Donnersbergkreis
Stolpersteine und Risiken im Straßenverkehr: Wie Fahrschüler lernen, sie zu meistern
Die City-Fahrschule Dieter Bernardy in Kirchheimbolanden ist seit Jahrzehnten Ziel für Führerscheinanwärter. Unter der Leitung von Tony Kremer, der sie vor fünf Jahren übernahm, hat das Unternehmen frischen Schwung erhalten. Der 39-Jährige, ein gelernter Kfz-Mechaniker, machte 2009 selbst seinen Lkw-Führerschein bei Dieter Bernardy und lernte dort auch seine heutige Frau kennen.
Mit 43 Lkw und 60 Mitarbeitern betreibt Tony Kremer ein Transportunternehmen. Während der Corona-Pandemie entschied er sich, auch die Fahrschule zu übernehmen. „2020 hat Dieter angedeutet, dass für ihn bei der Fahrschule bald Schluss sein könnte“, erinnert sich Kremer. „Ich habe ihm direkt gesagt, dass er nicht weitersprechen muss und ich die Schule übernehmen werde.“ Ein mutiger Schritt, der sich für ihn ausgezahlt hat. Innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren erwarb Kremer sämtliche Qualifikationen – vom Führerschein aller Klassen bis zum Fahrschulbetriebswirt. „Das Themenfeld Transport hat mich schon immer fasziniert“, erklärt er. „Und anderen etwas beizubringen, hat mir schon immer Freude bereitet.“
Nicht besser, sondern anders
Heute beschäftigt die Fahrschule 14 Fahrlehrer sowie drei Auszubildende. Sie bildet aktuell 468 Schüler aus. Kremer weiß genau, wem er diesen Erfolg zu verdanken hat. „Das alles funktioniert nur mit einem guten Team“, betont er. „Ohne mein Team hätte ich keine Chance. Ich bin wirklich stolz auf jeden Einzelnen – und ganz besonders auf meine Frau, die mir immer den Rücken freihält.“ Auch der vorherige Inhaber Dieter Bernardy bleibt für Kremer ein Vorbild. „Ich mache es nicht besser als Dieter, aber anders“, sagt er. „Ich sage immer: jünger, moderner, anders.“
Mit Fahrschule einen Traum erfüllt
Die Arbeit als Fahrlehrer ist für Kremer mehr als nur ein Beruf. „Es ist Berufung“, sagt er. „Du kannst diesen Job nur machen, wenn du Spaß daran hast, Menschen etwas beizubringen und auch die nötige Geduld mitbringst.“ Jeder Fahrschüler lernt in unterschiedlichem Tempo, was Kremer besonders ernst nimmt. Deshalb legt er großen Wert auf Betreuung, auch nach bestandener Prüfung. „Viele kommen sogar nach ihrem Führerschein noch auf einen Kaffee vorbei“, berichtet er. Die Entscheidung, Fahrlehrer zu werden, sei für ihn letztendlich goldrichtig gewesen. „Es ist einfach ein cooler Beruf“, betont Kremer. „Man bleibt flexibel und lernt ständig etwas Neues dazu. Und Lernen hält bekanntlich jung.“
Die Herausforderungen für den Fahrunterricht in Kirchheimbolanden sind vielfältig. Kreisverkehre, abknickende Vorfahrtsstraßen oder Spielstraßen stellen typische Stolpersteine dar. Darüber hinaus finden sich besonders heikle Stellen, die bei Fehlern sogar zum Abbruch der Fahrprüfung führen können.
Stoppschilder, Fußgängerüberwege, Einbahnstraßen
Eine dieser Stellen liegt in der Langstraße: Dort müssen sich Verkehrsteilnehmer links einordnen, um in eine Einbahnstraße abzubiegen – in die Gegenrichtung gilt ein Durchfahrtsverbot. In der Gasstraße wiederum ist eine Kreuzung in alle vier Richtungen mit Stoppschildern versehen, was laut Kremer eine durchaus knifflige Situation schafft und eine Prüfung anspruchsvoll macht. „Die Schüler denken, es sei übersichtlich und sie könnten einfach fahren. Aber so ist es eben nicht.“
In der Dannenfelser Straße gibt es gleich zwei schwierige Stellen: An der Ecke zum Linsenpfad treffen eine 30er-Zone, ein Fußgängerüberweg sowie eine Kita und eine Grundschule aufeinander. „Das ist eine Situation, die ein Schüler wirklich gut beherrschen sollte. Hier gibt es Kinder, Eltern, Senioren – viele Verkehrsteilnehmer, auf die man achten muss“, erklärt Kremer. Ein weiteres Problem ist eine kaum sichtbare Haltelinie vor einem Stoppschild mit querendem Rad- und Fußverkehr in derselben Straße. „Man darf die Linie nicht überfahren, sonst ist man durchgefallen“, warnt Kremer. „Man muss wirklich anhalten und sich dann langsam vortasten. In einer Prüfung kann es hier schnell heikel werden.“
Auch in der Marnheimer Straße, nahe Polizeistation, warten Herausforderungen auf Fahranfänger: Zwei eng aufeinanderfolgende Fußgängerüberwege erfordern besondere Aufmerksamkeit beim Rechtsabbiegen. „All diese Stellen im Verkehr sind für uns völlig normal“, sagt Kremer. „Aber für jemanden, der noch nie eine Fahrerlaubnis besessen hat, sind sie es eben nicht.“
Digitales Lernen in der Fahrschule
Um seine Schüler bestmöglich vorzubereiten, setzt Kremer vor allem auf die Vorteile digitaler Technologien. Mit einem Smartboard werden schwierige Verkehrssituationen im Theorieunterricht durchgespielt. „Durch digitale Formen und Methoden können Schüler schneller lernen und verstehen“, erklärt er. Dennoch bleibe Nervosität am Prüfungstag ein Thema – für Schüler und Lehrer. „In der Prüfung ist letztendlich alles möglich“, sagt der 39-Jährige. „Da lernt man seine Schüler noch einmal neu kennen.“ Zwar würden alle kniffligen Stellen und Fallstricke in Kirchheimbolanden zuvor abgefahren – aber eine gewisse Grundanspannung gebe es immer. „Wenn man auf eine schwierige Stelle zufährt und es in den Übungsstunden vielleicht nicht immer geklappt hat, wird einem schon mulmig. Das ist einfach ein komisches Gefühl.“
Umso größer ist dafür die Freude, wenn ein Schüler die Prüfung erfolgreich meistert. „Dann weiß man, dass der Unterricht gepasst und wirklich etwas gebracht hat. Es gibt nichts Schöneres, als wenn jemand unsere Fahrschule nach dem Bestehen mit einem breiten Grinsen verlässt.“
Doch auch bei Misserfolgen weiß Kremer mit seinen Schülern umzugehen – zumal laut ihm 90 bis 95 Prozent bereits beim ersten Versuch bestehen. „Sobald ich eingreifen muss, ist das eine blöde Situation. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mich das dann nicht beschäftigt“, sagt der ehemalige Kfz-Mechaniker. Grundsätzlich bleibe er jedoch immer positiv. Denn: „Wenn ich positiv auf jemanden zugehe, kann nur Positivität zurückkommen.“ Ein Aspekt, der besonders im Alltag als Fahrlehrer nicht zu kurz kommen sollte.