Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel Rainer Guth: „Parteilosigkeit hat mir Türen geöffnet“

Rainer Guth (Mitte) genießt die Treffen mit seinen Eltern Dieter und Erle Grauheding.
Rainer Guth (Mitte) genießt die Treffen mit seinen Eltern Dieter und Erle Grauheding.

Hauptberuf: Landrat, Nebenjob: Förster – das möchte Rainer Guth auch die nächsten acht Jahre lang machen. Dass das funktioniert, dafür gibt es aus seiner Sicht viele Gründe.

Zum Wald hat Rainer Guth eine ganz besondere Verbindung. Das liegt auch, aber nicht nur an seinem „ersten Job“. Er ist von Hause aus Förster, hat eine Ausbildung bei den Landesforsten gemacht. Und ist damit in die Fußstapfen seines Vaters Dieter Grauheding getreten. Die Liebe zum Wald ist ihm also in die Wiege gelegt.

Der „Försterblick“ ist aber nicht alles, was ihn am Wald begeistert. Mit seinen Sportsfreunden und seiner Lebensgefährtin fährt er auch leidenschaftlich gerne seine Touren auf dem Mountainbike. „Und natürlich wandere ich gerne und mache mit unserer Klara lange Spaziergänge.“ Klara ist eine temperamentvolle Hündin, die keinen Hehl daraus macht, dass sie nicht allzu gerne bei Fuß geht.

Spaziergang mit Einkehr im Häuschen

Rund ums Göllheimer Häuschen kennen Guth und seine Klara nahezu jeden Meter. „Ich bin in Ramsen groß geworden, nachdem meine Eltern aus Bernkastel-Kues hierhergezogen waren und mein Vater hier das Forstamt Ramsen übernommen hatte.“ Und manchmal, „leider nicht allzu oft“, kehrt er nach dem Spaziergang ins Göllheimer Häuschen ein und trifft sich dort „leider viel zu selten“ mit seinen Eltern auf einen kleinen Plausch. „Allzu oft sehen wir ihn nicht, aber wir erfahren ja alles Wichtige über die Zeitung“, verrät seine Mutter Erle.

Im Gymnasium Weierhof hat Guth sein Abitur gemacht. In Erinnerung geblieben ist er vielleicht manchem Klassenkameraden durch sein unkonventionelles Fortbewegungsmittel. „Ich bin damals oft mit dem Traktor zur Schule gefahren, einem Fendt Dieselross, unverwechselbar am Einzylinder-Sound zu erkennen“, erinnert er sich lachend. Der Vater hatte seinen Söhnen ein Moped nicht erlaubt. Aber Traktor ging. „Und ich war damit immer fünf Minuten schneller als der Schulbus.“

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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„Vorleben“ als Landrat von Vorteil

Nach der Forstwirtschaft zog es Guth, der damals noch Grauheding hieß, in die Wirtschaft. Als Prokurist eines papierverarbeitenden Unternehmens in Mannheim war er, ausgestattet mit einem zweiten Studium in Betriebswirtschaftslehre, für Bioenergie und Holzhandel zuständig. „Beide Studiengänge und die langjährige Erfahrung in der Wirtschaft konnte ich in meinem Landratsleben bisher schon bestens gebrauchen“, so Guth.

Eine weitere Verbindung zum Forst ist der Privatwald am Hahnerhof, der seiner Familie bereits seit Generationen gehört. „Da bin ich dann im Nebenberuf immer mal wieder als Förster im Einsatz.“ Wenn es um Waldarbeiten und die Holzvermarktung geht oder auch um die Jagd, ohne die es laut Guth keine biodiversen und stabilen Wälder geben kann. Besondere Freude bereitet es ihm, dass sich dort auf dem Klostergut Hahnerhof ein junges Landwirtsehepaar angesiedelt hat und hier Viehhaltung und eine Biokäserei betreibt. „Das ist ein echter Glücksfall“, findet Guth. Ebenso wie die Tatsache, dass er die beiden als Nachfolger für den Käsestand am Wochenmarkt in Rockenhausen, dem wie Guth findet schönsten Markt in unserem gesamten Kreisgebiet, gewinnen konnte.

Viele Abend- und Wochenendtermine

Für seine „Waldgeschichten“ bleibt ihm aber alles in allem nicht besonders viel Zeit. Landrat sei nun mal kein geregelter Nine-to-five-Job. „Sehr viele Abend und Wochenendtermine und eine 24/7-Rufbereitschaft muss man mit einkalkulieren. „Natürlich gibt es hier bei uns nicht allzu viele Notfälle, aber wenn, dann muss ich sofort bereitstehen“, sagt er. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Nacht zum 21. Juli 2021. „Es war die Nacht der Ahrflut. Ich war damals im Urlaub in Riga mit meiner Tochter.“ Um halb vier rief mich Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Eberhard Fuhr an. Er schilderte, dass er mit seinen Leuten oberhalb von Dernau an der Ahr stehe und weder bei der ADD noch im Innenministerium jemanden erreichen könne. „Wir brauchen einen Einsatzbefehl, da unten sterben Menschen“, sagte Fuhr. „Legt los“, habe ich ihm gesagt, „und bring unsere Leute gesund wieder heim.“ In dieser Nacht war an Schlaf nicht mehr zu denken.

