolz ist Steffan auf die noch frische Kooperation mit der Ludwigshafener Galerie Lauth, die das großformatige Gemälde „Weyerberg“ des Berliner Malers Hermann Reimer als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Es ist im ehemaligen Schmuckgeschäft Geiger zu sehen.
Geschäft in Ludwigshafen mit von der Partie
An Geschäften sind das Musikhaus Musicant, die Weinlaube und die City-Apotheke neu dabei. Auch das Autohaus Bürkle will in seinen Hallen Kunstwerke zeigen, befindet sich laut Steffan aber noch in der Gestaltungsphase. Was sie besonders freut: Mit Schuh-Keller hat sich ein Geschäft in Ludwigshafen der Aktion angeschlossen. Und dort könnten weitere Läden hinzukommen, glaubt Steffan.
Mit seiner Arbeit unterstützt Dirk Thiesen die Aktion. Der Frankenthaler Fotograf dokumentiert das Projekt mit der Kamera. Zum Ende von „Raum für Kunst“ am 31. Januar soll ein Booklet mit Texten und Bildern erscheinen. Darin sollen alle gezeigten Kunstwerke und ihre Schöpfer vorgestellt werden. Die Initiatorin freut sich auch über das Engagement der Druckerei Weber in der Sterngasse, die von Anfang an mitgeholfen habe.
Aktion könnte weitergehen
Sorge bereitet Steffan und den beteiligten Geschäften ein drohender Lockdown: „Wenn der Einzelhandel in der Innenstadt wie im Frühjahr schließen müsste, könnten viele Kunstwerke nicht mehr gesehen werden. Das wäre schade.“ Doch sie arbeitet bereits an Alternativen, um Arbeiten auch dann zugänglich zu machen. Dafür sucht sie gerade nach Orten, an denen das auch bei einem Lockdown möglich wäre.
Steffan bedauert es sehr, dass sie die Gastronomie wegen der Corona-bedingten Schließungen nicht direkt in die Aktion einbinden kann. Deshalb hat sie jetzt eine Facebook-Gruppe gegründet. Das Projekt könnte durchaus über den 31. Januar hinausgehen, glaubt sie. „Viele Geschäfte haben bereits signalisiert, dass sie über diesen Zeitpunkt hinaus Kunstwerke zeigen wollen.“
Im Netz