Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Tod von Lisel Heise: Kirchheimbolanden trauert um seine Grande Dame

Lisel Heise ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Lisel Heise ist im Alter von 103 Jahren gestorben.

103 Jahre alt ist sie geworden, war als 100-jährige Stadträtin weltweit bekannt: die Kirchheimbolanderin Lisel Heise. Wichtig war ihr vor allem das Freibad am Thielwoog, aber auch viele andere Facetten werden in Erinnerung bleiben.

Konrad Adenauer war 73, als er zum Kanzler gewählt wurde, Joe Biden wurde mit 78 amerikanischer Präsident, Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ erschien als Buch, als der Autor 75 Jahre alt war. Das ist alles nichts gegen die Seniorenaktivität von Elisabeth Heise, die 2019 mit 100 Jahren als Abgeordnete für die Initiative „Wir für Kibo“ in den Stadtrat von Kirchheimbolanden einzog. Am vergangenen Freitag ist sie kurz nach ihrem 103. Geburtstag gestorben.

Elisabeth Heise wurde am 12. März 1919 in Kirchheimbolanden als Tochter von Hilda und Fritz Waltgenbach geboren. Mit ihrem Ehemann Sigfried Heise, der 2011 im Alter von 96 Jahren starb, zog sie vier Kinder groß – drei Töchter und einen Sohn. Sie war Großmutter von zehn Enkeln und sechs Urenkeln. Heise arbeitete als Lehrerin an verschiedenen Schulen, am längsten unterrichtete sie im hauswirtschaftlichen Bereich der Georg-von-Neumayer-Schule in Kibo, die sie 1979 als Pensionärin verließ.

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Lisel Heise erlangte als älteste Stadträtin der Welt internationalen Ruhm. Mit 103 Jahren ist sie gestorben. Sie war eine leidenschaftliche Schwimmerin und setzte sich für den Erhalt des Freibads in Kibo ein.

„Schwimmen war mein Lebenselixier“

Ein Leben über ein Jahrhundert – es gab so viel, von dem Lisel Heise erzählen konnte. Sie hat politische und gesellschaftliche Umbrüche in einer Anzahl und einem Ausmaß miterlebt, wie es für viele heute kaum vorstellbar ist: Kurz nach dem Ersten Weltkrieg geboren, erlebte sie als Kind die Weimarer Republik, die Weltwirtschaftskrise und als junge Erwachsene die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte ein Leben unter Besatzungsmächten, dann das Wirtschaftswunder und nach Jahrzehnten der Deutschen Teilung schließlich die Wiedervereinigung. „Es gab immer schwierige Zeiten“, sagte sie. „Das Schlimmste war aber der Krieg, das sind meine furchtbarsten Erinnerungen.“

Am liebsten hat sie von ihrer „Kinderstube“ erzählt: Damit war das Freibad am Thielwoog gemeint. „Da habe ich eigentlich meine Kindheit, mein Leben verbracht, das war mein Lieblingsort“, schwärmte sie. „Schwimmen war mein Lebenselixier.“ Als das Bad 2012 für immer geschlossen und anschließend zurückgebaut wurde, wollte sich Lisel Heise damit nicht abfinden. Als unermüdliche Verfechterin für ein Freibad in Kirchheimbolanden nutzte sie jede Gelegenheit, um sich zu Wort zu melden.

Spaziergänge für gute Gesundheit

Nachdem ihre Rufe nicht wahrgenommen wurden, entschied sie mit 100 Jahren, für den Stadtrat zu kandidieren, und zog nach einem überwältigenden Wahlerfolg in das Rathaus ein. Tatsächlich erregte das weltweit Aufmerksamkeit und machte sie und die kleine Residenz international bekannt. Heise wurde interviewt, gefilmt und fotografiert. Das alles nahm sie mit großer Gelassenheit und Humor: „Es war zwar manchmal ein bisschen anstrengend, aber ich habe es auch genossen“, sagte sie rückblickend, nachdem sie 2020 ihr Amt aufgegeben hatte. „Und es war sehr spannend, so viele verschiedene Menschen kennenzulernen.“

Spannend war es umgekehrt auch für alle diejenigen, die mit Lisel Heise zu tun hatten. Beeindruckend wirkten ihr Selbstbewusstsein, ihr Interesse an den Menschen, ihre Freude an Gesprächen, ihre Energie und ihr Engagement – nicht nur für das Freibad, sondern genauso für andere Themen, die sie bewegten: Klimaschutz, Freizeitmöglichkeiten für die Jugend und den Einsatz gegen das Wiedererstarken des Nationalismus beispielsweise. Bevor Hör- und Sehfähigkeit sowie ihre Mobilität vor ein paar Monaten nachließen, schaute sie interessiert politische Magazine, las viel, schrieb Tagebuch und telefonierte mit ihren Lieben. Und mindestens einmal am Tag war ein Spaziergang an der frischen Luft angesagt. „Das ist immer noch das beste Mittel gegen Krankheiten“, war sie überzeugt.

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