Dannenfels RHEINPFALZ Plus Artikel Disput im Gemeinderat: Wohin mit Bismarck und Moltke?

Ernst-Ludwig Huy (links) und Hermann Braun (rechts) enthüllen die Figuren von Birmarck und Moltke, oben auf dem Bogen tut Wilfri
Ernst-Ludwig Huy (links) und Hermann Braun (rechts) enthüllen die Figuren von Birmarck und Moltke, oben auf dem Bogen tut Wilfried Gabelmann das Gleiche mit dem Adler.

Um den Verbleib von zwei Holzfiguren wurde jüngst im Dannenfelser Gemeinderat diskutiert. Sollen sie im Ratssaal bleiben oder ins Museum kommen, das war die Frage. Es wurde kontrovers – und laut.

Im Sitzungssaal im Dannenfelser Rathaus stehen zwei in Holz geschnitzte Abbilder von Reichskanzler Otto von Bismarck und Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke. Was diese beiden mit Dannenfels zu tun haben, warum sie im Ratssaal gelandet sind und was künftig mit ihnen passieren soll, ist eine lange Geschichte. Sie beginnt mit dem Deutsch-Französischen Krieg und endet – vorerst – mit einem heftigen Disput im Gemeinderat zwischen Ratsmitglied Wolfgang Hofmeister und Ortschef Ernst-Ludwig Huy.

Doch erst einmal zum Hintergrund: So atemberaubend und erhaben sich der Adlerbogen heute zwischen zwei Felsspitzen an der Ostflanke des Donnersbergs präsentiert, so schlecht war es Anfang der Nullerjahre um ihn bestellt.

Triumphgeste gegenüber Frankreich

Errichtet wurde das zwölfeinhalb Meter lange eiserne Monument 1880. Es war die Zeit des patriotischen Überschwangs im Nachgang zum gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, und er war auch gedacht als Triumphgeste gegenüber Frankreich, das in der Vergangenheit die Pfalz oft hatte leiden lassen, man denke nur an den Pfälzischen Erbfolgekrieg. Den Scheitel des Bogens schmückte ein vergoldeter Adler, an beiden Seiten hielten gusseiserne Figuren von Bismarck und Moltke Wacht. Bismarck, weil er als Vater der politischen Reichseinigung gefeiert wurde, und Moltke, weil er als dessen militärischer Vollstrecker galt.

Die Moltkefigur schwebt am Seil, die Helfer stehen auf dem Podest, wo sie kurze Zeit später montiert wird.
Die Moltkefigur schwebt am Seil, die Helfer stehen auf dem Podest, wo sie kurze Zeit später montiert wird.

Doch diese Zeiten waren kurz nach der Jahrtausendwende längst vorbei, und der Triumphbogen bot ein ziemlich trostloses Bild. Das Eisen war spröde und verrostet. Die Figuren verschwunden. Außerdem stellte sich heraus, dass die Fundamente vor sich hinbröckelten. Kurz: Die gesamte Anlage war zu einem Sicherheitsrisiko geworden.

Enorme Kraftanstrengung

Das zog sich hin bis 2015. Dann nahm Hermann Braun die Sache in die Hand. Gemeinsam mit Wilfried Gabelmann aus Steinbach sorgte er in einer enormen Kraftanstrengung dafür, dass der Bogen heute in neuem Glanz erstrahlt und zu einem Fremdenverkehrsmagneten geworden ist, der Dannenfels weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat. Dafür mobilisierte er zahlreiche ehrenamtliche Helfer und sammelte hohe Spendensummen ein. Die Gemeinde hatte zunächst mit Kosten von deutlich über 100.000 Euro kalkuliert, am Ende konnte fast alles über Spenden finanziert oder in Eigenleistung erledigt werden. Wie Ortschef Huy denn auch in der Ratssitzung betonte: An der Gemeinde blieben am Ende ganze 300 Euro hängen.

Um Bismarck und Moltke neu gießen zu können, fertigte der Bildhauer Ricardo Villacis zunächst zwei Holzmodelle. Diese wurden digital gescannt, um Negative aus Styropor herstellen zu können. Diese wiederum hat die Firma Hegerguss in Enkenbach-Alsenborn in Quarzsand gepackt und ausgegossen. Komplett kostenlos übrigens – die Firma betrachtete es als eine Ehre, an der Wiederherstellung des Adlerbogens mitwirken zu dürfen.

