Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Zukunft für Eisbahn auf Frankenthaler Weihnachtsmarkt?

Es war einmal: Die Eislaufbahn in der Erkenbertruine, hier im Jahr 2012, dürfte unter den aktuellen Bedingungen keine Zukunft ha
Es war einmal: Die Eislaufbahn in der Erkenbertruine, hier im Jahr 2012, dürfte unter den aktuellen Bedingungen keine Zukunft haben.

Spätestens mit Beginn der Aufbauarbeiten für den Weihnachtsmarkt ist klar: Eine Eisbahn ist das vierte Jahr in Folge nicht dabei. Warum das zum Normalzustand werden könnte.

Für die Weihnachtszeit vor zwei Jahren war er noch angekündigt, der „Eiszauber“ in der Erkenbertruine. Doch nachdem die Eröffnung zweimal verschoben wurde, kam Ende November die Nachricht: Die Schlittschuhbahn wird gar nicht mehr aufgebaut. Der damalige Betreiber Michael Jockers begründete die Absage unter anderem mit wirtschaftlichen Gründen und den zu hohen Temperaturen, um eine Eisbahn mit Echteis zu betreiben. Im vergangenen Jahr hat sich dann nicht einmal mehr ein Bewerber auf die Ausschreibung der Verwaltung für eine Eisbahn gemeldet. Der Weihnachtsmarkt musste erneut ohne Schlittschuhbahn auskommen. Zudem: 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie der gesamte Weihnachtsmarkt abgesagt, 2022 entfiel die Eislaufbahn aufgrund der Energiekrise. Zuletzt konnten Frankenthaler im Jahr 2021 durch die Erkenbertruine auf Schlittschuhen gleiten.

2025 sieht es nicht besser aus. „Hintergrund ist, dass sich auf die entsprechende Ausschreibung der Stadt Frankenthal leider keine Bewerber gemeldet haben“, teilt eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage mit. Die Verwaltung hatte eine erste Ausschreibung bereits im April mit Bewerbungsfrist zum 4. Juli veröffentlicht. Eine zweite Ausschreibung sei am 5. August mit Bewerbungsfrist zum 29. August erfolgt. Ausgeschrieben wurde im Amtsblatt, in Fachzeitschriften und auf der Internetseite der Stadt.

Bald keine Ausschreibungen mehr?

Geholfen hat es nichts. „Es gingen bei beiden Ausschreibungen innerhalb der Frist keine Bewerbungen mit allen geforderten Informationen ein“, heißt es von der Stadt. Welche Konsequenzen die Verwaltung für künftige Jahre daraus zieht, dass sich zwei Jahre nacheinander niemand beworben hat, der alle geforderten Informationen einbringen konnte, steht noch nicht fest. Ob man beispielsweise demnächst auf die Ausschreibungen verzichtet, die Kosten im mittleren dreistelligen Bereich verursachen, „muss im weiteren Verlauf intern geklärt werden“.

Überlegungen seitens der Organisatoren, eine Eisbahn an einem anderen Standort zu realisieren – womöglich mit Überdachung, um weniger abhängig vom Wetter zu sein – habe es bisher nicht gegeben. Ein Landauer Schlittschuhbahnbetreiber hatte in einem früheren Interview mit der RHEINPFALZ angegeben, dass eine solche Eisbahn wirtschaftlich attraktiver wäre, wenn die Möglichkeit einer Überdachung bestünde. Etwas, das am Standort der Erkenbertruine nicht der Fall ist.

In Speyer wird auf Kunsteis gesetzt

Einer, der sich mit den Schwierigkeiten einer Eisbahn auf Weihnachtsmärkten in der Vorderpfalz auskennt, ist Freddy Zinnecker. Seit acht Jahren steht er auf dem Speyerer Weihnachtsmarkt mit seinem Schlittschuhangebot. „Eine Eisbahn im traditionellen Sinne lohnt sich nicht mehr“, sagt Zinnecker. Aufgrund der hohen Energiekosten sei ein Betrieb nicht mehr rentabel, „wenn man nicht genügend Werbepartner findet“. Grund: „Es wird nicht mehr kalt genug im Winter.“ Der Energiebedarf, um das Eis zu kühlen, steige entsprechend. Ohne eine Gegenfinanzierung durch Werbung an den Banden werde es zu einem Minusgeschäft für den Betreiber.

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Zinnecker ist im Vorjahr deshalb selbst auf eine Rollschuhbahn umgestiegen. Ein Szenario, das auch in Frankenthal denkbar wäre? Der Erfolg in Speyer sei derart „mäßig“ gewesen, dass Zinnecker in diesem Jahr zum Eis zurückgekehrt ist. Allerdings zum Kunsteis. „Das hat zwar hohe Anschaffungskosten, aber verursacht geringere Stromkosten“, sagt er. Für den Speyerer Weihnachtsmarkt hat Zinnecker eine neue Bahn gekauft, die erst seit einem halben Jahr erhältlich sei. Die soll bessere Gleiteigenschaften versprechen. „Die Adler Mannheim trainieren auf dieser Art von Eis“, erzählt Zinnecker. Weil er davon ausgeht, dass er die neue Bahn fünf bis zehn Jahre nutzen könnte, sollten sich die hohen Anschaffungskosten aus seiner Sicht rechnen.

Absage an Frankenthal

Zinnecker ist abgesehen vom Eisstadion des Eis- und Rollsport-Clubs in Ludwigshafen, einer fest installierten Anlage am Südweststadion, der einzige Betreiber einer Schlittschuhbahn in den kreisfreien Städten Frankenthal, Ludwigshafen, Speyer und im Rhein-Pfalz-Kreis. Von der Suche der Frankenthaler Stadtverwaltung nach einem Betreiber habe er nichts mitbekommen.

Selbst wenn: Ein künftiges Engagement sowohl in Speyer als auch in Frankenthal schließt er kategorisch aus. Das liege nicht am Eis, sondern am Personalmangel. „Die Chance, Personal zu finden, ist gleich null“, sagt Zinnecker. Er sei froh, wenn er mit seinem Personal den Standort in Speyer stemmen könne, auf externe Einsatzkräfte wolle er nicht zurückgreifen.

Damit der Schauplatz in der Erkenbertruine trotzdem in den Weihnachtsmarkt, der am 24. November startet, einbezogen ist, hat die Stadt ein Ersatzprogramm auf die Beine gestellt. Um den Markt für Familien attraktiver zu machen, soll dort in der Zeit vom 6. bis 21. Dezember täglich von 14 bis 20 Uhr ein „Kinder-Winterzauber“-Programm angeboten werden.

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