Frankenthal
Pfarrer Joachim Reger verstärkt das Seelsorgeteam der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit
Pfarrer Joachim Reger, promovierter Theologe und Philosoph, ist in Frankenthal kein Unbekannter. Reger – 1960 in Miltenberg/Main geboren – war ein Kind, als er mit seinen Eltern und seinen zwei Brüdern in die Carl-Bosch-Siedlung zog. Von Anfang an bestand eine enge Verbindung zur Gemeinde St. Paul, wo er sich als Messdiener und in der kirchlichen Jugendarbeit engagierte. „Ich hatte damals zwei Hobbys, Fußball und Musik“, verrät er im Gespräch. Am Konservatorium in Mannheim erlernte er das Klavierspielen und beherrschte schon bald anspruchsvolle Literatur, was er bei Konzertauftritten immer wieder unter Beweis stellte.
Nach dem Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium studierte er in Eichstätt und Boston, war nach der Priesterweihe 1986 als Domkaplan und Bischöflicher Sekretär in Speyer tätig. Er unterrichtete anschließend an mehreren Schulen in der Pfalz – unter anderem ein Jahr am Karolinengymnasium – in den Fächern Religion, Ethik, Philosophie und Geschichte. Nach seiner Promotion und Habilitation in Fundamentaltheologie war Reger Hochschulpfarrer in Landau und Germersheim sowie Dozent für Systematische Theologie in Trier, Landau, München und Salzburg.
Den Schuldienst hat der 64-Jährige quittiert. „Ich war der letzte Priester in der Diözese, der am Gymnasium Religionsunterricht gegeben hat“, sagt er. Da ihm die Seelsorge vor Ort wichtig ist, übernahm er in der Vergangenheit insbesondere in der Urlaubszeit Vertretungs- und Aushilfsdienste in den Gemeinden, hielt nicht nur Gottesdienste, sondern sprang auch bei Beerdigungen, Krankensalbungen und Beichtgesprächen ein. Nachdem Reger sein Elternhaus nahe der Kirche St. Paul bewohnt, lag es für ihn nahe, künftig als Hauptamtlicher mit halber Stelle die Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit zu unterstützen. „Ich habe diesen Vorschlag gemacht, und Speyer fand ihn gut“, erklärte er.
Universale Perspektive
In der Domstadt behält Joachim Reger nach wie vor seinen Arbeitsplatz als Islambeauftragter der Diözese Speyer. Er kümmert sich um den interreligiösen Dialog mit den Muslimen, hält Vorträge, besucht Moscheen und übernimmt repräsentative Aufgaben. „Es ist ein sehr brisantes Tätigkeitsgebiet, das aufgrund der aktuellen politischen Entwicklung sehr viele Konfliktfelder bietet.“ Mit Sorge erfüllt Reger die zunehmende Radikalisierung. Nachdem er 2014 zum Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem geschlagen wurde und Prior des Ordens ist, hat sich sein Dialogfeld auf das Verhältnis von Christentum und Judentum erweitert.
Die universale Perspektive eröffnete sich für Reger durch die Aufnahme in die Klasse der Weltreligionen der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg und seine Vorlesungen über den Islam. Er ist außerdem Bildungsreferent der Katholischen Akademie beim Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen. „Ich verstehe mich als Brückenbauer zwischen der innerkirchlichen Welt und dem kulturellen Geschehen innerhalb der Gesellschaft“, hat er einmal formuliert. Und in seiner im Pfarreiblatt „aktuell“ veröffentlichten persönlichen Vorstellung, hat er den Weg des Glaubens mit einer Suchbewegung verglichen. „Als Christen, Juden und Muslime sind wir Gottsucher.“
Joachim Reger, der fast die ganze Welt bereist hat, sucht den Ausgleich zu seinem ausgefüllten beruflichen Alltag nach wie vor in der Musik. In seinem Wohnzimmer steht ein Steinway-Flügel mit aufgeschlagenen Notenblättern. Hat er Lieblingskomponisten? Spontan nennt er Bach und Brahms. Auch für Mahler kann er sich durchaus erwärmen. Richard Wagner geht dagegen gar nicht.