Frankenthal
Gleis4: Umzug in die Innenstadt?
Dass der Mietvertrag für das Kulturzentrum Gleis4 zum 30. September 2024 endet, ist seit Anfang 2020 klar. Eigentümer Nehat Ramadani, der das gesamte Gelände der ehemaligen Frankenthaler Brauerei im Februar 2018 gekauft hat, hatte damals auf Nachfrage bestätigt, dass er eigene Pläne für das Grundstück hat. Alle Versuche von Gleis4-Geschäftsführer Tiemo Feldmann, für das Kulturzentrum und seine private Musikschule im gleichen Gebäude einen neuen Standort zu finden, sind seither im Sande verlaufen. Unter anderem hatte Feldmann auf die Entwicklung des benachbarten Werksgeländes der König & Bauer AG (KBA) zu einem städtischen Quartier mit Kulturangebot gehofft. Diese Pläne haben sich jedoch ebenso zerschlagen wie die Idee eines Neubaus auf der Petersau und die Option, eine Immobilie in der Robert-Bosch-Straße zu nutzen. Dieses Frühjahr zeigte der Eigentümer sich dann bereit, den Mietvertrag für das Gleis4 um ein Jahr zu verlängern – allerdings zum dreifachen Mietpreis.
„Die Verhandlungen waren chaotisch“, erinnert sich Feldmann. Immer wieder habe der Vermieter neue Forderungen gestellt. Nachdem der Gleis4-Geschäftsführer den Vertrag nach eigener Darstellung nicht unterschrieben hat, mache der Besitzer des Gebäudes inzwischen schon Begehungen mit künftigen Gästen. Feldmann vermutet, dass die Räume für große private Partys genutzt werden sollen – ebenso wie der ehemalige Krone-Musikclub, wo unter anderem Hochzeiten mit bis zu 300 Gästen gefeiert werden.
City-Center im Gespräch
Knapp ein Jahr vor dem Vertragsende in der Johann-Klein-Straße scheint es nun für das Kulturzentrum eine Perspektive zu geben. Michael Kuffler, Geschäftsführer der Bamac GmbH und Eigentümer des Frankenthaler City-Centers, habe ihn bereits vor einiger Zeit wegen einer möglichen Nutzung des Untergeschosses des Gebäudes in der Speyerer Straße angesprochen, sagt Feldmann. Konkret sei noch nichts, unter anderem müssten Lärm- und Brandschutz sowie die Zugänge zu der rund 500 Quadratmeter großen Fläche geklärt werden. Das Kulturzentrum nebst eines Teils der Räume der Musikschule Music Academy an diesem Standort könnte zu einer Belebung der Innenstadt beitragen und positive Effekte für Einzelhandel sowie Gastronomie haben, glaubt Feldmann, der die Idee neben Vertretern der Stadtratsfraktionen auch dem künftigen Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) vorgestellt hat, wie er berichtet.
Ein großes Fragezeichen hinter das Projekt setzt allerdings die finanzielle Situation des als gemeinnützige Unternehmergesellschaft geführten Kulturzentrums. Seit der Corona-Pandemie habe sich das Ausgehverhalten geändert. Auch wenn der Besuch von Partys und Live-Veranstaltungen inzwischen wieder gut sei, liege er immer noch unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Durch die Unterstützung während Corona sei das finanzielle Polster des Fördervereins mit 170 Mitgliedern aufgebraucht. Alle Hoffnungen habe das Team im Sommer 2023 auf das Open-Air im Strandbad gesetzt. Doch mit etwas mehr als 1000 verkauften Tickets für sechs Konzerte sei die Musikveranstaltung trotz vorsichtiger Kalkulation aufgrund des Wetters deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Am Ende standen 20.000 Euro Minus statt Plus in der Bilanz.
Langfristige Sponsoren gesucht
Die geplante Neuauflage des Festivals im Sommer 2024 sei nur machbar, „wenn jegliches Risiko abgedeckt ist“. Dafür wolle er unter anderem Fördermittel aus dem Etat des Kultursommers Rheinland-Pfalz beantragen. Für den Kulturbetrieb insgesamt wolle er, statt bisher für einzelne Veranstaltungen, langfristige Sponsoren gewinnen. „Ein attraktives Kulturangebot ist heute ein Standortfaktor bei der Mitarbeitergewinnung“, ist Feldmann überzeugt.
Um das Gleis4 weiter offen zu halten, habe er inzwischen 60.000 Euro aus den Einnahmen seines privaten Testzentrums auf dem KBA-Parkplatz gespendet, weitere 40.000 Euro habe er dem Kulturzentrum aktuell geliehen, sagt Feldmann. So hoch sei das Defizit, mit dem er in diesem Jahr rechne. Trotz großer Einsparungen und einem Jahresumsatz von rund 600.000 Euro und 15.000 Gästen pro Jahr erwartet der Gleis4-Geschäftsführer im kommenden Jahr ein Minus von 30.000 Euro, „die dann mit Einnahmen von Sponsoren und neuen Förderungen gedeckt werden müssen“, wie er sagt.
Ein Kostenfaktor seien Personalkosten. Einschließlich der Minijobs für Bar, Parkplatzbewachung und Garderobe beschäftige das Gleis4 etwa 25 Personen. Ende des Monats werde er eine Vollzeitkraft im Marketing entlassen müssen, bedauert Feldmann. Auch der Gewinn aus dem Strohhutfest, wo das Kulturzentrum eine eigene Meile mit Bühne bespielt, trage kaum deren Kosten.
Die Stadt unterstützt das 2014 eröffnete Frankenthaler Kulturzentrum jedes Jahr mit einem Festbetrag von 25.000 Euro und verdoppelt zusätzlich jeden Euro Spende bis zu einer Obergrenze von 25.000 Euro. Sollte dieser Zuschuss im Zuge der Haushaltsverhandlungen infrage gestellt werden, wäre das laut Feldmann ein Einschnitt, den der Betrieb nicht verkraften würde. Bei allem Optimismus angesichts eines möglichen neuen Standorts in der Innenstadt hofft er deshalb, „dass wir nicht auf der Zielgeraden verhungern“.