Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Feuerwehr Kibo im Katastrophengebiet: „Die Menschen sind dankbar, dass wir da sind“

Diese Bilder werden die Wehrleute aus Kirchheimbolanden wohl nie mehr vergessen: Das Wasser hat ganze Häuser weggerissen.
Diese Bilder werden die Wehrleute aus Kirchheimbolanden wohl nie mehr vergessen: Das Wasser hat ganze Häuser weggerissen.

Die Feuerwehr aus Kirchheimbolanden ist seit Tagen im Einsatz in der Eifel, pumpt Keller aus, hilft, sorgt, kümmert sich. Die Betroffenheit der Kameraden ob der Zerstörung und der Not der dort lebenden Menschen ist so groß, dass sie mit Unterstützung der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden ein Spendenkonto eröffnet haben. Die RHEINPFALZ hat nachgefragt.

Rund 20 Mann sind am vergangenen Wochenende nach ihrem zweiten Einsatz aus Dernau und Marienthal zurückgekehrt, wo sich ihnen nach wie vor ein Bild der Zerstörung, der Niedergeschlagenheit, der Hoffnungslosigkeit bot. Bilder, wie sie noch keiner von ihnen gesehen hat, wie sie keiner von ihnen für möglich gehalten hatte. Auswirkungen von Starkregen kannten sie alle, aber nicht so. Trümmer von eingestürzten Häusern türmten sich in den Straßen, Familien stehen vor ihren vom Wasser verwüsteten Häusern oder dem, was davon übrig ist. Die Infrastruktur ist weitestgehend zusammengebrochen. Sascha Angst aus Kirchheimbolanden ist einer der Feuerwehrmänner, der die Bilder jetzt in seinem Kopf hat. „Anfangs herrschte das reine Chaos, es ist einfach nichts mehr da, kein Strom, kein Wasser – schon der Gang zur Toilette wird zum Problem“, beschreibt er die Lage vor Ort in Dernau. Das Wasser sei mit sechs Metern Höhe durch die Hauptstraße geschossen und habe Menschen im Bett ertrinken lassen. „Es hat sich uns ein verheerendes Bild gezeigt: Öltanks schwammen auf dem Wasser herum und kippten um, so kommt Öl ins Grundwasser, ganze Apotheken sind weggeschwemmt, auch die Medikamente kommen ins Grundwasser – das zieht neue Probleme nach sich“, gibt er zu Bedenken.

Meterhoch steht der Schlamm

Beim Durchstreifen des verwüsteten Gebietes haben seine Kameraden und er selbst auch Tote gefunden, die dann von der Bundeswehr geboren worden seien. Ein Ereignis, das ihm auch nach 33 Jahren bei der Feuerwehr sehr nahe geht. Gehört habe er von der Frau, die sich mit ihrem Mann auf das Dach ihres Hauses gerettet habe und dort ihr Baby zur Welt brachte – für jede Frau, die schon geboren hat, eine Horrorvorstellung. Meterhoch habe der Schlamm in den Straßen gestanden, der in den Tagen danach trocknete, zu Staub wurde.

Einsatz über WhatsApp-Gruppe

Grund zur Hoffnung gebe die große Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort. „Es kommen unglaublich viele Privatleute mit dem Fahrrad, mit dem Traktor oder sogar zu Fuß, um zu helfen“, erzählt er. Beeindruckt habe ihn ein Mann, der nach Dernau zum Helfen kam und der ihn fragte, in welche Richtung denn Marienthal liege, denn dort stehe sein Auto und dorthin müsse er jetzt hinlaufen, um nach Hause zu kommen. „Ich könnte achtmal täglich zu Mittag essen, die Menschen sind so dankbar, dass wir da sind“, sagt er. Allerdings stelle er fest, dass scheinbar viele lediglich funktionierten, machten, was gemacht werden müsse, weil sie keine andere Wahl haben. „Es sind viele Bagger da, viele LKWs, oft kommt man nicht durch und teilweise ist es deshalb schwierig, zu helfen“, beklagt der Feuerwehrmann. Über eine WhatsApp-Gruppe hätten die Feuerwehren Kontakt zu den Bürgermeistern und erhielten so Informationen, was wo gebraucht werde: Schaufeln, Kaffeemaschinen, Schubkarren, Laptops, Hochdruckreiniger. „Wir besorgen, was möglich ist und versuchen zu helfen, wo immer Hilfe gebraucht wird“, so Angst.

Mit dem „Go“ des Beigeordneten der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden Armin Juchem wurde jetzt ein Spendenkonto von der Feuerwehr Kirchheimbolanden eröffnet, das speziell für die Menschen in der 1800 Einwohner zählenden Gemeinde Dernau sein soll. Wie auch bei der Donnersberger Initiative in Not, wo Spenden für den gesamten Kreis Ahrweiler gesammelt werden, soll auch hier das Geld zu 100 Prozent weitergegeben werden. Es gebe keinen Wasserkopf, betont Angst, der zusammen mit seinen Kameraden erneut in das Katastrophengebiet fahren will, um wieder die Ärmel hochzukrempeln, mit anzupacken, sich zu kümmern und einfach zu helfen.

Info:

Spenden Flutkatastrophe Dernau, IBAN DE10 5405 199 0000 7038060.

Sogar die Brücken wurden von der Wucht des Wassers zerstört.
Sogar die Brücken wurden von der Wucht des Wassers zerstört.
Der Schlamm muss nach und nach abtransportiert werden.
Der Schlamm muss nach und nach abtransportiert werden.
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