Donnersbergkreis „Sehr schwierig, aber auch sehr interessant“
An Publikum fehlt es ihm nicht. Immer wieder kommen Besucher zum ehemaligen Raiffeisengebäude nach Dannenfels und beobachten Bildhauer Ricardo Villacis, wie er aus einem großen Baumstamm die Figuren von Generalfeldmarschall von Moltke und dem ersten Reichskanzler Bismarck sägt. Am 18. Juni sollen diese an den Adlerbogen zurückkehren. Dann nicht aus Holz, sondern gusseisern.
Konzentriert steht Ricardo Villacis vor der Holzfigur. Neben ihm liegt knatternd die Motorsäge auf dem Boden. Jeder Schritt, genauer gesagt jeder Schnitt, muss wohlüberlegt sein. Doch Angst vor einem Fehler, der das ganze Werk vielleicht sogar unbrauchbar machen kann, hat der 64-Jährige nicht. „Das hier ist eine große Herausforderung. Aber ich habe Vertrauen in das, was ich kann“, sagt Villacis, der im baden-württembergischen Mainhardt lebt. Am Montag hat er zum ersten Mal eine seiner vielen Kettensägen aus dem Auto geholt, um ans Werk zu gehen. So acht bis zehn Stunden am Tag wird er arbeiten. „Ich denke, bis ich fertig bin, werden zwei Wochen vergangenen sein“, erzählt Villacis. Gerade die Feinheiten, etwa im Gesicht, werden einige Zeit in Anspruch nehmen. Für Hermann Braun und Ortsbürgermeister Ernst-Ludwig Huy ist das kein Problem. Die beiden Figuren sollen als Vorlage für Gussfiguren dienen. Diese wiederum wird die Firma Heger aus Enkenbach-Alsenborn gießen – kostenlos. So ganz glauben kann das Braun noch immer nicht. „Das ist schon Wahnsinn. Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass das dieses Jahr noch was wird mit den Figuren.“ Denn die 30.000 Euro, die nach einem Angebot der Guss der Figuren gekostet hätte, haben die Dannenfelser nicht einfach so in der Tasche. Wie berichtet, wurden die Figuren nach dem Zweiten Weltkrieg zu Zielscheiben von GIs. Die Moltke-Figur ist verschollen, und die von Bismarck ist durchlöchert und zudem kopflos. Während Villacis am hölzernen Bismarck sägt, steht der gusseiserne nur wenige Meter entfernt. Zumindest an Teilen dieser Figur kann er sich orientieren. Der Rest muss über Bilder von anderen Bismarck-Figuren wieder zusammengesetzt werden. Auch bei Moltke greift der Künstler auf Fotos von Figuren zurück, die Klaus Kremb, der ehemalige Schulleiter des Winnweilerer Wilhelm-Erb-Gymnasiums, und Willi Grohe für die Dannenfelser besorgt hatten. „Beide Figuren sind sehr schwierig, beide sind aber auch sehr interessant“, sagt der Bildhauer, der vor elf Jahren mit der Kettensägenkunst angefangen hat und vor rund 20 Jahren aus Ecuador nach Deutschland kam. Übrigens lebte er zunächst in Kaiserslautern, auch Dannenfels war ihm nicht unbekannt. „Es ist schön, mal wieder hier zu sein. Ich habe noch viele Freunde in der Nähe von Kaiserslautern und will sie die Tage auch besuchen“, so Villacis, seit über 40 Jahren Bildhauer. Am Adlerbogen war er vorher jedoch noch nicht. „Das ist der Wahnsinn, unglaublich inspirierend dort.“ Inspirierend auch für die beiden Figuren, die er herstellen wird. 1,25 Meter wird eine groß sein. „Ricardo ist ein absoluter Meister mit der Kettensäge“, schwärmt Hermann Braun, der den Bildhauer zuvor bei dessen Arbeit beobachtet hatte. Dankbar ist Braun, dass der Künstler kostenloses Logis im Dannenfelser Hotel Berg erhält. Bis zum 18. Juni sollen dann auch die gusseisernen Figuren fertig sein. An diesem Tag wird der restaurierte Adlerbogen eingeweiht, und die Figuren werden mit einem Hubschrauber ans Denkmal geflogen. Einen Tag später werden mit dem Hubschrauber ab dem Sportplatz in Dannenfels Rundflüge angeboten. Mit den Einnahmen davon sollen die Kosten für den Transport der Figuren minimiert werden. (ssl) Info Am Dienstag startet in der Tourist-Info in Dannenfels der Kartenverkauf für die Hubschrauberrundflüge, Telefon 06357 1614.