Frankenthal / Ludwigshafen
Sanierung der B9 startet heute: Was das für den Verkehr in der Vorderpfalz bedeutet
Das Projekt Fahrbahnerneuerung der B9 zwischen den Anschlussstellen Maxdorf/Oggersheim und Frankenthal-Mitte ist auch für einen Routinier wie Martin Schafft kein Alltagsgeschäft. Der Dienststellenleiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) hat in den sechs Jahren in dieser Funktion nicht allzu viele Baustellen dieser Größenordnung auf dem Schreibtisch gehabt. Insgesamt rund fünf Kilometer müssen von Ende Oktober bis voraussichtlich Ostern in zwei Bauabschnitten bearbeitet werden. Die Planungen dafür sind vor gut einem Jahr angelaufen, maßgeblich begleitet von Georg Delb, der beim LBM die Fachgruppe Straßenbau leitet.
Im Einzelnen wird der Asphalt abgefräst und ausgetauscht; die im südlichen Abschnitt der B9 teilweise bereits existierende Betonschutzwand auf dem Mittelstreifen wird durchgängig verlängert; und die Fahrbahnentwässerung wird erneuert, um vor allem Schwachstellen rund um die Abfahrt in Richtung Studernheim zu beheben. Weil die Schnellstraße nicht breit genug ist, wird es nicht reichen, die beiden Spuren in Richtung Norden komplett zu sperren. Zur Absicherung der Arbeiten auf dem schmalen Mittelstreifen muss zusätzlich eine Spur der B9 in Richtung Süden vorübergehend abgetrennt werden, was auch auf der Gegenfahrbahn zu Einschränkungen für den Verkehr führen wird.
Keine Alternative zur Einspurigkeit
Ans Werk machen sich die beauftragten Straßenbauer aus Alzey am 28. Oktober. Für die finale Einrichtung der Baustelle wird die B9 in Richtung Norden bereits ab dem 25. Oktober gesperrt. Noch früher, nämlich bereits ab dem 17. Oktober, wird sie in der Gegenrichtung zwischen der Anschlussstelle Frankenthal-Süd und Studernheim nur noch auf einer Spur befahrbar sein. Darauf und auf die empfohlene Umleitungsstrecke über die A650, A61 und die A6 werden Tafeln hinweisen, die ab dem 14. Oktober flächendeckend aufgestellt werden sollen.
Aus diesen wird an Ort und Stelle auch hervorgehen, dass die Zu- und Abfahrt zum Oggersheimer Gewerbegebiet westlich der B9 von der A650 aus gewährleistet bleibt. Die Vollsperrung greift erst hinter der Abfahrt in Richtung Oggersheim-West. Dieses Zugeständnis an Kunden und Gewerbetreibende ist ein klassisches Dilemma, wie Schafft im Gespräch mit der RHEINPFALZ einräumt. Es könnte sich vor allem im zweiten Bauabschnitt bemerkbar machen, wenn der sanierte erste Abschnitt bis Studernheim wieder freigegeben sein wird und sich Autoverkehr, für den dann dort erst mal Endstation ist, durch die Mahlastraße quält oder sich über die drei südlichen Vororte einen Weg in Richtung Autobahn sucht.
45.000 Fahrzeuge täglich
Rund 45.000 Fahrzeuge befahren die B9 zwischen der Abfahrt von der A650 und Studernheim an einem durchschnittlichen Tag in beide Richtungen. Jedes zwölfte wiegt mehr als 3,5 Tonnen, einen beträchtlichen Teil dieser acht Prozent machen Lkw und Busse aus. Das hat Spuren auf der Fahrbahn hinterlassen, weshalb der Asphalt in einer Tiefe von 24 bis 28 Zentimetern abgefräst wird, ehe er in drei Schichten (Tragschicht, Binderschicht und Fahrbahndecke) wiederaufgebaut wird. Beidseitig werden die Schutzplanken erneuert. Am rechten Fahrbahnrand werden sie eins zu eins ersetzt, auf dem Mittelstreifen wird der Betonschutzwand, die jetzt bereits von der A65 bis kurz vor den Anschluss in Richtung Oggersheim führt, regelwerkskonform auf voller Länge bis zum Anschluss Frankenthal-Mitte weitergesetzt. „Das verhindert künftig zuverlässiger, dass ein Lkw diese bislang recht einfache Abgrenzung durchbrechen und womöglich auf die Gegenfahrbahn geraten könnte“, erläutert Schafft.
