Winnweiler
Brauerei Bischoff: Produktion läuft nach Explosion wieder auf Hochtouren
Falkensteiner und Premium Pilsener waren zwischenzeitlich ausgegangen: Gut fünf Wochen lag hat die Privatbrauerei Bischoff in Winnweiler kein Flaschenbier produzieren können, wie Firmenchef Sven Bischoff erläutert. Nach dem Betriebsunfall vom 27. August, bei dem ein mit 7000 Litern Weizenbier sowie drei Kubikmetern Kohlenstoffdioxid befüllter, tonnenschwerer Drucktank durchs Hallendach geschossen und auf parkende Autos gestürzt war, ist die Produktion in der Vorwoche wieder angelaufen. Der Gutachter rechne derzeit mit einem Gesamtschaden von rund 400.000 Euro, schildert Bischoff; für einen Großteil werde die Versicherung wohl aufkommen.
Unter anderem werde natürlich ein neuer Drucktank benötigt – da es keine Dauerlösung sei, „das Bier aus dem Keller hochzupumpen“. Weitere Anlagen im Bereich der Flaschenabfüllung waren bei der Explosion in Mitleidenschaft gezogen worden, unter anderem die Etikettiermaschine. Klar ist laut Bischoff mittlerweile, dass die Unfallursache ein Versäumnis nach der Reinigung des Überdruckventils war. Demnach hätten die Mitarbeiter vergessen, einen Reinigungsschlauch zu entfernen, wodurch das Ventil nicht habe auslösen können. Da es zudem Probleme mit der automatischen Druckregelung gegeben habe, sei im mit Weizenbier gefüllten Tank ein zu hoher Druck entstanden.
Mit fünf Tankwagen nach Koblenz
Den Großauftrag aus Schottland – eine Lohnabfüllung –, über den sich Sven Bischoff gleich nach der Explosion Sorgen gemacht hatte, habe die Koblenzer Brauerei, die frühere Königsbacher Brauerei, kurzfristig übernommen. In fünf Tankwagen sei der Gerstensaft an den Rhein transportiert worden.
Überhaupt ist Abfüllung mittlerweile ein großer Geschäftszweig für die Privatbrauerei. Nur noch etwa 30 Prozent des Bieres, das in Winnweiler abgefüllt wird, trage das Label der Traditionsmarke Bischoff. Obgleich das Geschäft mit dem Lebensmitteleinzelhandel im Corona-Jahr „ganz gut gelaufen“ sei, haben kleinere Marken laut Sven Bischoff ein grundsätzliches Problem: „Bier wird immer öfter zum Aktionsartikel im Handel. Der Kunde greift seltener zum regionalen Bier, immer öfter zum günstigen Aktionsbier.“ Verstärkt habe sich dieser Trend vor allem mit dem Aufkommen der „Fernsehbiere“, wie Bischoff sie bezeichnet. Zumal der Bierkonsum pro Kopf ohnehin um ein Drittel abgenommen habe in den vergangenen 30 Jahren. „Damals gab es 14 Brauereien in der Pfalz, heute sind es noch drei“, sagt Bischoff.
Ein Kirschbier für Frankreich
Von daher kommt ihm das Geschäft durchs Abfüllen gerade recht. In der Vergangenheit sei bei Bischoff viel in die Kapazitäten investiert worden, die nun ausgelastet werden müssten. Auch als Spezialist für Produktentwicklung habe sich seine Brauerei mittlerweile international einen Namen gemacht, berichtet Bischoff. Aktuelles Beispiel: ein Kirschbier für einen französischen Kunden.
Etliche neue Kunden im In- und Ausland seien in der Zeit vor der Pandemie akquiriert worden. „Wir waren auf einem sehr guten Weg“, sagt Bischoff – und fügt nach kurzer Bedenkzeit an: „Und eigentlich sind wir es jetzt auch noch.“ Wenngleich nicht nur Bischoff selbst, sondern auch die Kunden unter Absatzschwierigkeiten litten. Denn: „Bier ist ein geselliges Getränk.“
Alle Mitarbeiter behalten
Und da die Gastronomie nach wie vor zu kämpfen hat, treffe das eben auch die Brauereien. Hinzu kommen die fehlenden Umsätze durch die vielen Veranstaltungsausfälle. „Von Mitte März bis Anfang Juni haben wir kein einziges Fass abgefüllt“, sagt Bischoff. Und das, nachdem sich der Absatz zuletzt stabilisiert, vor Corona sogar wieder zugelegt hatte. Der Brauereichef hofft angesichts steigender Corona-Fallzahlen inständig, dass es nicht ein weiteres Mal zu weitreichenden Einschränkungen oder sogar Schließungen in der Gastronomie der Region kommen muss.
Während der Krise habe er dank Kurzarbeit das gesamte Personal, 34 Mitarbeiter, halten können. So soll es auch bleiben. Falls die Lage sich normalisiert, blickt Sven Bischoff optimistisch in die Zukunft: Bischoff habe neue Produkte in der Pipeline, einige neue Kunden stünden in den Startlöchern. Und einen kleinen Nachholeffekt beim Bierabsatz erhofft sich der Brauereichef dann ja doch für die Zeit danach: „Die Leute werden dann hoffentlich richtig Lust haben, mehr rauszugehen.“