Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Nordpfälzer Start-up den Katastrophenschutz verbessern will

Junges Start-up-Team mit vielen Ideen: (von links) Patrick Heidenreich, Markus Weidmann, Lukas Kalnik und Trang Lam in ihrer Fer
Junges Start-up-Team mit vielen Ideen: (von links) Patrick Heidenreich, Markus Weidmann, Lukas Kalnik und Trang Lam in ihrer Fertigungshalle in Rockenhausen.

Aus einem Studienprojekt wurde ein Geschäftsmodell: Das Start-up „inventied“ kümmert sich um den Zivil- und Katastrophenschutz. Ende 2023 hat sich das Unternehmen in Rockenhausen niedergelassen – und verfolgt große Ziele.

„Wir wollen weltweit den Zivil- und Katastrophenschutz verbessern“, erklärt Lukas Kalnik. Der Jungunternehmer gehört zum vierköpfigen Gründerteam von „inventied“. In der Fertigungshalle wird derweil fleißig und unüberhörbar an einem Ladungsträger geschraubt, dem Hauptprodukt der Firma. Dieser Ausrüstungsschrank – Vario-Load-Rescue genannt – beherbergt eine Vielzahl von Einsatzteilen, die im Katastrophen- und Rettungseinsatz benötigt werden. Kalnik und Kollegen kennen sich damit aus: Die Gründer waren selbst langjährige ehrenamtliche Einsatzhelfer beim Technischen Hilfswerk (THW).

Nach Facebook-Post rollt Anfragewelle los

„Das, was man an Zubehör braucht, ist meistens ganz unten. Das gilt auch an der Rettungsstelle“, beschreibt Kalnik das altbekannte Problem. Ob Werkzeug, Gerüst- oder Holzelemente: „Ideal ist, wenn es das alles schon vorsortiert in verschiedenen Fächern wie bei einem Schrank gibt“, erläutert er das System. „Man sollte meinen, dass es das bereits gab. Dem war aber nicht so, vor allem nicht für hohe Lasten.“

2018 hatten der Frankenthaler und sein Kommilitone Jan Schellhaaß im Rahmen ihres Maschinenbaustudiums in Kaiserslautern daraus eine Projektarbeit entwickelt. Für das Studienprojekt wurde ein Prototyp gebaut. Dessen oberer Teil war abnehmbar, auf einem Tieflader konnten die verschiedenen Aufbauten leicht transportiert werden. Dies erspare zusätzlich weitere Lade- und Entladetätigkeit, erklärt Kalnik. Das sei „essenziell, da Rettungseinsätze meist unter Zeitdruck stattfinden“. Ihren Prototypen beschrieben die Studenten in Facebookbeiträgen – und unmittelbar wurden sie mit Anfragen von THWs und Feuerwehren aus ganz Deutschland überhäuft: „Das Telefon stand nicht mehr still“, berichtet Kalnik begeistert.

Omas Dachgeschoss als Firmenzentrale

Die Baupläne für ihren mobilen Zubehörschrank durften die Studenten jedoch nicht herausgeben, da es sich um ein Studienprojekt handelte. Schnell stand fest: „Wir machen daraus ein Start-up.“ Umgehend startete der Zertifizierungsprozess – notwendig für die Entwicklung eines marktreifen Produktes, wie Kalnik erklärt. 2021 wurde die Firma „inventied“ gegründet. Kurz ausgebremst wurden die Jungunternehmer von Corona, aber auch da fand sich eine Lösung: „Wir konnten uns nicht mehr in der Uni treffen, also verlagerten wir das ins Dachgeschoss meiner Oma“, blickt Lukas Kalnik amüsiert zurück.

Für die Serien-Produktion ihres „Vario-Loads“ brauchten er und seine Mitstreiter eine Halle und ein Büro. Ende 2023 zog das inzwischen auf neun Mitarbeiter gewachsene Start-up in die Nordpfalz. Zu den Gründern Kalnik und Schellhaaß hatten sich Projektentwickler Markus Weidmann sowie Finanzchefin Trang Lam hinzugesellt. Außerdem im Team: Werkstudenten und Minijobber.

Einsatzkräfte als Ideengeber

Die Produktpalette wurde ebenfalls erweitert: Variable Rollwagen-Rampen und ein Wasser-Belüfter für Tauchpumpen kamen hinzu. Sogar eine aufblasbare, mobile Toilette hat das Rockenhausener Unternehmen erfunden: „Die funktioniert wie ein Dixie-Häuschen und steht in zwei Minuten“, erläutert Kalnik. Noch würden die Produkte ausschließlich in Deutschland vertrieben. Doch auch aus dem Ausland seien bereits Anfragen eingegangen.

Besonderen Wert lege „inventied“ auf die Einbindung seiner „Ideengeber“: der Menschen, die bei ihren Rettungs- und Hilfseinsätzen tagtäglich Erfahrungen machen und diese in ihren Netzwerken teilen. „Die Ideengeber haben ein tolles Know-how, sehen die Probleme und teilen diese mit uns“, sagt Kalnik. „Wir schauen dann mit unserer Ingenieurbrille nochmal darauf. Dann wird es in der Community getestet.“

Ideenplattform für Behörden und Organisationen

Aus dem Erfahrungsaustausch entwickelten die Rockenhausener eine Ideenplattform für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Mit der finalen Produktentwicklung und dem anschließenden Vertrieb sieht sich das Unternehmen als „letzte Meile“, sagt Kalnik. Die Ideengeber beteilige es daher auch am Gewinn: „Das ist ein Anreiz für alle. Die Gewinne werden oft an die eigenen Fördervereine weitergegeben.“

Für seine Ideenplattform wurde das Nordpfälzer Start-up unlängst für den Bundespreis „Blauer Kompass“ nominiert. Der Preis zeichnet herausragende Projekte zur Vorsorge und Anpassung an die Folgen des Klimawandels aus. Kalnik und sein Kollegenteam sitzen bereits an weiteren Ideen und Produkten. Ihr Credo und ihre Vision ist: „Aus der Praxis für die Praxis gemeinsam gute Sachen entwickeln“, wie Kalnik sagt.

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