Donnersberger Weinwelten RHEINPFALZ Plus Artikel Reportage: Weinlese im Zellertal – Wie der Boden den Wein prägt

Erntehelfer Laszlo Opra leert seinen Eimer mit Rieslingtrauben in den Traktor-Anhänger.
Erntehelfer Laszlo Opra leert seinen Eimer mit Rieslingtrauben in den Traktor-Anhänger.

Schon um vier Uhr morgens brennt im Kelterhaus das Licht. Dann beginnt für die Winzer während der Weinlese der Tag. Warum man nicht abends erntet, hat einen guten Grund.

Die wichtigsten Mitarbeiter im Weingut Schwedhelm sind nicht die beiden Chefs, die Brüder Stephan und Georg Schwedhelm, die die Aufgaben im Betrieb nach ihren Fähigkeiten und Vorlieben aufgeteilt haben. Es sind auch nicht die fleißigen Erntehelfer, die an diesem Morgen im Weinberg schuften, um die süßen Rieslingtrauben zu ernten. Auch Georgs Frau Saskia und die drei festangestellten Mitarbeiter sind nicht die Hauptverantwortlichen für den Wein, der in der vergangenes Jahr neu gebauten Halle abgefüllt wird. Der wichtigste Mitarbeiter ist

das Zellertal selbst, wenn es nach Georg Schwedhelm geht. Vor allem der Boden, der durch Kalkstein und Ton geprägt ist, und das Mikroklima machen für Georg Schwedhelm die Gegend aus.

Saskia Schwedhelm bei der Weinlese.
Saskia Schwedhelm bei der Weinlese.

Seine Frau Saskia gibt eine Tour durch die besten und bekanntesten Lagen am Südhang von Zell: Klosterstück, Kreuzberg, Schwarzer Herrgott. An letzterer sind an diesem Morgen die Erntehelfer des Weinguts unterwegs, um Riesling per Hand zu lesen. Um sieben Uhr morgens ging es für den Lesetrupp los.

Der Wotanfels.
Der Wotanfels.

Die Trauben müssen kalt angeliefert werden

Im Kelterhaus brennt schon länger das Licht. Zwischen vier und fünf Uhr morgens starten die Schwedhelms ihren Tag, wenn Herbst ist. Die Trauben müssen kalt angeliefert werden, denn schließlich handelt es sich um Obst, das am besten frisch weiterverarbeitet wird. Und davon auch nur das Beste: Vier Leute gehen deshalb schon früh morgens in die Weinberge und betreiben Negativselektion. Das heißt: Was nicht den Anforderungen entspricht, wird abgeschnitten. Später fährt dann der Vollernter los und holt die guten Trauben.

Die Gebetsnische des Heiligen Phillip von Zell.
Die Gebetsnische des Heiligen Phillip von Zell.

Einige Lagen der insgesamt 20 Hektar großen Rebfläche werden aber noch nach wie vor per Hand gelesen, wie etwa am Schwarzen Herrgott. Im Gegensatz zur Maschinenlese ist der Handlesetrupp jedoch nicht so schnell durch mit einem Weinberg. Damit die Trauben auch hier kühl bleiben, bis sie gepresst werden, gibt es übrigens einen Kühlcontainer. An diesem Dienstag kommt er aber nicht mehr zum Einsatz. Bis zur Mittagspause wird alles im Haus sein.

Von hier oben kann man bis zum Donnersberg blicken.
Von hier oben kann man bis zum Donnersberg blicken.

Mit der Schere schneidet Erntehelfer Laszlo Opra die Trauben ab. Er sammelt sie in einem Eimer und bringt sie dann zum Traktor, mit dem sie in Boxen zum Weingut transportiert werden. Auch Saskia Schwedhelm schnappt sich einen Eimer und fängt an zu schneiden. Immer wieder nimmt sie sich eine Beere und prüft den Geschmack. Man schmecke schon bei den Trauben die Einzigartigkeit dieser Lage, erklärt die 27-Jährige, die eine Ausbildung zur Winzerin absolviert hat.

Besonderer Boden mit hohem Tonanteil

Der Boden, auf dem der Riesling gerade geerntet wird, ist gräulich, fast grünlich. Daran erkenne man den hohen Tonanteil. Der ist dafür verantwortlich, dass das Wasser gut in der Erde gespeichert wird. Zusätzlich gibt es im Zellertal viele unterirdische Quellen, die für Bewässerung sorgen. In trockenen Jahren haben viele Pfälzer Winzer damit zu kämpfen, dass ihre Rebstöcke nicht genug bewässert werden. Im Zellertal ist das anders: Hier grünt es auch in dürren Jahren mehr als anderswo.

Im Fasskeller gärt der neue Jahrgang vor sich hin.
Im Fasskeller gärt der neue Jahrgang vor sich hin.

