Frankenthal
Gleis 4 Open Air-Abschluss: RHEINPFALZ begleitet Crewmitglieder beim XL-Bühnenaufbau
Samstagnachmittag kurz vor 14 Uhr: „We Salute You – World’s biggest tribute to AC/DC“ – die Werbung auf dem Sattelschlepper am Straßenrand macht neugierig. Es geht ein paar hundert Meter weiter aufs Gelände des Gleis4-Open Air. Dort wird schon fleißig gewerkelt. Crewmitglied Oliver Bauer hat zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Herausforderungen hinter sich. „Das Problem ist die nasse Wiese“, berichtet er. „Wir mussten umladen auf den 7,5-Tonner und zweimal fahren bis alles da war.“ Der Kfz-Meister und seine Ehefrau Sandra Stemmler fahren den Sattelschlepper abwechselnd. Am Morgen sind sie von Bingen, dem Sitz der Band, aus gestartet. Das Ausladen des schweren Equipments auf den kleineren Radlader vor dem Open-Air-Gelände lief dann aber routiniert. „In einer Stunde stand alles auf der Bühne“, berichtet Bauer.
Originalinstrumente und kiloweise Pyrotechnik
„Alles“, das ist bei der AC/DC-Tribute-Band viel mehr als Instrumente, Verstärker und Kabel. Man setzt auf Authentizität und Detailtreue, und dazu gehören historische Originalinstrumente, kiloweise Pyrotechnik, ein Bühnenbild mit 21 Kanonen und natürlich das Wahrzeichen der australischen Rocker, die berühmte Höllenglocke. Die hängt bereits um 14.15 Uhr prominent in der Mitte unterm Bühnendach. Das Monstrum ist 1,80 Meter hoch, hat anderthalb Meter Durchmesser und den berühmten roten „Hells Bells“-Schriftzug. Das riesige Requisit stammt von Michael Haufe aus Schwetzingen, der in der Szene als „bekanntester Bühnenbauer der Welt“ gehandelt wird, wie Manager und Bassist Wolf Hail verrät. Die Glocke ist eine goldbronzene, patinierte Kopie aus Styropor.
Um ihren australischen Idolen möglichst nahezukommen sind die Bandmitglieder von „We Salute You“ im Gründungsjahr 2017 mit ihrem XL-Konzept gleich ganz oben eingestiegen ins internationale Tribute-Geschäft. „In Deutschland gibt es hundert AC/DC-Tribute-Bands, und allein in Frankfurt bereits vier“, berichtet Wolf Hail. „We Salute You“ tritt im kompletten deutschsprachigen Raum und den angrenzenden Ländern auf, in großen Hallen, rund 25 Konzerte pro Jahr. Höhepunkt war ein Auftritt in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Ihre Fanbase auf Facebook verzeichnet 23.000 Follower.
Arbeit des Pyrotechnikers beginnt Monate zuvor
Mit elf auf acht Meter ist die Gleis4-Bühne da vergleichsweise klein, doch groß genug für die Artillerie: Gegen 15 Uhr – es regnet wieder einmal – werden an den schwarzen Kisten auf der Bühne die Butterfly genannten Flügel-Klappverschlüsse gelöst und die Kanonen rausgeholt. Es sind 21 Geschosse wie beim Original. Gebaut hat sie Bassist Wolf Hail, der vor seinem Musikstudium eine Schreinerlehre absolviert hat, im Maßstab 1:1 aus Holz und einem feuerresistenten Spezialkunststoff. Denn auf der Bühne werden die Kanonen Funken sprühen. „Wir können mit Feuerwerk der Klasse B1 nur die schwache Version eines Blitzes erzeugen“, erklärt Pyrotechniker Julian Rudi die an Hollywood angelehnte Technik. Mit Assistentin Sabrina Klauß choreografiert er die Feuer- und Funkeneffekte des zweistündigen Non-Stop-Spektakels. Seine Arbeit beginnt schon Monate vor der Show mit der Auflistung aller pyrotechnischen Substanzen und dem Einreichen von Formularen bei der Behörde des jeweiligen Gastspielortes.
Herzstück der Band ist ja aber die Musik, und auch hier setzt man auf den Original-Sound analoger Instrumente der späten 60er- und 70er-Jahre. Wertvolle historische Instrumente seien das, verrät Backliner „Lemmy“ aus Bayern: „Wir spielen mit halben Antiquitäten“ erläutert der Gitarrentechniker, der im Hintergrund für das Stimmen der Instrumente verantwortlich ist. Für die Funkverbindungen sorgen die beiden Tontechniker Pino und Marvin.
Erst wenn das Set-Up stimmt, kommt die Band
Gegen 16 Uhr: Nach zwei Stunden ist alles aufgebaut und der Line-Check, der die Funkverbindungen prüft, kann beginnen, dann folgt der Soundcheck, und erst wenn das Set-Up stimmt, kommen die Musiker zur Anspielprobe auf die Bühne. Setlisten auf den Bühnenboden kleben, Getränke und Handtücher verteilen und hinten auf dem Gelände den Merchandising-Stand mit allerlei Shirts, Caps, Plakaten und blinkenden Teufelshörnern bestücken – es gibt überall noch viel zu tun bis die Show beginnt.
Mit Feuersäulen, Funkensprühen und Kanonendonner liefern „We Salute You“ am Abend das perfekte AC/DC-Spektakel. Vor der imposanten Wand aus zwei Dutzend Marshall-Verstärkern rocken Olli (Oliver Schreiß, Rhythmusgitarre), Bassist Baba (Wolf Hail), Drummer Erwin Rieder, Leadgitarrist Kili (Kilian Aßmann) und Sänger Grant Foster ihr Publikum in himmlische Höllengründe mit „TNT“, „Thunderstruck“, „Hells Bells“ und anderen Klassikern. Und nach dem letzten Kanonendonner geht es für die Helfer wieder von vorne los. Der Abbau ruft.