Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel 40 Jahre Priester: Im Einsatz für den interreligiösen Dialog

Feiert 40. Priesterjubiläum: der Frankenthaler Pfarrer Joachim Reger.
Feiert 40. Priesterjubiläum: der Frankenthaler Pfarrer Joachim Reger.

Der katholische Pfarrer Joachim Reger ist seit 40 Jahren Priester. Das wird in einem Festgottesdienst in der St. Ludwigskirche in Frankenthal gefeiert. Was Reger erlebt hat.

Wenn der katholische Pfarrer Joachim Reger am Sonntag, 7. Juni, ab 11 Uhr, in einem Festgottesdienst in der St. Ludwigskirche in Frankenthal sein 40. Priesterjubiläum feiert, nehmen auch Vertreter muslimischer Vereinigungen und hochrangige Mitglieder des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab von Jerusalem teil. Reger, der in Philosophie und Theologie promoviert hat, ist seit 2018 Islambeauftragter der Diözese Speyer und setzt sich bei Vorträgen, Moscheebesuchen und repräsentativen Anlässen für Integration und interreligiösen Dialog ein. Diese Aufgabe berge in diesen herausfordernden Zeiten eine Menge Konfliktpotenzial, erklärt er.

Nicht weniger problematisch sei das Verhältnis zwischen Christen und Juden im Heiligen Land. Ideelle und vor allem großzügige materielle Hilfe kommt vom Ritterorden, dem Reger seit 2021 als Prior der Komturei Speyer-Kaiserslautern vorsteht. „Es handelt sich um eine spirituelle Gemeinschaft, in die auch Frauen aufgenommen werden“, erläutert er. Deren Anteil beträgt rund 40 Prozent. Die Deutsche Statthalterei zählt rund 1400 Mitglieder, gegliedert in sechs Ordensprovinzen und 38 Komtureien (Verwaltungsbezirke). Der weltweit tätige Laienorden unterstützt in erster Linie das Lateinische Patriarchat von Jerusalem sowie die Erziehungs- und Bildungsarbeit in Kindergärten und Schulen vor Ort.

„Von der Philosophie zur Theologie“ geführt

Eine Würdigung seiner theologischen Lehrtätigkeit war 2004 Regers Berufung in das Konsistorium des Forums für Glaubende und Nichtglaubende der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg. In der Klasse Weltreligionen ist er Teil eines transnationalen und interdisziplinären Netzwerkes, das rund 2000 renommierte Wissenschaftler, Künstler und Geistliche, darunter Nobelpreisträger verbindet. Als Fundamentaltheologe wird er regelmäßig für Vorträge angefragt, wobei es auch um aktuelle Themen geht. So hat er beispielsweise in der Pandemie den Beitrag „Gott und das Virus“ verfasst.

Der 66-Jährige ist in Miltenberg (Main) geboren und in der Frankenthaler Carl-Bosch-Siedlung, nahe der Kirche St. Paul, mit zwei Brüdern aufgewachsen. In seiner Schulzeit am Albert-Einstein-Gymnasium besuchte er sechs Jahre die Städtische Musikschule Mannheim und lernte das Klavierspiel bis zur Konzertreife. Er strebte zwar keine Karriere als Pianist an, ließ sich aber von der Musik inspirieren, die ihn „von der Philosophie zur Theologie“ führte.

„Ränder sind zum Zentrum geworden“

Als Einstieg ins Studium entschied sich Reger für die Katholische Universität Eichstätt. Er wechselte jedoch ans Boston College, einer Jesuitenuniversität, in den USA. Bei einem Studienaufenthalt lernte er das Leben der Menschen in Lima (Peru) kennen. Zurück in der Heimat folgten das Pastoralseminar in Speyer und 1986 die Priesterweihe. Domdekan und Bischöflicher Sekretär waren seine ersten beruflichen Stationen. Nach dem Pfarrexamen ging es in die Schule. Als Studien- und Oberstudienrat unterrichtete er an mehreren Pfälzer Gymnasien – für kurze Zeit auch am Karolinen-Gymnasium in Frankenthal – in den Fächern Religion, Ethik, Philosophie und Geschichte. Nach seiner Promotion und Habilitation war Reger unter anderem Hochschulpfarrer in Landau und Germersheim sowie Dozent für Systematische Theologie in Trier, Landau, München und Salzburg.

Vor knapp zwei Jahren ist der Pfarrer zur Seelsorge an die Basis zurückgekehrt. In der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit unterstützt er das Pastoralteam, hält Gottesdienste und Beerdigungen, führt Trauergespräche und spendet die Krankensalbung. „Die Begegnung mit Menschen, die das Geistliche suchen, ist mir besonders wichtig“, sagt er. Auch wenn sich die Anzahl der hundert Priester in der Diözese Speyer in zehn Jahren halbieren wird und allenfalls noch zehn Prozent der Katholiken in die Kirche gehen, sei dies für ihn kein Grund zur Resignation: „Die Ränder sind zum Zentrum geworden, und dahin müssen wir gehen.“

Zum Abschalten in die Tasten greifen

In seiner Freizeit ist der Pfarrer gern in Frankenthal und Umgebung per Fahrrad oder E-Scooter unterwegs. Außerdem liest er viel, aber fast keine theologische Literatur. Wenn er mal richtig abschalten will, setzt er sich an seinen Steinway-Flügel im Wohnzimmer und greift in die Tasten.

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