Donnersbergkreis
Kirchheimbolanden: Die Badesee-Idee der 100-jährigen Lisel Heise
Sie hat sich im Wahlkampf für ein Freibad in Kirchheimbolanden eingesetzt, mit ihrer Stadtratskandidatur weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch ein Freibad soll in Kirchheimbolanden kein Wahlkampfthema bleiben, betont die 100-jährige Lisel Heise. Wir haben mit ihr und Thomas Bock, Vorsitzender des politischen Vereins „Wir für Kibo“, über Ideen gesprochen, wie die Kleine Residenz wieder zu einer Schwimmfläche im Freien kommen könnte.
Dass das Freibad in Kirchheimbolanden 2011 geschlossen wurde, ärgert die 100-Jährige auch heute noch. Wie generell die Schließung von Freibädern. „Das ist eine Fehlzündung der Politik“, sagt Heise. Natürlich, weil so immer weniger Kinder schwimmen können, aber für sie auch aus medizinischer Sicht: „Die menschliche Haut braucht wie Pflanzen Wasser von innen und außen. Eine Dusche reicht da nicht.“ Auch Thomas Bock, der Vorsitzende des politischen Vereins „Wir für Kibo“, für den Heise im Stadtrat sitzt, sagt: „Ein Schwimmbad ist Teil der Daseinsvorsorge. Das kann nicht gewinnbringend betrieben werden.“ Für andere Bereiche wie einen Sportplatz gelte das ja auch. „Für andere Sachen ist Geld da“, klagt Heise.
Bock: „Wir müssen in Vorleistung treten“
Wobei sie und Bock die Stadt oder Verbandsgemeinde in Sachen Freibad nicht direkt in die Pflicht nehmen möchten. „Wir müssen in Vorleistung treten“, betont Bock. Und dazu gibt es bereits Ideen: vorneweg die Gründung eines Vereins. Mit der Bekanntheit einer Lisel Heise sieht es Bock durchaus realistisch, einige Spendengelder zu akquirieren. Vielleicht auch Bauunternehmer als Mitglieder zu gewinnen und so günstiger etwas zu errichten, als das für eine Stadt oder Verbandsgemeinde der Fall wäre, die europaweit ausschreiben müsste. Dass man darüber bislang nur im Wahlkampf gesprochen habe, sei nicht die beste Herangehensweise gewesen. „Das ist ein Thema, das öffentlich sein soll. Hier gehören alle eingebunden“, so Bock.
„Wir brauchen Mitstreiter“
So soll nun wohl im August die Gründung eines Vereins angegangen werden. „Dafür brauchen wir Mitstreiter, die wieder ein Freibad in der Stadt haben wollen.“ Mit Vereinen, die Bäder betreiben, stand „Wir für Kibo“ bereits im Austausch. Allen voran mit David Profit, dem Vorsitzenden des Schwimmvereins Freibad Gimbsheim. Der Verein wurde 2001 aus einer Bürgerbewegung gegen die Schließung des Freibads gegründet. Er hat das Schwimmbad von der Verbandsgemeinde Eich übernommen und betreibt es in eigener Verantwortung als öffentliches Freibad und als Vereinsbad, das auch früh morgens und spät abends den Mitgliedern noch zur Verfügung steht. Dem Verein gehören rund 3800 Mitglieder an, die aus der Region zwischen Worms, Bodenheim und Alzey kommen.
Die Badesee-Idee
Dass ein Verein auch in Kirchheimbolanden ein Freibad betreibt, erachtet Bock eher als schwierig. „Wir haben in Deutschland das Problem, dass funktionierende Freibäder schließen, weil Schwimmmeister fehlen. Städte wie Mainz behelfen sich mit Sportstudenten. Diese Möglichkeiten haben wir hier nicht.“ An ein großes Freibad denkt der Verein aber ohnehin nicht, vorstellbar ist auch ein kleinerer Badesee. Hier gebe es aber noch einige Fragen zu klären, beispielsweise die der Haftungspflicht. Bock will sich hier auch einmal mit der Gemeinde Bobenheim-Roxheim (Rhein-Pfalz-Kreis) in Verbindung setzen, wie es dort am Silbersee läuft. Dort gibt es einen Vertrag mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Frankenthal, die von Mitte Mai bis Mitte September an den Wochenenden die Aufsicht im Badebereich leistet. Ansonsten ist dort keine vorhanden.
Ein Ort im Visier
Einen Ort, wo es einen solchen Badesee geben könnte, haben Bock und Heise auch schon im Visier: Im Gutleuttal westlich des Nordpfalzgymnasiums in Richtung Donnersberg. „Dort gibt es sogar einen Trinkwasserwasserbrunnen in der Nähe“, sagt Bock. Allerdings müsse man hier mit der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz klären, ob man mit diesem einen See speisen könnte. „Dort gibt es viel Schatten, keine Anwohner in unmittelbarer Nähe, und für die Schüler ist es auch nicht weit“, zählt Lisel Heise Vorteile auf. Natürlich seien da auch Grundstücksfragen zu klären, sagt Bock und betont, dass es sich rein um eine Idee handele.
Bock: „Am Ende kann auch ein Scheitern stehen“
„Auf einem solchen Weg gibt es ganz viele Hürden. Am Ende kann auch ein Scheitern stehen. Aber wenn man etwas nicht versucht, dann kann man es auch nicht erreichen. Ohne Risiko des Scheiterns wird es nie wieder ein Freibad in Kirchheimbolanden geben“, betont der Vorsitzende von „Wir für Kibo“. Und Lisel Heise erinnert hier an die Ursprünge eines Freibades in der Kleinen Residenz. Ihr Großvater und Vater seien dabei gewesen, als über ein Verein ein Schwimmbad entstand. Warum also nicht wieder?
Gefallen an großer Nummer
Nicht vorstellen können sich beide dagegen eine Erweiterung des Kibo-Bades zu einem Freizeitbad mit Außenbecken. „Das ist Idiotie“, sagt Heise. Und Bock ergänzt: „Das wird nicht kommen. Anwohner und die Bodenverhältnisse dort werden es nicht zulassen. Da ist es zu morastig.“ Gefallen würde ihm da eher eine große Nummer: In der Lausitz wurden stillgelegte Kohlegruben geflutet, so sind Seen entstanden. Vorstellbar ist so etwas für Bock auch in einem Steinbruch. „Ein solcher See ist etwas, was im Donnersbergkreis fehlt. Ein Verein wird so etwas Großes aber nicht umsetzen können. Er würde das aber sicherlich unterstützen können.“
Der Wunsch nach einem Wasserspielplatz
Lisel Heise hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie in Kirchheimbolanden noch einmal in ein Freibad oder Badesee steigen darf. Im Gegenteil: Sie ist jetzt wieder da, dank der Vereins-Idee. Und auch in der Stadt würde sie sich über das Element Wasser freuen. Konkret über eine Art Wasserspielplatz an der Stadtmauer zur Schillerstraße hin. „Für die Kinder wäre das eine ideale Sache für den Sommer.“