Vorderpfalz
Junge Polizeibeamte über ihren Job: Kein Tag ist wie der andere
„Das stellt nichts infrage.“ Teresa Freys Antwort auf die Frage, ob der Polizistenmord in der Westpfalz am Montag vergangener Woche sie an der Wahl ihres Berufs zweifeln lasse, ist knapp und klar. Die 28 Jahre alte Kommissarin ist seit 2017 in Frankenthal im Wechselschichtdienst. Und sie ist als Einstellungsberaterin immer dann gefragt, wenn es darum geht, junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen, im Idealfall zu begeistern – etwa bei Infotagen in Schulen oder Ausbildungsmessen. Ihr Kollege Tobias* (23) – seit vergangenem Jahr in der Speyerer Inspektion – schüttelt energisch den Kopf: „Ich will weiter da sein für die Bürger.“ Die anderen in der Runde klopfen bekräftigend auf den Tisch des großen Konferenzsaals im Ludwigshafener Präsidium.
Mit welcher Motivation entscheiden sich also junge Frauen und Männer für die Polizei: Verbrecher jagen, mit Blaulicht durch die Stadt brausen? Keines der Klischees, mit der die Arbeit in Uniform so oft in Verbindung gebracht wird, trifft offenbar zu. Bei Christine* (24) sind es stattdessen ganz viele andere Gründe: Ein „08/15-Bürojob“ sollte es auf keinen Fall sein – stattdessen etwas Aktives und Arbeit im Team. „Was ich wollte, habe ich auch bekommen“, sagt die seit 2021 in Speyer eingesetzte Kommissarin. Sabrina Fohrmann, mit 30 Jahren schon etwas länger dabei und in der Polizeiinspektion I Ludwigshafen eine von zwei Einstellungsberaterinnen, bringt es für sich und die Kollegen auf den Punkt: „Kein Tag ist wie der andere. Wenn ich zum Dienst fahre, weiß ich nicht, was mich erwartet.“
Praktika und Studium
Die Bandbreite dessen, was den Männern und Frauen begegnet, ist je nach Einsatzort und Schicht gewaltig: von der hilflosen Seniorin, über Verkehrskontrollen bis hin zu schweren Straftaten und gewaltsamen Konflikten in Familien. Kann die Ausbildung, die neben Praktika ein Studium an der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz am Flughafen Hahn einschließt, auf alle diese Situationen vorbereiten? Bis zu einem gewissen Grad: ja. Die Dozenten legten großen Wert auf Kommunikation sowie das Üben und Reflektieren bestimmter Szenarien. Am Ende sei es viel „Learning by doing“ – mit jedem Einsatz werde die Nervosität weniger. Polizeibeamter – das sei eben ein „klassischer Erfahrungsberuf“, formuliert es Thorsten Mischler, Leiter der Pressestelle im Präsidium Rheinpfalz.
Dass sie als junge Berufsanfänger den sogenannten Bärenführer, einen meist älteren und routinierten Kollegen als Streifenpartner bekommen haben, empfinden die Beamtinnen und Beamten als echten Gewinn. Dessen Rat und das Gespräch über gemeinsame Erlebnisse im Dienst unterstütze dabei, „schnell handlungssicher zu werden“, beschreibt die in Ludwigshafen eingesetzte Kommissarin Maike* (24). Bei bestimmten Meldungen der Leitstelle sei ihr klar, wann besondere Vorsicht angezeigt ist und Verstärkung angefordert werden sollte – ihr Beispiel: eine Schlägerei mit zehn Leuten und „Messer im Spiel“.
„Kein Platz für Angst“
Dass Job und Privates zwei verschiedene Seiten einer Medaille sind, beschreibt Teresa Frey an einem persönlichen Erlebnis: Sie war auf dem Weg zur Arbeit in Frankenthal Beteiligte eines Unfalls, bei dem ein Mensch ums Leben kam. „Ich habe einen völlig konfusen Notruf abgesetzt und wusste nicht, wo vorne und hinten ist“, sagt sie. Kurz danach habe sie dienstlich einen Unfall aufnehmen müssen – ebenfalls mit einem tödlich Verunglückten. In dieser Situation sei sie aber professionell geblieben und habe das Erlebte nicht mit nach Hause genommen. Wenn das nicht klappe, wenn krisenhafte und belastende Einsätze im Gedächtnis blieben, dann gebe es Hilfe, ergänzt Sabrina Fohrmann: von Fachleuten natürlich, vor allem aber auch im Gespräch mit Kollegen der Dienstgruppe.
Im Beruf schlimmen Dingen zu begegnen, ist das eine. Im Beruf selbst einer gewissen Gefahr ausgesetzt zu sein, ist etwas anderes. Sitzt dieses Bewusstsein für Risiken im übertragenen Sinne immer mit im Streifenwagen? Situationen und eine mögliche Eskalation vorzudenken, das gehört für die fünf Beamten einfach dazu. „Wir müssen und können dauerhaft damit leben, dass es gefährlich sein kann“, sagt Tobias. Was hilft? Vertrauen in den Kollegen, in die Kollegin an der Seite, findet Maike. Bleibt Raum für Angst? Kommissarin Fohrmann verneint: „Wer mit Angst zum Dienst kommt, ist fehl am Platz.“
* Die Redaktion verzichtet in Absprache mit den drei Beamten auf die Nennung ihres Nachnamens.