Neben Ton enthält der Boden auch viel Kalkstein. Und nicht nur kleine Steinchen, sondern auch riesige Brocken, die unter der Erdoberfläche liegen. Früher, erklärt Georg Schwedhelm, habe man den Boden gar sprengen müssen, wenn man einen neuen Weinberg anlegen wollte, so steinig sei es hier. Im Gegensatz zum Rest der Pfalz, wo der Boden eher aus Sandstein besteht, macht der Zellertaler Kalkstein den Wein anders. Manche sagen, er sei würziger, andere beschreiben den Geschmack als satter und schwerer.

Vieles wird heutzutage mit dem Vollernter gelesen.
Vieles wird heutzutage mit dem Vollernter gelesen.

Den Schwedhelms ist der Boden, auf dem ihr Wein gedeiht, so wichtig, dass sie ihn prominent auf der Flasche präsentieren. Auf den Etiketten prangen Ansichten der Weinberge. Auf einigen ist der Wotansfels zu sehen, ein vermutlich vorchristlicher Opferstein aus Kalkstein. Er steht mitten im Weinberg, als hätte man dem Terroir ein Denkmal gesetzt. Von hier aus hat man eine Aussicht auf die besten Lagen – und auf den Donnersberg, der wichtig für das Klima ist. Wenn ein Gewitter aufziehe, spalte es der Donnersberg oft, erklärt Saskia Schwedhelm. Nicht weit weg vom Wotansfels ist eine kleine Gebetsnische. Hier soll der Heilige Philipp von Zell regelmäßig Messen abgehalten haben.

Warum so sauber gearbeitet wird

Im Weingut werden mittlerweile die Trauben angeliefert. Hier setzen die Schwedhelms auf absolute Gründlichkeit. „Du kannst einen Wein nicht besser machen als die Trauben“, sagt Georg Schwedhelm. Deshalb auch die Negativselektion, so der 37-jährige Winzer. Wenn der Most gepresst ist, wird er sofort gefiltert. „Wenn man Trub mit in die Gärung schickt, entwickelt er auch Geschmack“, sagt Schwedhelm. Dem großen Ziel, den Boden in die Flasche zu bringen, komme man näher, je klarer man den Wein ausbaue. „Unsere Weine müssen nicht jedem schmecken“, so Schwedhelm selbstbewusst. International sage man immer, Pfälzer Riesling sei recht barock und zugänglich. Doch da habe man die Rechnung nicht mit dem Zellertal gemacht. Schwedhelm: „Unser Riesling ist straffer, mineralischer, präziser und hat weniger Frucht. Das versuchen wir genau herauszuarbeiten.“

Georg Schwedhelm fährt mit dem Stapler die Trauben zur Kelter.
Georg Schwedhelm fährt mit dem Stapler die Trauben zur Kelter.

Stephan Schwedhelm nimmt eine Probe vom gärenden Wein. In diesem Stadium schmeckt er noch viel intensiver als im fertig ausgebauten Zustand. Der 43-Jährige füllt zwei Probiergläser mit unterschiedlich ausgebauten Weinen. Einmal sehr grün mit Aromen, die an grüne Paprika und Gras erinnern und einmal mit Noten von gelben Früchten wie Mango und Maracuja. Der Wein ist hier noch lange nicht am Ende, aber man sieht schon langsam, wo es hingeht. Nahezu täglich verändert sich der Geschmack, deshalb sei es so wichtig, regelmäßig zu probieren.

Kein Feierabendbier mehr

Bis der Wein fertig ist, vergehen noch ein paar Wochen. Dann wird er in die ganze Welt verkauft. Rund 15 Prozent der 160.000 Flaschen werden pro Jahr direkt an Endkunden verkauft, etwa 35 Prozent gehen in den Export, der Rest wird über den Fachhandel vertrieben oder geht in die Gastronomie.

Der neue Keller ist im vergangenen Jahr fertiggestellt worden.
Der neue Keller ist im vergangenen Jahr fertiggestellt worden.

Für die Schwedhelms endet jeder Lesetag mit dem Reinigen der Kelter und der Behälter. Früher habe man noch regelmäßig ein Feierabendbier trinken können, heute bleibe keine Zeit mehr dafür. Das sei zwar schade, aber natürlich freue man sich auch über die hohe Nachfrage. Diese habe dafür gesorgt, dass man im vergangenen Jahr in eine neue Halle investieren konnte. Die Schwedhelms haben hier alles praxisnah angelegt. Und es scheint aufzugehen, was die Arbeitsabläufe angeht. Noch diese Woche wollen sie mit der Lese fertig werden, dann spielt die Musik vor allem im Keller. Und im Frühjahr beginnt alles von vorn.

Stephan Schwedhelm verkostet den gärenden Wein.
Stephan Schwedhelm verkostet den gärenden Wein.
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An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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