WINNWEILER
Explosion bei Bischoff-Brauerei: Drucktank schießt durch Hallendach und landet auf Autos
Ganz viel Glück hatten die vier Bischoff-Mitarbeiter, die in unmittelbarer Nähe des Abfüllkessels arbeiteten. Sie hatten sich auf die Suche nach einer Störung gemacht, standen gegen 10.45 Uhr nicht auf ihren angestammten Plätzen. „Sonst wäre ganz sicher jemand in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagt Terrence Matthews. Ein dumpfes Ploppen hätten er und seine Kollegen vernommen, „und dann war überall Weizenbier“. Es sei aus allen Richtungen gekommen, habe sich im kompletten Flaschenkeller verteilt. Die Mitarbeiter seien erstmal losgerannt – und hätten erst einige Minuten später, als sich die Lage etwas beruhigt hatte, bemerkt, dass da etwas fehlte: der Abfülltank.
7000 Liter Weizenbier
Der schwere Kessel, gefüllt mit 7000 Litern Weizenbier sowie drei Kubikmetern Kohlenstoffdioxid, hatte sich durch das Hallendach verabschiedet – „ein Betondach“, wie Brauereichef Sven Bischoff unterstreicht. Die Polizei geht davon aus, dass es durch Überdruck zur Explosion gekommen war. Der Tank landete auf dem Firmengelände, etwa 20 Meter neben der Halle auf zwei abgestellten Autos. Weggeflogen war der obere Teil des Tanks, der Boden wirbelte in der Halle umher und zerschlug Maschinen.
Sven Bischoff geht von einer sechsstelligen Schadenssumme aus. Zudem hätte bei der Flaschenproduktion in den kommenden Tagen ein Großauftrag aus Schottland angestanden. „Wir hatten jetzt eigentlich wieder eine sehr gute Auftragslage“, sagt Bischoff – nachdem die Pandemie durch geschlossene Gastronomie und abgesagte Veranstaltungen für einen Dämpfer gesorgt hatte. Für bis zu drei Wochen könnte nun im Flaschenkeller alles stillstehen, befürchtet der Brauereichef. „Ja, das könnte ein existenzielles Problem werden“, sagt er. Das hänge nun von vielen Faktoren ab, unter anderem von den beteiligten Versicherungen. Die Produktion selbst sowie die Fassabfüllung seien nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.
Firmengelände evakuiert
120 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Technischem Hilfswerk waren laut Christian Füllert, dem Wehrleiter der Verbandsgemeinde Winnweiler, im Einsatz. Auch Wehren aus dem Bereich Enkenbach-Alsenborn seien vorsichtshalber alarmiert worden. „Das ist ganz normal beim Stichwort Explosion“, schildert Füllert. Zunächst sei das Firmengelände geräumt worden, in den Räumen sei eine erhöhte Kohlenstoffdioxid-Konzentration festgestellt worden. Das Gebäude sei aber mit einem Speziallüfter der Adient-Werkfeuerwehr belüftet worden, schnell bestand laut Füllert keine Gefahr mehr.