Von seiner Familie und seiner Partnerin wird Rainer Guth bei seiner Arbeit gestützt. „Meine beiden Töchter stehen weitgehend auf eigenen Füßen. Und meine Eltern sind glücklicherweise noch fit,“ so der Landrat, der jeder Woche einer Fülle an Verpflichtungen und Terminen nachkommt. An Wochenarbeitszeit für sein Landratsamt kommen meist mehr als 60 Stunden zusammen.

Zusammen geht alles besser

Wenn er eine Bilanz seiner zu Ende gehenden Amtszeit ziehen soll, dann nennt Guth neben Investitionen in Schulen und Infrastruktur die Vernetzung mit seinen Amtskollegen in Kaiserslautern, Kusel und mit den anderen angrenzenden Kreisen. „Wir haben uns auf den Weg gemacht, in größeren Einheiten zu denken“, so Guth. „Es war uns allen klar, dass einer alleine auf Landes- oder Bundesebene nicht viel ausrichten kann.“ Das zeigte sich nicht zuletzt bei der Installation des Rettungshubschraubers. „Wir alle haben das unbedingt gewollt, aber geschafft haben wir es nur gemeinsam.“ Auch die Initiative „Ärzte für die Westpfalz“ und die Kooperation mit der Semmelweis-Universität in Budapest für eine medizinische Hochschule in Kaiserslautern sei ein Gemeinschaftswerk der Landräte und Bürgermeister in der Westpfalz. Ebenso die Gewerbe- und Industrieansiedlungen, für die mit der Planungsgemeinschaft und der Zukunftsregion Westpfalz die Weichen gestellt wurden. „Dabei muss aber auch jeder sein eigenes Gebiet im Auge behalten“, sagt Guth. So gelte es jetzt, gemeinsam mit den Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie im Kreis, also Borg Warner, Adient, Gienanth und Femeg, eine Marschrichtung für die Zukunft zu suchen. „Diese Unternehmen sind allesamt an der Automobilindustrie ausgerichtet, wo viel in Bewegung ist. Wir müssen also schauen, dass wir zukunftssicher aufgestellt sind.“

Allianz mit den Willigen

Bei all seinen beruflichen Verbindungen und Projekten habe er es immer als große Befreiung empfunden, dass er nicht parteipolitisch gebunden ist. „Es gibt so viele Sachzwänge, Vorgaben und Initiativen, da ist es wichtig, mit der Allianz der Willigen tragfähige Lösungen zu finden.“ So sei ihm der Zugang zu fast jedem möglich, unabhängig vom Parteibuch. „Dankbar bin ich aber über die stetigen parteigebundenen Unterstützer meiner Amtsführung, wie auch jetzt im Wahlkampf. Auch parteilos bin ich im Vorstand des Landkreistages und im Innovationsausschuss des Deutschen Landkreistages, da geht es nie um Partei, da geht es um das gemeinsam nach vorne kommen!“

Dass er diesen Job gerne macht, zeigt sich daran, dass er wieder antritt. „Ich habe auch noch einiges vor“, sagt er. Er habe Spaß daran, mit Menschen zusammenzuarbeiten und Ideen zu entwickeln. Beispielsweise die, die Verwaltung effizienter zu machen. „So haben wir die Initiative ,Ran an den Zopf’ entwickelt, die Mitarbeiter des Kreishauses in die Entschlackung des Behördenapparates einbindet. Wir haben unsere Verwaltungsmitarbeiter aufgefordert, exemplarisch bei Hefe- und Nusszopf und Kaffee, alles auf eine Tafel zu schreiben, was sie gerne strukturell verbessern möchten. Es kamen innerhalb von drei Stunden über 100 nutzbringende Einträge. Das Modell wird inzwischen auf alle Landkreise in Deutschland ausgerollt.“

Auch mit Klatsch und Tratsch vertraut

Als Mensch, der im Donnersbergkreis vielen bekannt ist, lebt Guth damit, dass auch sein Privatleben nicht ganz unberührt bleibt von Klatsch und Tratsch. „Über meine Lebensgefährtin gibt es immer mal interessante Gerüchte“, verrät er. „Das ist halt so, damit muss man leben.“ Tatsache sei: „Wir haben als Familie einen rundum vertrauensvolles Verhältnis.“ Konflikte aus der „Patchwork-Situation“ seien frei erfunden. Im Gegenteil: „Wir hatten ein sehr schönes und entspanntes gemeinsames Weihnachtsfest.“ Denn auch im Privaten gelte für ihn die Maxime: offen miteinander reden. Das öffne auch hier die Türen.

Im Wald daheim: Rainer Guth und Klara.
Im Wald daheim: Rainer Guth und Klara.
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