Donnersberger Echo
Der Löffel im Hals und die Tüte in der Hand
Ich hätte fast den Kaffeelöffel verschluckt vor Schreck. Ja natürlich, es war bekannt, dass es einen bundesweiten Warntag geben würde und dass am Donnerstag um 11 Uhr alle dazu fähigen Handys Laut geben würden. Als ich aber gerade im Café Mandala einen Löffel von meinem herrlichen Zimtkaffee in den Mund schob und dabei konzentriert meinem Gesprächspartner lauschte, haute es mich fast vom Sitz. Und die Umsitzenden im Übrigen auch. Mit anderen Worten: Ziel erreicht! Denn genau das soll ein Warnton ja tun: aufschrecken, damit man alles andere liegen und stehen lässt und erst mal fragt: Was ist denn da los? Wie bitter, dass es erst die Erfahrungen im Ahrtal gebraucht hat, damit ein solches Warnsystem entwickelt wurde. Wer das Ahrtal im vergangenen Jahr besucht hat – bei den Wanderwochenenden waren Touristen hochwillkommen, um ein wenig Geld für den Wiederaufbau ins Tal zu bringen – der konnte es nicht übersehen: Es ist noch lange nicht alles wieder gut. Auch der beachtenswerte Wiederaufbauwille der Bevölkerung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch unglaublich viel zu tun ist.
Wie gut, dass es da Menschen gibt, die das auch nach mehr als einem Jahr nicht vergessen haben. Wie die ASV-Ladies aus Winnweiler, die jetzt für ihr Engagement im Ahrtal mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet wurden. Oder das Helferteam um Janine Malkmus aus Oberwiesen, das unter dem Namen „Aktionsbündnis für Kinder in Not“ dauerhaft Familien aus dem Ahrtal unterstützt. Denn für alle Menschen im Ahrtal war die Flut eine Katastrophe, und manche sind seither in großer Not. Wie gerne hätten sie es erlebt, dass ihnen vor Schreck beim lauten Warnton nur der Kaffeelöffel aus der Hand gefallen wäre.
Noch ein bisschen besser
Es war so schön wie früher, nur noch ein bisschen besser: Der Christkindlmarkt in Kirchheimbolanden war, wie viele seiner Artgenossen in anderen Städten, am vergangenen Wochenende bestens besucht. Endlich wieder unter Menschen. Endlich wieder Hinz und Kunz treffen. Endlich ein Plausch hie und da, und endlich wieder unbedeckte Gesichter, die meisten mit einem Lächeln versehen. Und: Es wurde gekauft. Dabei geht es den Standbetreibern ja nicht um große Reichtümer, und niemand muss sich als Marktbesucher in finanzielle Nöte bringen und mit proppenvollen Taschen nach Hause gehen. Aber klar ist auch: Die Nur-schauen-nichts-kaufen-Haltung ist auf Dauer für die Märkte vernichtend. Das wurde auch jenem Marktbesucher (es war schon vor Jahren in Speyer) anschaulich erklärt, der seine Nebenfrau jovial in die Seite schubste, als sie an einem Marktstand ein paar selbstgemachte Leckereien kaufte. „Des gibts aaa beim Al**, awwer viel billischer“, ließ er sie an seinem vermeintlichen Geheimwissen teilhaben. „Na, dann gehn Se doch künftig uff de Discounter-Weihnachtsmarkt. Beschdimmt arg schää do“, entgegnete die Geschubste. Wie es scheint, hat sich die Erkenntnis herumgesprochen, dass alles, was für gut befunden wird, dann auch auf Unterstützung angewiesen ist. Und vielleicht hat der Weihnachtsmarkt den Menschen in Corona-Zeiten so sehr gefehlt, dass sie alles dafür tun wollen, dass er nie mehr ausfallen muss.
Geschenkidee: Vorlesen
Den Schülern fehlen die Worte. Zumindest einigen. Das zeigt eine Studie vom Institut für Schulentwicklung. Ganz unerwartet kommt das allerdings nicht. Denn, auch das nicht neu, Handykommunikation ist meist rudimentär und kein Ersatz fürs Bücherlesen. Wenn Sie also über ein Weihnachtsgeschenk für Kinder, Enkel oder befreundeten Nachwuchs nachdenken, hier der Vorschlag: Verschenken Sie ein Buch und die dazugehörige Vorlesezeit. Denn kaum etwas ist so kostbar wie Zeit. Und mit Klassikern wie Momo, Räuber Hotzenplotz oder Pippi Langstrumpf machen sich die Vorleser selbst auch eine Freude. Wortschatz und Nachwuchs werden es Ihnen danken.