Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Ruhiger Sonntagnachmittag? Die meisten haben schon gewählt

Fast die Hälfte aller Wahlberechtigten im Donnersbergkreis hat ihren Stimmzettel bereits in Händen gehalten.
Fast die Hälfte aller Wahlberechtigten im Donnersbergkreis hat ihren Stimmzettel bereits in Händen gehalten.

„Für Sonntag, 26. September, sind 58.566 Wahlberechtigte im Donnersbergkreis dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben“ – eine gern gewählte Formulierung. Die aber ist längst überholt. Es sind gerade mal noch gut 30.000 Menschen.

Es dürfte ein ruhiger Sonntagnachmittag werden in den rund 100 Wahllokalen im Donnersbergkreis. Zumindest im Vergleich zu früheren Bundestagswahlen, bei denen sich die Wähler die sprichwörtliche Klinke in die Hand gaben, sich in vielen Wahlräumen Warteschlangen bildeten. Denn zwei von drei Bürgern, die ihre Stimme auch tatsächlich abgeben wollen, haben dies bereits erledigt.

Von den gut 58.500 Wahlberechtigten im Kreis haben mehr als 28.000 Briefwahl beantragt, fast jeder zweite Wahlberechtigte. Legt man die Wahlbeteiligung der Bundestagswahl 2017 zugrunde – 76,2 Prozent –, sind für die Urnenwahl am Sonntag nur noch rund 16.500 Stimmen zu erwarten. Kreiswahlleiter Rainer Guth rechnet aber sogar mit einer etwas niedrigeren Wahlbeteiligung als vor vier Jahren: Er geht von 75 Prozent aus.

Verbandsgemeinde Winnweiler mit höchster Quote

Demnach dürfte die Briefwahlquote am Ende bei gut 65 Prozent legen. Die Gründe für den rasant steigenden Anteil an Briefwählern liegen auf der Hand: Die Pandemie hat es in fast allen Bevölkerungsschichten hoffähig gemacht, die unterschiedlichsten Aufgaben von zu Hause aus zu erledigen. Und der Gesetzgeber hat es ermöglicht, ohne Angabe von Gründen Briefwahl zu beantragen. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte der Briefwähler-Anteil bei 24,3 Prozent gelegen, 2017 bei 28,6 Prozent.

Spitzenreiter unter den Verbandsgemeinden im Donnersbergkreis ist Winnweiler. Dort hat mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten ihre Stimmabgabe zu Hause erledigt: Bis Freitag hatten 5206 der 10.332 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt. In der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land waren es 6212 der 14.103 Wahlberechtigten – 44 Prozent sind der niedrigste Wert im Landkreis.

„Reisende Urne“ bringt Aufwand mit sich

Ein Ausreißer nach oben in der Verbandsgemeinde ist der Rockenhausener Stadtteil Dörnbach, wo – wie auch in Gonbach in der Verbandsgemeinde Winnweiler – schon mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten ihre Kreuzchen gesetzt haben. Extrem gering ist der Briefwähleranteil in Teschenmoschel (23,0 Prozent der Wahlberechtigten), Winterborn (28,5), Oberhausen (29,9): alles Orte, bei denen noch nicht feststeht, ob am Wahlsonntag 50 Zettel in der Urne landen und dann die Auszählung direkt beginnen kann. Oder ob – bei weniger als 50 Stimmzetteln – der Wahlvorstand die Stimmen in einen Nachbarort bringen muss, damit dort gemeinsam ausgezählt wird.

Im Vorfeld hatten sich lediglich Bisterschied und Schönborn sowie Schiersfeld und Sitters dafür entschieden, jeweils einen gemeinsamen Wahlbezirk zu bilden und so der Herausforderung der „reisenden Urne“ aus dem Weg zu gehen. Denn wenn nun am Sonntagabend Wahlbehältnisse in einen Nachbarort gebracht werden müssen, dann müssen stets drei Vertreter des Wahlvorstands die Fahrt mit antreten, wie Fouad Yahia von der Kreisverwaltung erläutert. Zudem müsse es allen Interessierten ermöglicht werden, die Reise der Wahlzettel zu beobachten – beispielsweise in dem sie mit eigenem Fahrzeug folgen.

Zwei Stimmbezirke schon sicher unter 50

Dafür allerdings haben Schönborn und Sitters ihre Wahllokale aufgeben müssen. In einigen der anderen kleinen Dörfer, die sich dafür entschieden hatten, es am Sonntag darauf ankommen zu lassen, gab es Vorstöße in der Dorfgemeinschaft, doch möglichst auf Briefwahl zu verzichten und am Wahltag zur Urne zu gehen. Auch um ein Zeichen für die Zukunft zu setzen, dass das eigene Wahllokal eben doch benötigt wird.

In Standenbühl (VG Göllheim), wo das Erreichen der 50er-Marke ebenfalls stark gefährdet ist, gab es tatsächlich nur 33 Briefwähler: 21,7 Prozent der Wahlberechtigten. Da dürfte es womöglich nun doch reichen. In den Stimmbezirken Reichsthal und Schmalfelderhof dagegen können schon jetzt, nach Abgabe der Briefwahlstimmen, gar keine 50 Urnenwähler mehr zusammenkommen.

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