Donnersbergkreis
Breunigweiler: 14. Ausflug des Schreckens binnen zweieinhalb Stunden ausverkauft
Ausverkauft – 2000 Karten in gerade einmal zweieinhalb Stunden! Der „Ausflug des Schreckens“ ist auch im 14. Jahr seines Bestehens ein Besuchermagnet. Am Samstag pilgern wieder Horrorfans aus Nah und Fern an die Pfrimm, um sich in schaurig-schöner Atmosphäre nach Herzenslust zu gruseln. Doch manchmal fürchtet sich auch ein Erschrecker.
Angst haben dürften diejenigen, die den Grusel-Fans hinter jeder Ecke auflauern, eigentlich nicht. Schließlich stammen alle Ideen für die zahlreichen Stationen, Rollen und Kostüme von den rund 150 Aktiven selbst, wie Albert Koch, erster Vorsitzender der Pfrimmtaltouristik, berichtet. „Viele Gruppen treten an uns heran und schlagen uns vor, was man mal machen könnte“, berichtet Koch von der großen Eigeninitiative. Dabei beginnen viele Akteure mit dem Zusammentragen von Anregungen nicht erst mit dem Helferessen im September, das allen teilnehmenden Gruppen als offizieller Startschuss dient. „Eigentlich sammeln wir das gesamte Jahr über. Wenn man unterwegs ist, sieht man immer irgendwelche Sachen“, spricht Erschrecker Udo Dech, der mit seiner Frau Gundula von Beginn an beim „Ausflug des Schreckens“ dabei ist, aus Erfahrung.
Ideen werden auf Wirkung getestet
Selbstverständlich müssten die neuen Inspirationen und die zum Teil selbstgenähten Kostüme vor dem großen Auftritt auf ihre schaurige Wirkung getestet werden. Deshalb wandelt sich das kleine Dörfchen schon einige Wochen vor der beliebten Halloween-Veranstaltung zu einem gespenstischen Fleckchen Erde. Nichts und niemand ist sicher. „In dieser Zeit darf man sich bei uns im Haus und auch bei Familie Dech über nichts wundern“, sagt Uschi Koch schmunzelnd. Das musste ihr Mann Albert bereits am eigenen Leib erfahren, nachdem Dech mit neuen Impulsen von einer Militärshow zurückkam. Begeistert von den mit Gestrüpp getarnten Sniper-Anzügen der Soldaten, stattete er seinen Schwager und sich ebenfalls damit aus. In voller Montur und mit Ehefrau Gundula als Verbündete machten sie sich auf den Weg nach Breunigweiler, um Koch einen Besuch abzustatten. Während die beiden Männer auf einer Bank auf ihr „Opfer“ warteten, lockte Dechs Frau den Vorsitzenden aus dem Haus. Doch als Koch die „Monster“ im Augenwinkel erblickte, gab es kein Halten mehr: Panisch rannte er zurück ins Haus, knallte die Tür und ließ seine Gesprächspartnerin vermeintlich hilflos zurück. „Rette sich, wer kann“, erinnert sich der Vorsitzende lachend an seine Reaktion zurück.
Ein solches Verhalten sei auch bei der 1,8 Kilometer langen Nachtwanderung regelmäßig zu beobachten. „Es sind nicht nur Frauen, die häufig ein flaues Gefühl bekommen“, weiß zweiter Vorsitzender und Erschrecker Ortwin Molter. Die sonst so taffen Männer ließen ihre Frauen oft im Stich. „Wir haben uns manchmal schon einen Spaß gemacht und Frauen etwas von der Gruppe abgedrängt. Dann war die Gruppe fort, die Frau noch da – und der Mann hat noch nicht mal nach ihr gefragt“, amüsiert sich Dech. Weniger lustig: Einmal sei ein junges Mädchen von ihrer Gruppe auf der Strecke schlichtweg vergessen worden, erinnert sich Uschi Koch. Als sie selbst über die Strecke lief, fand sie das weinende Kind, weil es sich alleine nicht an den Clowns vorbei traute.
Einmal zeigte sich eine Besucherin besonders nervös und ängstlich. „Ihr Mann erklärte mir dann: ’Die greint, weil sie da vorne das ES gesehen hat’“, berichtet Dech von einer extremen, aber seltenen Reaktion auf den Clown Pennywise. Andere reagieren mit einem Fluchtreflex: Bei der Suche nach einer in der Nacht verloren gegangenen Armbanduhr fanden die Organisatoren auch einen Damenschuh. „Die Frau muss vor Schreck die restliche Strecke ohne Schuh weiter gelaufen sein“, folgert Koch und erinnert nochmals daran, dass die Gäste unbedingt festes Schuhwerk tragen sollten.
Obwohl sie selbst für den Horror in dieser Nacht zuständig sind, können einige Erschrecker die Anspannung vieler Besucher gut nachfühlen. „Es ist schon ein mulmiges Gefühl“, gibt Molter zu. Zwar kenne man als Organisator alle Stationen, trotzdem komme es in der Nacht immer wieder zu Situationen, in denen man zusammenzucke oder skeptisch sei, was einen in der Dunkelheit erwarte. Diese Erfahrung machte auch Albert Koch, als er auf der Lauer lag: „Ich hatte kolossale Angst. Ich habe ständig nach hinten geguckt, weil ich dachte, es kommt jemand. Das war furchtbar. Man hört in der Dunkelheit alles und man kann es nicht deuten, ob sich nicht doch jemand anschleicht.“
Fratze löst Kettenreaktion aus
Da mittlerweile auch viele Besucher mit Masken am Ausflug teilnähmen, lehrten manchmal sogar die Wanderer die Erschrecker das Fürchten. So habe sich mal ein Erschrecker an einen Besucher angeschlichen und diesem auf die Schulter getippt. Der habe sich dann umgedreht und einen unerwarteten Blick auf eine fürchterliche Fratze eröffnet – was zunächst beim Erschrecker, danach in einer Art Kettenreaktion bei der gesamten Gruppe des Maskenträgers lautes Geschrei auslöste. Dass sich das Schreckmoment über all die Jahre nicht abgenutzt hat, rechnet Molter der Kreativität und Eigendynamik der vielen mitwirkenden Gruppen an, die teils selbst nicht aus Breunigweiler stammen. Dadurch entstehe jedes Jahr ein vielfältiges Repertoire aus neuen sowie alten Elementen. Auch ohne große Showeffekte für Gänsehaut sorgen seit vielen Jahren die überdimensionalen Spinnen: Mit einfachen Mitteln wie einer stimmungsvollen Beleuchtung sorgen sie zugleich für Ekel, Irritation und Neugier bei den Besuchern.
Was die Menschen in diesem Jahr auf der Strecke erwartet, wird allerdings nicht verraten. Der Eingang zum Pfad befindet sich am Samstag in der Pfrimmstraße. Dort laden den gesamten Abend die stimmungsvoll geschmückten Höfe die Wanderer mit Tickets, aber auch all diejenigen, die keine Karten im Vorverkauf erhalten haben, bei verschiedenen Leckereien zum Verweilen ein. Und manchmal lohnt es sich auch, am Kartenstand vorbeizuschauen, rät Uschi Koch. „Oft werden Eintrittsbuttons aus Verhinderungsgründen kurzfristig zurückgegeben, sodass am Abend wieder Karten zur Verfügung stehen können.“