Kirchheimbolanden
Sehnsucht nach Geselligkeit: Großer Andrang beim Christkindlmarkt
Traditionell am zweiten Adventswochenende erstrahlte Kirchheimbolanden im weihnachtlichen Glanz: Es war Christkindlmarkt – endlich wieder in der Innenstadt der Kleinen Residenz mit dem bekannten Dreh- und Angelpunkt. „Dass wieder alles zentral am Römerplatz stattfindet, ist einfach viel schöner“, stellt Sigrid Rinne aus Albisheim zufrieden fest.
Das Resümee der Betreiberin eines Standes für Gartenkunstobjekte gibt die allgemeine Stimmung der Besucher wieder. Nachdem der Markt im Vorjahr einmalig in den Schlosspark verlegt worden war, kehrte er nun zu seinem traditionellen Veranstaltungsmittelpunkt zurück. „So kennt man halt auch den Christkindlmarkt – das ist einfach etwas anderes“, betont Sigrid Rinne.
„Hauptsache wieder unter Leuten“
Dass der Markt bei seiner 50. Auflage gut besucht sein wird, zeichnete sich trotz nasskalten Nieselwetters bereits zur Eröffnung am Freitagnachmittag ab. Und die einsetzenden Besucherströme am Samstag zeigten eindeutig, wie groß die allgemeine Sehnsucht nach Geselligkeit und Veranstaltungen ist. „Hauptsache, man ist wieder unter Leuten. Alles andere ist dann fast egal“, beschreibt Gabriele Schmidt aus Steinbach die Stimmung. Sie ist mit ihrem „Holzstübchen“ seit 2016 auf dem Markt vertreten und meint: „Wenn man so in die Gesichter schaut, wirken alle zufrieden.“
Der Samstag stand ganz im Zeichen weihnachtlichen Familienprogramms. Die Ballettschule Flex & Point bot Tanzkünste mit „engelhafter“ Choreographie auf der Hauptbühne. Für große Kinderaugen sorgte im Anschluss der Besuch des Nikolauses und seiner Helferin. Am Abend unterhielt Kalli Koppold den Römerplatz mit musikalischem Weihnachtsprogramm. Ein stimmungsvolles bengalisches Feuerwerk beschloss am Sonntag den diesjährigen Christkindlmarkt.
Kostenentwicklung macht Sorgen
Insgesamt hatten sich über 50 Standbetreiber, Vereine und Organisationen mit breitem Angebot für die Jubiläumsausgabe angemeldet. Auch verschiedene Höfen stellten wieder beliebte Marktplätze dar. Im Vorfeld blickten jedoch viele Betreibern sorgenvoll auf die allgemeine Kostenentwicklung. Einige hatten ihr Angebot deshalb angepasst. Gabriele Schmidt, die sich mit wesentlich höheren Materialkosten für ihre Holzfiguren konfrontiert sah, bot etwa vorwiegend Objekte in einer kostengünstigeren Preiskategorie an: „Die größeren Figuren über 30 Euro kann sich vielleicht nicht jeder leisten, also haben wir kleinere Figuren im Angebot“, berichtet sie. Dies sei sehr gut angenommen worden. Am Stand von Sigrid Rinne hingegen sei die Resonanz „wie immer“ gewesen: Man habe keinerlei nachlassendes Interesse oder eine geringere Kauflust festgestellt.
Mangelnde Nachfrage konnte auch Ruth Straub aus Kirchheimbolanden an ihrem Stand nicht beklagen. Ihr „Latwersch-Gelee“ war am Samstag schon restlos ausverkauft. Dieses sei schon immer ihr größter „Verkaufsschlager“, aktuell aufgrund der schlechten Pflaumenernte im Sommer jedoch nur begrenzt verfügbar gewesen. Ihr Landfrauen-Verein Kirchheimbolanden-Bischheim ist seit vielen Jahren beim Christkindlmarkt dabei und hat sich mit seinem Angebot an Marmeladen und Likören als fester Anlaufpunkt für Freunde des süßen Brotaufstrichs einen Namen gemacht.
Seit 50 Jahren auf dem Christkindlmarkt
Buchstäblich von Beginn an dabei ist auch der Stand von Nina Meier. Der Familienbetrieb aus Armsheim ist zum 50. Mal auf dem Christkindlmarkt vertreten, betreibt noch die Kindereisenbahn und einen Bonbon-Stand. Sie erlebte in diesem Jahr beim Verkauf ihrer gebrannten Mandeln und Zuckerwatte besonders das allgemeine Bedürfnis nach Geselligkeit. „Das Wichtigste für die Menschen ist: Man ist wieder unter Leuten. Das spürt man.“
Dass der Christkindlmarkt in diesem Jahr trotz etwas sparsamer eingesetzten Weihnachtsbeleuchtung – was die meisten aber nicht wirklich zu bemerken schienen – wieder hell erstrahlte, war unverkennbar. Dies sieht auch Carmen Bennick so, eine „Ur-Kerchemerin“, die es ins Mittelrheintal gezogen hat. Seit 15 Jahren reist sie eigens zu diesem Anlass mit ihrem Mann und ihrer besten Freundin an. „Der Besuch auf dem Christkindlmarkt muss einfach jedes Jahr sein. Das ist Heimat.“