Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Das Albert-Einstein-Gymnasium und seine Kunst: Kampf um den Minotaurus

Wegen der spitzen Hörner musste diese Skulptur ins gebäude umziehen.
Wegen der spitzen Hörner musste diese Skulptur ins gebäude umziehen.

In der Serie „Anno dazumal“ steht heute ein Schulhaus im Mittelpunkt, das nun ins Rentenalter gekommen ist: das Albert-Einstein-Gymnasium.

Mit dem Slogan „Schulstadt in der Vorderpfalz“ präsentierte sich die Stadt Frankenthal Mitte der 1980er-Jahre auf einem postalischen Werbestempel. Ausschlaggebend für dieses selbst verliehene Prädikat war die Ausstattung mit schulischen Einrichtungen, die ein quantitativ und qualitativ vielseitiges Angebot für rund 9.000 Schülerinnen und Schüler aus der Stadt und dem Umland bieten. Zahlreiche Schulen wurden im Rahmen dieser Serie bereits vorgestellt. Im Fokus steht diesmal ein Schulhaus, das gerade ins Rentenalter gekommen ist: das Albert-Einstein-Gymnasium.

Die Fotokarte, die das Schulgebäude am Parsevalplatz zeigt, stammt aus einer Zeit vor fast 65 Jahren. Der Bau, der damals sechs Millionen Mark kostete, wurde nach knapp zweieinhalbjähriger Bauzeit am 16. Dezember 1960, eingeweiht. Schüler aus dieser Zeit erinnern sich noch an den Umzug vom alten Progymnasium und der Neumayerschule ins knapp 600 Meter entfernte neue Gebäude: Mit Sack und Pack transportierte man die bewegliche Schuleinrichtung – Bücher, Landkarten und andere Unterrichtsmaterialien wie Globus, Skelett oder Tierpräparate – zum Teil mit Handkarren zum Parsevalplatz. Eine ganz neue Art des praktischen Schulunterrichts.

„Frankenthaler Universität“

Auf dem Garten- und Ruinengelände südlich des Parsevalplatzes – westlich davon stand bereits seit drei Jahren der Neubau der Karolinenschule – wurde ein dreigeschossiger Baukörper mit Innenhof errichtet. Das Flachdach entsprach dem Stil der damaligen Zeit. Wegen seiner großzügigen Einrichtung und Gestaltung wurde er von einem damaligen Berichterstatter in der Presse als „Frankenthaler Universität“ bezeichnet. Eine unscheinbare Plakette an der linken Seite der Eingangstür weist bis heute darauf hin, dass das Gebäude von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz als „vorbildlicher Bau“ eingestuft und prämiert wurde. Im „Architektenführer Rheinland-Pfalz 1945-2005“ wird es als eines von 150 Objekten und eines von zwei Frankenthaler Bauprojekten – neben der Carl-Bosch-Siedlung – aufgeführt.

Das „Staatliche Neusprachliche und Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium Frankenthal/Pfalz“ änderte seinen sperrigen Namen 1971 und ist seither als „Albert-Einstein-Gymnasium“ bekannt. Das Schulgebäude von 1960 bleibt der funktionale Mittelpunkt des schulischen Geschehens, auch wenn es inzwischen durch zahlreiche Erweiterungsbauten an aktuelle Bedürfnisse angepasst wurde.

Großen Wert auf Kunst gelegt

Viele Generationen von Schülern und Lehrern haben seitdem ihre Lehr- und Lernjahre in den Hallen und Räumen des Albert-Einstein-Gymnasiums verbracht. Eines jedoch hat von Anfang an Bestand: Im Innenhof, in der nordöstlichen Ecke, steht eine aus Schrottteilen zusammengesetzte Gestalt – der Minotaurus.

Während der Planungsphase des Schulgebäudes wurde großer Wert auf die Verbindung von Bau und Kunst gelegt. Ein Gremium entschied sich damals für das Konzept des Künstlers Klaus Arnold, der den Theseus-Minotaurus-Mythos als künstlerisches Leitmotiv wählte. Die Theseus-Sage ist seitdem an verschiedenen Stellen des Schulgebäudes präsent, auch wenn sie nur dem geschulten Auge oder spezifischem Wissen zugänglich ist. Ein Rundgang über das Schulgelände bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Elemente der Sage zu entdecken und zu erarbeiten.

Heftige Diskussionen

Das auffälligste Objekt ist der Minotaurus, das aus Stahl und Eisen geformte Fabelwesen – ein Mischwesen aus Mensch und Tier. Bei seiner Enthüllung sorgte die Plastik für hitzige Debatten. Die regionale und überregionale Presse berichtete ausführlich, sogar das öffentlich-rechtliche Fernsehen griff den Fall auf. Am 8. Februar 1961 fand eine Podiumsdiskussion in der Schulaula statt, initiiert vom Frankenthaler Oberbürgermeister Jürgen Hahn. Mit rund 400 Besuchern. Drei Stunden lang stellte sich der Künstler den kritischen Stimmen.

Unter dem Motto „Erlaubt ist, was nicht gefällt“ wurde die angebliche „Geschmacksdiktatur“ kritisiert. Die Kosten des Kunstwerks – ironisch als „eine Kleinigkeit von 38.000 Deutsche Mark“ angeprangert– sorgten ebenfalls für Diskussionen. Ein empörter Bürger fasste die Kritik zusammen: „Und für einen solchen Mist wird Euer gutes Geld zum Fenster hinausgeworfen.“

Trotz der Kontroversen blieb der Minotaurus stehen und ist bis heute auf dem Schulhof zu finden. Die anfängliche Empörung ist längst abgeebbt, doch der „Hausgeist“ hat andere Herausforderungen: Eine Theseus-Kontur am Wasserspeier über seinem Kopf lässt Regenwasser auf die Plastik tropfen, was zu Rost und im ungünstigsten Fall zu Schäden führen könnte.

In den 1980er-Jahren erhielt der Minotaurus sogar einen „Bruder“: Eine zweite Plastik des Theseus-Komplexes wurde mitten im Innenhof platziert. Im Gegensatz zur älteren Eisenskulptur hat diese jüngere Version mit Sicherheitsbedenken zu kämpfen. Wegen der spitzen Hörner wurde sie ins Schulgebäude verbannt und steht heute im Gang vor den Verwaltungsräumen.

Die Fotokarte die das Schulgebäude zeigt.
Die Fotokarte die das Schulgebäude zeigt.
Sorgte für Diskussionen: die Minotaurus-Skulptur.
Sorgte für Diskussionen: die Minotaurus-Skulptur.
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