Donnersberger Echo
Leere Straßen statt Einkaufsbummler in Kibos Innenstadt
36 Monate des Wartens sind vorbei. Am zweiten Augustwochenende werden endlich wieder „Drei Sommertage in der kleinen Residenz“ ausgelassen gefeiert. Tausende von Menschen werden die Innenstadt bevölkern. Und die Straßen und Wege werden dann ein völlig anderes Bild abgeben, als sie es in der jüngeren Vergangenheit tagtäglich getan haben.
Denn, seien wir ehrlich: Die Menschen, die sich an Werktagen noch in der Fußgängerzone tummeln, lassen sich ... gut, zwar nicht an einer Hand abzählen, aber von einer belebten Innenstadt scheinen wir in Kibo weiter entfernt denn je. In der abgelaufenen Woche ließe sich die gähnende Leere auf den Straßen sicherlich mit der brütenden Hitze erklären. In den vergangenen beiden Jahren hat Corona die Menschen fern gehalten – teils durch verordnete Einkaufs- und Ausgehbeschränkungen, teils aber auch, weil sich Einkaufs- und Ausgehverhalten in dieser Zeit geändert haben. Und zwar vermutlich nachhaltig.
Und da ist das Problem: Natürlich lässt sich trefflich argumentieren, woran es denn liegen könnte, dass die ohnehin seit Jahren angeschlagene Fußgängerzone immer mehr an Attraktivität für Einkaufsbummel verloren zu haben scheint. Und warum in den zurückliegenden Monaten zusehendes weniger Menschen unterwegs waren. Aber: Diese Erklärungen nützen ja nichts. im Gegenteil, sie liefern sogar den Ausblick, dass es schwieriger und schwieriger wird, eine Fußgängerzone neu zu beleben.
Denn wie man es dreht und wendet: Der Temperaturanstieg ist von Dauer, die unerträglichen Zu-Hause-einschließ-Sommertage werden mehr. Und die Pandemie? Weiß wohl keiner, wie es da weitergeht – sicher aber ist, dass sie die Kunden nachhaltig und mit hoher Geschwindigkeit hin zu alternativen Einkaufsmethoden geführt hat: Internet, Lieferservice, um Beispiele zu nennen. Diese Entwicklung ist nicht mehr umkehrbar.
Weitere Geschäftsbesitzer und Gastronomen in Kibo haben angekündigt aufzugeben. Bei anderen wird gemunkelt, dass sie es in Bälde verkünden werden. In einer ohnehin schon ausgedünnten Innenstadt ist das ein Teufelskreis: Weniger Angebot bedeutet noch weniger Laufkundschaft. Bedeutet noch weniger Motivation für die verbliebenen Inhaber zu durchgängigen Öffnungszeiten, zu interessanten Aktionen et cetera. Bedeutet im schlimmsten Fall sogar noch mehr Geschäftsaufgaben. Bedeutet weniger Angebot. Bedeutet weniger Kunden. Und so weiter.
Vor diesem Problem steht man beileibe nicht nur in Kibo, Städte dieser Größe tun dies fast ausnahmslos. Und selbst deutlich größere Städte sind betroffen. Hier wie dort ist es vor allem wichtig, sich klarzumachen, wo man im Idealfall eigentlich hin und will und was denn realistischerweise überhaupt noch möglich ist. Geballte Einkaufsmöglichkeit oder Wohnstadt? Das wird in einem ersten Schritt konzeptionell geklärt werden müssen – und die Lösung muss dann ohne Wenn und Aber verfolgt und vorangebracht werden. Nix Halbes und nix Ganzes, das führt selten zu etwas, wie schon der Volksmund weiß.
Bevor wir uns all diesen schweren Themen widmen, darf aber am kommenden Wochenende zunächst mal gefeiert werden. Nach 36 Monaten Pause wird’s bestimmt ein rauschendes Resifest. Und für dieses wird die Innenstadt doch voraussichtlich immer Platz bieten.