Donnersbergkreis Spektakuläre Rückkehr
Es ist das fehlende Puzzleteil zur Wiederherstellung des Adlerbogens. Und es wird schneller wieder zusammengesetzt, als die Dannenfelser zu hoffen gewagt haben. Die Rede ist von zwei gusseisernen Figuren, die das Denkmal einmal flankiert hatten: Generalfeldmarschall von Moltke und der erste Reichskanzler Bismarck. Beide werden sie am 18. Juni an den Triumphbogen zurückkehren. Höchst spektakulär.
Manchmal entwickeln sich die Dinge schneller als gedacht. So kam es auch bei den beiden Figuren. Hermann Braun fragte bei einem Motorsägenkünstler an, ob er die Figuren nicht herstellen könnte, um Rohlinge zu haben. Der wiegelte ab, empfahl aber Ricardo Villacis, einen Bildhauer, der aus Ecuador stammt und im Schwarzwald lebt. Dieser wiederum zeigte Interesse, bot an, die Figuren zu schnitzen – zum Preis von 1400 Euro pro Stück. Über Förster Martin Teuber kamen die Dannenfelser an eine 90 Zentimeter dicke Eiche. Das Holz ist schon da – der Künstler soll nun im März folgen. „Die Holzfiguren werden als Negativ für die Gussfiguren verwendet“, erzählt Ortsbürgermeister Ernst-Ludwig Huy. Um diese Kunstwerke herzustellen, bedarf es aber auch Vorlagen. Und das ist gar nicht so einfach. Wie berichtet, wurden die Figuren nach dem Zweiten Weltkrieg zu Zielscheiben von GIs. Die Moltke-Figur ist verschollen, und die von Bismarck ist durchlöchert und zudem kopflos. Doch auch hier bekamen die Dannenfelser bei ihrer Suche nach Bildern Hilfe. Klaus Kremb, der ehemalige Schulleiter des Winnweilerer Wilhelm-Erb-Gymnasiums, und Willi Grohe beschafften Material. „Wir wollen das so originalgetreu wie möglich machen“, sagt Braun. Während seiner Arbeitszeit in Dannenfels erhält der Künstler kostenloses Logis im Dannenfelser Hotel Berg. Wenn es um den Adlerbogen geht, ziehen eben viele an einem Strang. Diesen Eindruck haben auch Huy und Braun. 6000 Euro Spenden sind für die Renovierung des Denkmals bereits eingegangen. „Wir haben Hilfe von Menschen erhalten, von denen wir niemals welche erwartet hätten“, gesteht der Ortsbürgermeister. Einer davon ist Johannes Heger, Chef von Heger-Guss in Enkenbach-Alsenborn. Bei dem wollte sich Braun ein Angebot einholen für den Guss der Figuren. Übrigens ein Tipp von Wilfried Gabelmann aus dem benachbarten Steinbach. Der hatte den Dannenfelsern ohnehin schon bei der Sanierung des Triumphbogens extrem viel geholfen. Wie berichtet, hatte Gabelmann, früher bei den Pfalzwerken zuständig für die Reparatur von Hochspannungsmasten, der Ortsgemeinde einen entscheidenden Tipp gegeben: 1981, als der restaurierte Adler wieder aufgesetzt wurde – Amerikaner hatten ihm nach dem Krieg den Kopf abgeschossen – hatten Industriekletterer den Adlerbogen erklommen. Warum die Sanierung also nicht auf diese Weise vornehmen? Gesagt, getan – und Gabelmann half fleißig mit. Diese Aktion sparte schon immense Summen. Nun sparen die Dannenfelser nochmals fast 30.000 Euro. So viel hätte laut einem anderen Angebot der Guss der Figuren gekostet. Heger sagte Braun aber zu, das kostenlos zu machen. „Eigentlich hatten wir gar nicht vor, die Figuren noch dieses Jahr an den Bogen zu setzen“, sagt Huy mit Blick auf die Kosten. Nun kommt es anders. Sind die Holzfiguren fertig, wird in Kaiserslautern ein 3D-Scan entstehen, später werden dann aus Styroporvorlagen die beiden Figuren gegossen. 200 Kilogramm soll eine dann auf die Waage bringen, berichtet Braun. Und wie kommen diese auf ihren Platz am Bogen? Auch hier gab es einen Tipp von Gabelmann: ein Hubschrauber, der auch für die Pfalzwerke im Einsatz ist und normalerweise mit großen Sägen Leitungstrassen frei schneidet. Übrigens: 1981 wurde der Adler auch mit Hilfe eines Hubschraubers wieder auf den Bogen gesetzt. Huy und Braun fanden einen Piloten, der die Figuren am 18. Juni zum Adlerbogen fliegen will. Genau an dem Tag, an dem das restaurierte Denkmal eingeweiht werden soll – mit einem großen Fest. Und nun auch mit einer spektakulären Rückkehr. Vorausgesetzt, das Wetter stimmt. Andernfalls soll alles eine Woche später steigen. Und einen Tag danach, sonntags, werden Rundflüge angeboten. Start und Landung sollen auf dem Dannenfelser Sportplatz sein. An Speis und Trank wird es dort auch nicht fehlen, so Braun. „Die Rundflüge werden sieben bis acht Minuten dauern und 35 Euro kosten.“ Geld, das helfen soll, die Kosten für den Transport der Figuren zu minimieren. Letztmals wurde übrigens 1981 am Adlerbogen gefeiert. Anlass war auch damals die Renovierung des Bogens. „Es war ein schönes Fest, so soll es auch diesmal sein“, sagt Huy. Grund zum Anstoßen werden die Dannenfelser allemal haben. Ihr Denkmal haben sie wieder hergerichtet. 100.000 Euro hätte das nach ersten Schätzungen kosten sollen – inklusive Figuren. Dank zahlreicher Unterstützer und ehrenamtlicher Helfer werden es nun nur 10.000 Euro. Wer weiß, vielleicht kommt das Geld sogar komplett über Spenden zusammen? Unter anderem haben die „Nordpfälzer Spatzen“ für den 4. September ein Benefizkonzert im Schlosspark in Rockenhausen angekündigt. „Der Adlerbogen ist für den ganzen Kreis ein Markenzeichen“, sagt der Ortsbürgermeister. „Dass wir die Renovierung fast komplett über Spenden und ehrenamtliche Arbeit stemmen können, ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen.“ Info Wer für die weitere Sanierung des Adlerbogens spenden möchte, kann dies mit dem Vermerk „Spende für Adlerbogen in Dannenfels“ bei der Sparkasse Donnersberg unter der IBAN DE33 5405 1990 0000 0073 77 oder bei der Volksbank Alzey-Worms unter der IBAN DE73 5509 1200 0010 0648 05 tun.