Die dritte Maßnahme betrifft die Optimierung der Entwässerung der Fahrbahn. „Bei Starkregen oder anhaltendem Niederschlag steht das Wasser mitunter auf der Fahrbahn“, berichtet der LBM-Chef. Mit eingebauten Schlitzrinnen über 700 Metern Länge in Richtung Norden und regulären Abläufen in Richtung Süden, beides im Mittelstreifen, soll ein besserer Abfluss gewährleistet werden.
5,8 Millionen Euro Baukosten
Die Baukosten schätzt der Fachmann auf rund 5,8 Millionen Euro. Das Schutzplankensystem wird eine weitere Million kosten. Die konkreten Bauarbeiten sollen am 28. Oktober beginnen, Ziel ist es, den ersten Abschnitt bis zur Anschlussstelle Frankenthal-Süd/Studernheim bis zum Jahresende abzuschließen. Läuft es nach Plan, soll die zweite Etappe bis Ostern 2025 beendet sein. „Das ist realistisch, aber vor allem vom Witterungsverlauf abhängig“, schätzt Schafft den Zeitplan ein. Trockene Phasen setzt etwa das Verfüllen des Asphalts voraus. Viel Puffer bleibt dem LBM nicht. Die Maßnahme ist getaktet mit avisierten Arbeiten auf der A6 nördlich von Frankenthal im kommenden Jahr.
„In den ersten Tagen wird es ein Verkehrschaos geben“, gibt er sich keinen Illusionen hin. Erfahrungsgemäß werde dieses sich einpendeln, das gelte auch für die Suche nach Schleichwegen. Was bedeutet, dass sie weiterhin gesucht und getestet werden. „Das ist vor allem für die Vororte zu befürchten, durch die der eine oder andere Fahrer glaubt, Zeit sparen zu können, indem er oder sie eine vermeintliche Abkürzung nimmt.“ Bei acht Prozent Schwerlastverkehr, also 3600 Fahrzeugen am Tag, steht zu erwarten, dass auch so mancher Brummi versuchen wird, sich einen Weg durch Flomersheim und Eppstein zu bahnen – und womöglich an Grenzen stößt.
Umleitung über A61
Die offizielle – und ausgeschilderte – Umleitungsempfehlung führt über die A650 zum Autobahnkreuz Ludwigshafen und von dort aus über die A61 und die A6 von Norden kommend nach Frankenthal hinein. Für überregionalen Verkehr biete sich alternativ die rechte Rheinschiene und eine Abfahrt vom Viernheimer Kreuz auf die A6 an, schlägt Schafft vor.
„Wir kommen an einer Vollsperrung nicht vorbei“, bedauert er. Die relativ geringe Fahrbahnbreite auf der B9 lasse die vorübergehende Umwidmung einer der beiden Spuren in Richtung Süden nicht zu. Die Frankenthaler Stadtverwaltung und die Ortsvorsteher der drei betroffenen Vororte sind vorige Woche vom LBM-Chef persönlich über den Planungsstand informiert worden. Im Einvernehmen sei festgelegt worden, ein vorübergehendes Halteverbot nur am Bahnübergang in Flomersheim zu verhängen, um den Zugverkehr nicht durch einen eventuellen Rückstau zu behindern. Ansonsten solle der zu erwartende zusätzliche Verkehr nicht eingeladen werden, ohne Hindernisse am Straßenrand durch Eppstein oder Flomersheim zu rauschen. Zur Sicherheit von Fußgängern sollen Zebrastreifen mit Blinklichtern zusätzlich abgesichert werden.
