Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel CDU: Kreisvorsitzender Rudi Jacob spricht von personellen Fehlentscheidungen

 Rudolf Jacob.
Rudolf Jacob.

CDU-Kreisvorsitzender Rudolf Jacob sagt über den Kanzlerkandidaten seiner Partei: „Er ist politisch nicht mehr zu retten.“ Bei den Christdemokraten hat die Aufarbeitung der Wahlniederlage begonnen. Wer denn nun den nächsten Kanzler stellen soll? Überraschenderweise sind sich da Jacob und der SPD-Kreisvorsitzende Tristan Werner einig.

Dass er kein Fan von Armin Laschet ist, daraus hat Jacob nie einen Hehl gemacht. Dreimal sei „der deutlich erkennbare Wille der Basis ignoriert worden“, sagt der Vorsitzende der Donnersberger Kreis-CDU: zweimal bei der Wahl des Bundesvorsitzenden seiner Partei und dann bei der Nominierung des Kanzlerkandidaten. „Das hat zur Folge, dass sich ein Großteil der Parteimitglieder nicht mit den Personen identifizieren kann“ – nicht gut für Engagement und Überzeugungskraft im Wahlkampf.

Das sei der eine Grund für das schlechte Abschneiden, befindet Jacob. Der andere: „Nach 16 Jahren Merkel-Regierung fragt man sich schon: Wofür stehen wir auf Bundesebene?“ Um koalitionsfähig zu bleiben, habe die Union „viele wichtige Positionen über Bord geworfen“. Und da kommt Jacob wieder auf die Auswahl des Kanzlerkandidaten zurück: „Merz oder Söder hätten für mehr Inhalte gestanden.“

Jacob: Weniger als 20 Prozent erwartet

Immerhin: „Es ist gar nicht so schlimm gekommen, wie ich befürchtet habe“, sagt Jacob. „Ich habe mit weniger als 20 Prozent gerechnet.“ Diesen Komplettabsturz habe nur die Angst vor Rot-Rot-Grün im Land verhindert, nicht aber die Union selbst.

Im Donnersbergkreis, wo die Union 20,4 Prozent der Zweitstimmen erreicht hat, „sind wir immer etwas hinter dem Bundesergebnis zurück“. Jedoch seien auch die Bemühungen von Direktkandidat Xaver Jung „nicht so ausgeprägt wahrnehmbar gewesen“, sagt Jacob, der ursprünglich ebenfalls die Direktkandidatur angestrebt, im März aber Jung sowie Mitbewerber Michael Littig das parteiinterne Feld überlassen hatte.

„Am besten in die Opposition“

Seine Partei sieht Jacob auf Bundesebene „erstmal am besten in der Opposition aufgehoben. Man sollte die vier Jahre nutzen, um sich komplett neu aufzustellen und zu positionieren“. Eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen ist für Jacob logische Konsequenz aus dem Wahlergebnis. Falls die Verhandlungen scheitern sollten, müsse die Union zur Verfügung stehen: „Womöglich für eine Große Koalition – dann sicherlich mit Kanzler Olaf Scholz.“ Und nur falls es zu einer Koalition aus CDU, FDP und Grünen kommen sollte, könne die Union den Bundeskanzler stellen: „Aber auf gar keinen Fall Armin Laschet“, sagt Jacob.

Viel besser war am Tag nach der Wahl die Stimmung bei Tristan Werner, dem Kreisvorsitzenden der SPD. „Ein gutes Ergebnis auf Bundesebene, ein gutes Ergebnis im Wahlkreis“, frohlockte er. Dass Neuling Matthias Mieves den ehemaligen Gustav-Herzog-Wahlkreis „so souverän verteidigt hat“ (33,9 Prozent, Xaver Jung 21,5 Prozent), das habe mitunter auch am Engagement in den einzelnen Verbänden gelegen, die der SPD-Direktkandidat aktiv miteingebunden und besucht habe. „Matthias Mieves unterstreicht ja auch immer, dass es ein Teamerfolg war.“

„Ein Jahr, aus dem die Kreis-SPD Kraft ziehen kann“

Überhaupt sei 2021 ein gutes Jahr für die SPD im Donnersbergkreis gewesen: Jacqueline Rauschkolb bei der Landtagswahl, Sabine Wienpahl bei der Bürgermeisterwahl in der VG Kibo und nun eben Mieves haben Wahlsiege eingefahren. Werner: „Ein Jahr, aus dem man Kraft ziehen kann.“

Für den SPD-Kreisvorsitzenden steht fest, dass seine Partei den Bundeskanzler stellen sollte. Wer denn der Koalitionspartner in einer Regierung Scholz sein soll, da will er sich noch nicht festlegen. „Der stärksten Kraft steht es nun zu, zu Koalitionsgesprächen einzuladen“, sagt Werner, „das gebietet schon die politische Fairness.“

Tristan Werner.
Tristan Werner.
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