Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Plätze: Für Ausbau und Betrieb fehlt Personal

Beigeordneter Bernd Leidig sieht Frankenthal beim Werben um Erzieherinnen und Erzieher für die städtischen Kitas in einem „Konku
Beigeordneter Bernd Leidig sieht Frankenthal beim Werben um Erzieherinnen und Erzieher für die städtischen Kitas in einem »Konkurrenzkampf der Kommunen«.

An mehreren Orten in Frankenthal plant die Stadtverwaltung den Bau von Kindertagesstätten: zwei am Ostparkstadion, eine im Süden und eine im Mörsch am Friedhof. Aber was nutzen schicke neue Einrichtungen, wenn das Fachpersonal für deren Betrieb fehlt?

Bernd Leidigs Fazit lässt zweierlei erkennen: Verzweiflung und eine gewisse Hilflosigkeit. Der Grund für die Gefühlslage beim SPD-Beigeordneten und Sozialdezernenten: Einerseits ziehen sich Planung und Realisierung der neuen Kita-Projekte in die Länge, andererseits ist schon jetzt absehbar, dass es der Stadt alles andere als leicht fallen wird, die benötigten Erzieherinnen und Erzieher zu bekommen. „Die Lage ist besorgniserregend“, sagt Leidig am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss.

Ein Beispiel, das die Schwierigkeiten seines Dezernats illustriert: Die jüngste Kindertagesstätte Frankenthals in der Eppsteiner Weidstraße, die im Sommer 2020 in Betrieb gegangen ist, hat seitdem offenbar noch nie die maximale Auslastung von rund 100 Kindern erreicht. Wie soll das erst werden, wenn die nächsten Neubauten bezugsfertig werden? Die auf einem schmalen Geländestreifen neben dem Ostparkstadion geplanten baugleichen Kitas – Kostenpunkt: rund 13 Millionen Euro – sind für insgesamt zwölf Gruppen und 250 Kinder konzipiert.

„Zu wenige Bewerbungen“

Sich neben der baulichen Seite auch intensiv mit der Suche nach Personal zu beschäftigen, das hat in der Sitzung am Mittwoch CDU-Stadtrat Daniel Kühner gefordert. Die Verwaltung müsse über Wege nachdenken, um einige der ohnehin schon wenigen Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt nach Frankenthal zu lotsen. Im Grundsatz stimmt dem auch Jan Kardaus, Chef des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales, zu. Tatsächlich sei die Stadt nicht untätig: Es gebe schon eine Reihe moderner und attraktiver Einrichtungen. Kandidaten hätten die Möglichkeit, dort zu hospitieren. Kardaus: „Wir haben auf offene Stellen aber schlicht zu wenig bis gar keine Bewerbungen.“ Dezernent Leidig spricht von ein regelrechten „Konkurrenzkampf der Kommunen“.

Einer der Gründe, den der Bereichsleiter für diese schwierige Situation anführt: die ungünstige Lage Frankenthals im Dreiländereck Rheinland-Pfalz/Baden-Württemberg/Hessen. Die Wege über den Rhein seien kurz, die Bezahlung andernorts in der Nachbarschaft besser als hier und auch Zusatzleistungen unter Umständen reizvoller. Fast immer, wenn Mitarbeiter der hiesigen Stadtverwaltung den Rücken kehrten, seien solche Aspekte ausschlaggebend für den Wechsel. „Da ist es schon schwer, die Nase vorne zu haben“, sagt Kardaus.

Personal fehlt überall

Dieser Befund gelte nicht für die Erzieher-Jobs allein. Das Problem kennt die gesamte Verwaltung, hält Jan Kardaus fest. Es betreffe Sachbearbeiterstellen in seinem Verantwortungsbereich genauso wie den Bereich Planen und Bauen und andere. Hier beobachten er und Beigeordneter Leidig noch ein weiteres Phänomen: In manchen Kommunen würden Stellen höher eingruppiert und damit besser bezahlt als in Frankenthal. Die logische Folge des Mangels: Projekte und Konzepte dauern länger als wünschenswert oder geplant. Eine Sache, die viel Personal bindet und viel Zeit verschlingt, ist nach Darstellung der Stadt im Ausschuss die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes, das seit 1. Juli 2021 gilt und einige „zusätzliche Herausforderungen“ beinhaltet, wie Bernd Leidig es formuliert.

Beispielsweise müssen Kindertagesstätten ihren Betrieb sukzessive auf eine durchgehende siebenstündige Betreuung inklusive Mittagessen umstellen. Aus Sicht berufstätiger Eltern ist das eine willkommene Perspektive, aus Sicht der Stadt ein ziemliches Problem: Gemeinsam mit dem Bereich Gebäude und Grundstücke müssen gerade die älteren Kitas unter die Lupe genommen werden. Ist es möglich, die Einrichtungen zu erweitern, Küchen einzubauen, Platz zum gemeinsamen Essen zu schaffen?

Von Corona gebremst

Bei den Antworten auf diese Fragen wäre Beigeordneter Leidig „gerne ein Stück weiter“. Aber solche strategischen Aufgaben mussten seiner Schilderung nach während der Corona-Pandemie allzu oft hinter dem schlichten Bewältigen der damaligen Probleme zurückstehen: Infektionsfälle bei Kindern und Erziehern, Organisation von Schnelltests, Erstellen von Notfallplänen. Jan Kardaus vergleicht die Kitas mit einem mittelständischen Unternehmen: 19 Betriebsstätten, fast 300 Beschäftigte und zusätzlich das Familienbüro als steuernde Einheit.

Um den Anforderungen des neuen Gesetzes gerecht zu werden, hat das Land den Kommunen eine Übergangsfrist bis 2025 eingeräumt. Ob bis dahin alles gut ist? Bernd Leidig ist skeptisch: „Ich rechne damit, dass wir die berechtigte Erwartungshaltung bei den Eltern nicht vollständig erfüllen können.“ Wenn es bei einzelnen Einrichtungen nicht gelänge, die erwähnten baulichen Voraussetzungen zu schaffen, müssten Gruppen reduziert, zum Teil auch in andere Kitas verlegt werden, damit die Anzahl der Betreuungsplätze gleichbleibt. Und auch hier hapert es der Verwaltung zufolge schon im aktuellen Geschäft: Derzeit stehen etwa 350 Kinder auf der Ü3-Warteliste, rund 150 sind es bei den unter Dreijährigen.

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