Frankenthal
Für Miss Strohhut und die Fasnacht: So wirbt Fabian Schumm für Frankenthal
Dass einer wie Fabian Schumm das Strohhutfest in vollen Zügen genießen wird, versteht sich für einen Ur-Frankenthaler und Vereinsmenschen wie ihn von selbst. Seine vorübergehende Unpässlichkeit bei der Arbeit hat der 41-Jährige auf seiner Homepage mit der diplomatischen Abwesenheitsankündigung „Strohhutfest mit Schorle-Reha“ vermerkt. Solch ein Slogan würde sich auch gut für eine der Werbefolien eignen, mit deren Herstellung und Vertrieb Schumm sein Geld verdient. Er ist Chef von „mafriX“, einem Unternehmen, das sich auf Textildruck und Werbetechnik spezialisiert hat.
Genau genommen ist Schumm sein eigener Chef, die Werbeagentur führt er im Eigenbetrieb. Folien, Banner und Textilien bedruckt er in maschinell ausgestatteten Geschäftsräumen am Albrecht-Dürer-Ring. Für das Car Wrapping, also das professionelle Bekleben ganzer Wagenfronten, hat er mittlerweile eine Halle angemietet. Seine Handwerkskunst fällt im Straßenbild immer wieder ins Auge, am Fahrzeug der Miss Strohhut etwa, aber auch im jüngsten Wahlkampf des Landtagskandidaten und frisch gekürten Lotto-Rheinland-Pfalz-Geschäftsführers Christian Baldauf (CDU).
Dass Schumm dessen Werbekampagne mitgestaltet und Streuartikel mit designt hat, ist kein Zufall. Sie sind nicht nur Parteifreunde, sondern auch familiär eng verbunden. Schumm lebt mit Baldaufs Tochter Marlene zusammen. Sie ist Vize-Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Frankenthal, er dessen Mitgliederbeauftragter. In der Mittelstandsvereinigung der CDU assistiert er dem Vorsitzenden Lucas Spiegel.
Gockelswoog und Prinzgemahl
Eine weitere Gemeinsamkeit eint die beiden: die Fasnacht. Schumm gehört dem Komitee der Gockelswoog an. Dass er den Wagen von Stadtschlüsselprinzessin Marlene I. in eine repräsentative Hülle eingeschweißt hat, versteht sich von selbst. Im Gegenzug war er für die Dauer der Kampagne zum Prinzgemahl Fabian I. gekürt worden, mit einer Schärpe, die diesen Titel vermerkt hatte. „Die habe ich aber nicht selbst bedruckt“, schränkt er gleich ein.
Dafür hat der gelernte Chemie-Industriemeister genug andere gewerbliche Kunden. Die Anonyme Giddarischde mit einem T-Shirt-Logo „Made in Frankenthal“ zählen dazu, aber auch eine „Der Betze brennt“-Kollektion für den 1. FCK. Zu den lokalen Auftraggebern zählen etwa die DJK Eppstein oder die Mörscher Wasserhinkele. Am Albrecht-Dürer-Ring gehen Bestellungen aus dem kompletten südwestdeutschen Raum ein, etwa für speziell bestickte Polo-Shirts der Landsknechte in Bretten, die die Historie dieser Söldnertruppe nachstellen.
Durch die Textilpresse
„Kugelschreiber, Zollstöcke, Feuerzeuge, Schlüsselbänder, Chips für Einkaufswagen, das sind immer noch die Werbeklassiker, nach denen gern gegriffen wird“, so Schumms langjährige Beobachtung. Solche Artikel mit Aufdrucken zu individualisieren, auch das zählt zu seinen Dienstleistungen. Baldauf hatte es zudem mit Papiertaschentüchern, Heftpflastersets und Farbstiften versucht.
In die Selbstständigkeit hatte Schumm sich mit T-Shirt-Aufdrucken gewagt, nachdem ihm der Schichtbetrieb als Chemikant zu aufreibend geworden war. Später verlegte er sein Start-up an den Albrecht-Dürer-Ring. Allein 3000 bis 4000 Shirts gehen ihm zufolge im Jahr dort zum Verzieren durch die Textilpresse.
„Die Geschäfte haben sich gut entwickelt“, bilanziert der Werbetechniker. So gut, dass er vor zwei Jahren eine Halle in der Gleisstraße angemietet hat, in der nun beispielsweise Handwerkerautos großflächig beschriftet werden können. Aber jetzt greift er erst mal zu Strohhut und Schoppeglas, mit anschließender Kurz-Reha.