Frankenthal
Dialogforum: Bürger befürchten Verkehrschaos vor dem Bahnhof
Eine mit bewegten Bildern unterlegte Computersimulation des Fachbüros Mailänder Consult (Karlsruhe) sollte den knapp 60 Besuchern im Erkenbert-Museum die künftige Situation vor Augen führen. Allerdings waren darin im Bahnhofsumfeld kaum Menschen und noch weniger Fahrzeuge auszumachen, was in einem Wortbeitrag als eher unrealistisch bezeichnet wurde. „So sieht es allenfalls an einem Sonntag um 14 Uhr, nicht aber an einem Montag um 7.45 Uhr aus.“
Täglich rund 8000 Reisende
Schließlich hatte Stadtplaner Thorsten Oliver Seifert zuvor davon gesprochen, dass täglich rund 8000 Reisende den Bahnhof frequentierten und die Deutsche Bahn bis 2040 einen Anstieg auf 15.000 prognostiziere. Wenn die Geschwindigkeit in der Eisenbahnstraße teilweise auf 20 Stundenkilometer gedrosselt werden soll, blieben Staus und Verkehrschaos nicht aus, lautete eine Befürchtung. Der Verzicht auf einen Zebrastreifen wurde als suboptimal eingestuft.
Obwohl die Pläne die Neupflanzung von 37 klimaresistenten Laubbäumen vorsehen – allerdings müssen auch 22 gefällt werden – und ein mit lockerem Substrat gefülltes neuartiges Wurzelkammersystem die Standortbedingungen verbessern soll, erkannten einige Diskussionsteilnehmer – auch mit Blick auf eine bessere Verschattung – noch Nachholbedarf. So wurden zusätzliche Pergolagänge mit Sitzgelegenheiten angeregt. Sinnvoll wäre darüber hinaus, einen direkten Zugang zu den Gleisen von Westen zu ermöglichen, was freilich einen Grunderwerb und den Ausbau der Bahnunterführung voraussetzen würde. Überhaupt müsse sich die DB mehr anstrengen und ihr Areal häufiger reinigen, wurde gefordert. Ein Lichtblick: Ab 2028 soll das Bahnhofsgebäude saniert werden.
Ziel: Autos verbannen
So lange freilich wird es nicht mehr dauern, bis die Stadt ihr Neun-Millionen-Euro-Projekt aufs Gleis heben kann. Als Hausnummer für einen möglichen Baubeginn nannte Seifert Ende 2026. In seinem Vortrag dröselte der Experte die Etappen des schier endlosen Planungsmarathons auf und nannte als wichtige Ziele, Autos weitgehend von dem Vorplatz zu verbannen und mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Dazu soll ein langgezogenes Wasserbecken mit 14 Düsen ebenso beitragen wie Außengastronomie. Mit einem taktilen Leitsystem wird ein Beitrag zur Barrierefreiheit geleistet. Der Zentrale Omnibusbahnhof bekommt einen überdachten Mittelsteig mit Sägezahnaufstellung.
Als innovative Besonderheit stellte Thorsten Oliver Seifert den vollautomatischen Fahrradparkturm heraus, in dem platzsparend 96 Drahtesel untergebracht werden können und der vom Land zu 100 Prozent gefördert wird. Bei Bedarf sei die digital zu steuernde Anlage modular erweiterbar. In der Summe werden künftig 340 Fahrradabstellplätze (derzeit sind es nur rund 140) an drei Standorten zur Verfügung stehen.
Neue Rohre und Kabel
Was passiert im Untergrund? Einen hohen sechsstelligen Betrag wollen die Stadtwerke Frankenthal laut Frank Dietrich in die Hand nehmen, um eine neue Trasse für die Versorgungsrohre und -kabel zu ziehen und die über 100 Jahre alte Wasserleitung auszutauschen. Lediglich punktuelle Maßnahmen plant der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb (EWF), da sich der Hauptkanal aus dem Jahr 1930 unter der Eisenbahnstraße in gutem Zustand befinde, führte der stellvertretende Betriebsleiter Klaus Gerth aus.
„Es tut sich einiges im Bahnhofsumfeld, die Sogwirkung ist schon zu erkennen“, stellte Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) fest. Private Investoren hätten sich gemeldet, einige Sofortmaßnahmen seien ergriffen worden. Beispielhaft nannte er die Schließung der Buswartehalle, das Entfernen von Telefonzelle und Litfaßsäule sowie die zusätzlichen Fahrradabstellplätze nördlich der Unterführung. Nach dem Strohhutfest soll der Stabmattenzaun entlang der Eisenbahnstraße verschwinden.