Interview
„Open-Air-Eisbahn nicht bezahlbar“
Zwei Wochen nach dem geplanten Start der Eisbahn zum 1. November hat der Betreiber in Frankenthal die Reißleine gezogen. Seine Begründung: Das Wetter ist zu warm und regnerisch. Wieso konnten Sie in Landau dann vergangene Woche öffnen?
Die Eisbahn in Frankenthal war Open Air geplant. Wir in Landau gehen in diesem Jahr im Prinzip Richtung Eishalle. Wir haben ein großes Zelt, das die gesamte Fläche mit isolierten Planen überdacht. Außenrum ist die Eisbahn außerdem komplett mit Glasfassadenelementen zugebaut. Das funktioniert im Prinzip wie ein Kühlschrank. Damit sparen wir massiv Energiekosten. Wenn es regnet, bleibt die Lauffläche trocken.
Was ist denn das Problem bei Regen?
Wenn bei solchen offenen Bahnen wie in Frankenthal Wasser auf die Fläche kommt, muss das Eis runtergekühlt werden, damit es nicht taut. Das kostet viel Strom. Außerdem geht bei Regen auch keiner Schlittschuhfahren. Mit unserer Halle sind wir wetterunabhängig.
Haben Sie schon immer eine solche Halle aufgebaut?
Nein. Bei der Premiere vor zwei Jahren hatten wir aber zumindest die Eisfläche mit einem Zelt von oben geschützt. Außerdem konnte man die Planen an der Seite zuziehen. Das hat im Prinzip auch funktioniert. Aber sobald das Wetter etwas wärmer wird, schmilzt uns das Eis. Das frisst Energie – und kostet richtig Geld.
In Frankenthal kann in der historischen Ruine kein Dach aufgebaut werden. Aus Ihrer Sicht ein K.o.-Kriterium für eine Eisbahn?
Mit dem Wetter, das wir heute haben, macht sich das nicht mehr bezahlbar.
Erklären Sie doch mal: Welche Kosten sind mit dem Betrieb verbunden?
Wir in Landau haben rund 200.000 Euro investiert, mit Eisbahnaggregat, Zelthalle und Außenbereichen. Neben der Schlittschuhfläche haben wir noch eine Almhütte als gastronomisches Angebot dabei. Dazu kommen Stromkosten. Wir zahlen rund 40 Cent pro Kilowattstunde und werden nicht wie bei anderen Eisarenen von den Stadtwerken bezuschusst. Bei den aktuellen Temperaturen fährt die Kühlung auf maximal 15 Prozent Last, was den Stromverbrauch massiv senkt. Je nach Wetter kalkulieren wir aber allein mit 4500 Euro Stromkosten pro Monat für die Eisbahn.
In der Regel gibt es neben der Eisfläche Glühwein und Bratwurst. Finanziert das gastronomische Angebot letztlich das Schlittschuhlaufen?
Es finanziert die Eisbahn mit. Über den Eintritt decken wir etwa 60 Prozent der Kosten, der Rest kommt aus der Gastronomie.
Im Netz wurde vorgeschlagen, statt der Eisbahn in Frankenthal kurzfristig eine Rollschuhbahn aufzubauen. Eine realistische Option?
Wer Schlittschuhfahren will, will Schlittschuhfahren, nicht Rollschuhe. Wir haben deshalb in der Energiekrise vergangenes Jahr ausgesetzt. Aber theoretisch sollte das auf einem Schwerlastboden, wie er glaube ich auch in der Erkenbertruine liegt, funktionieren.
Kritiker werfen dem Eislaufvergnügen bei Weihnachtsmärkten vor, mit ihrem Energieverbrauch die Umwelt zu belasten. Was halten Sie dem entgegen?
Wir versuchen zum einen, so effizient wie möglich zu arbeiten. Außerdem hat unser Unternehmen in diesem Jahr Solaranlagen mit einer Leistung von über 150 Kilowatt-Peak gebaut. Damit konnten wir, neben dem Eigenverbrauch, knapp 80 Prozent des Stroms ins Netz einspeisen. Ich finde: Wir müssen auch mal an die Kinder denken. Viele Eishallen in der Region sind ja inzwischen geschlossen worden.
Wenn Schluss ist: Wie wird das Eis entsorgt?
Das ist Wasser und taut einfach ab.
Ist das Wasser nicht durch Kühlmittel oder das Schlittschuhlaufen selbst verschmutzt?
Nein. Vor zwei Jahren mussten wir die Eisbahn früher schließen, weil uns in Landau jemand das Kühlmittel abgelassen hat. Das hatte keine Auswirkung auf das Trinkwasser.
Zur Person
Alexander Kurz (41) ist Geschäftsführer der Gaumenfreunde Event GmbH aus Edenkoben. Das Unternehmen mit 47 Mitarbeitern betreibt zum zweiten Mal die Eisbahn auf dem Weihnachtsmarkt in Landau – in diesem Jahr mit 400 Quadratmetern Lauffläche doppelt so groß wie bei der Premiere 2021. Die Gaumenfreunde sind deutschlandweit im Einsatz und haben unter anderem im Oktober das Land Rheinland-Pfalz beim Tag der Deutschen Einheit in Hamburg vertreten.
Zur Sache
Die Eisbahn auf dem Alten Messplatz in Landau ist bis 14. Januar werktags von 14 Uhr und am Wochenende ab 12 bis 21 beziehungsweise 22 Uhr geöffnet. Die Nutzung ist zeitlich nicht begrenzt. Gegen Gebühr werden Schlittschuhe verliehen.