„Als historische Figuren umstritten“

Villacis’ Holzfiguren aber landeten, nachdem sie ihren Zweck erfüllt hatten, im Dannenfelser Ratssaal und boten dort am Montag Anlass für besagten lautstarken Disput. Er begann ganz zivil mit einem Antrag von Ratsmitglied Erika Höbel (Wählergruppe Hofmeister), die beiden ins neuzugründende Museum im Donnersberghaus zu verbringen. Da Bismarck und Moltke als historische Figuren umstritten seien, gehörten sie nicht in eine öffentliche Amtsstube, sagte Höbel. Im Museum dagegen könne man sie mit Hilfe von erklärenden Hinweisen entsprechend präsentieren.

Ricardo Villacis beim Vorsägen der Moltkefigur.
Ricardo Villacis beim Vorsägen der Moltkefigur.

Huys Reaktion war heftig und entschieden: „Ich bin dagegen“, sagte er mit großem Nachdruck. Über die Stellung von Bismarck und Moltke in der Geschichte wolle er sich gar nicht groß auslassen. „Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein.“ Für ihn spiele das aber keine Rolle. „Für mich sind die beiden Figuren ein Symbol dafür, was an ehrenamtlichem Engagement in unserem Dorf möglich ist, vor allem was Hermann Braun hier geleistet hat.“ Deshalb seien die Plastiken im Ratssaal genau an der richtigen Stelle: „Damit sich alle jetzigen und künftigen Ratsmitglieder ein Beispiel daran nehmen können.“

Hofmeister: „Raus mit den Dingern!“

Während Thomas Müller (Wählergruppe Hofmeister) noch argumentierte, dass sich der Zusammenhang zwischen den Figuren und dem Engagement Brauns auf Anhieb nur dem erschließe, der die Hintergründe kenne, ging Wolfgang Hofmeister (Wählergruppe Hofmeister) in die Luft: „Ich will hier nicht mehr sitzen mit Moltke und Bismark in einem Raum. Diese beiden Figuren sind Kriegstreiber gewesen“, sagte er aufgebracht und forderte: „Raus mit den Dingern!“. Wer Hermann Braun huldigen wolle, sagte er zu Huy, der könne eine Bronzetafel aufhängen.

Mit dem Kriegstreiber-Argument „müsste man alle Königs- und Fürstendenkmäler überall abbauen“, konterte dieser lautstark. Darauf Hofmeister, noch lauter: „Es geht hier aber nicht um Denkmäler überall, es geht um unser Ratszimmer, wir sind hier Ratsmitglieder, und diese Figuren stören mich!“ Er werde in Zukunft so oft den Antrag stellen, sie zu entfernen, „bis du weg bist oder die Figuren“, sagte er zu Huy, der die Antwort nicht schuldig blieb: „Was mich so maßlos aufregt, ist diese Arroganz. Du stellst hier dein Empfinden über alles andere!“

Fürs Erste jedenfalls ist die Sache entschieden: Die Figuren bleiben. Fünf Ratsmitglieder votierten für die Entfernung, sechs dagegen. Der Antrag war somit abgelehnt.

Zu Bismarck und Moltke

Als Kanzler hat Otto von Bismarck (1815 - 1898) die Gründung des Deutschen Reiches nach dem Sieg im Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 maßgeblich vorangetrieben. Für seine Verehrer galt er deshalb als Vater der deutschen Einigung. Seine Verächter hingegen betrachteten ihn lange als Kriegstreiber. In jüngster Zeit wird er wieder differenzierter gesehen, und seine Politik wird im Kontext der Strukturen und politischen Prozesse seiner Zeit bewertet.

Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke (1800 - 1891) hatte als Chef des Generalstabs wesentlichen Anteil am Erfolg Preußens in den Einigungskriegen.

Nach der Reichsgründung 1871 wurde das gesamte Kaiserreich von einer Welle des Patriotismus erfasst, in deren Folge man Bismarck und Moltke zahllose Denkmäler errichtete: Straßen, Plätze, Brücken und Türme – und eben auch den Adlerbogen.

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