Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Borg-Warner-Werk: Weiter keine betriebsbedingten Kündigungen

Turbulente Zeiten fürs Borg-Warner-Werk in Kirchheimbolanden.
Turbulente Zeiten fürs Borg-Warner-Werk in Kirchheimbolanden.

Ein abschließender 17-stündiger Verhandlungsmarathon, Unterschriften um 0.30 Uhr nachts: Bei Borg Warner haben Arbeitnehmervertreter und Geschäftsführung die Rahmenbedingungen für einen Tarifvertrag geschaffen. Der Zeitdruck war zuletzt immens: Eine Lösung musste her, um eine große Chance fürs Kirchheimbolander Werk zu ergreifen. Das ist geschafft! Die Belegschaft wird allerdings weiter reduziert.

Von außergewöhnlichen Belastungen in den vergangenen Monaten berichten Betriebsratschef Peter Schmitt und Werkleiter Andreas Denne. „Das war für alle aufregend genug“, sagt Schmitt – wohlwissend, dass „die Arbeit jetzt erst anfängt“. Denn nun, da sich Betriebsrat, IG Metall und die Geschäftsführung im Werk des Automobilzulieferers auf ein Grundgerüst geeinigt haben, gehe es an die Detailarbeit. Auch darüber wird hart verhandelt werden.

Werkleiter Denne berichtet ebenfalls davon, dass ihn die zurückliegenden Monate „persönlich belastet“ hätten. Denne war langjähriger Mitarbeiter des Werks, zu dessen Leiter er 2021 berufen wurde. Und in dem seit Monaten um einen Tarifvertrag gestritten wurde, bei dem es gar nicht mal in erster Linie ums Geld, sondern tatsächlich ums Überleben des Standorts ging. Waren seit Start der Betriebsvereinbarung Kibo 4.0, Anfang 2021, schon mehr als 400 Arbeitsplätze gestrichen worden, so hatten Betriebsrat und Gewerkschaft stets kritisiert, dass die dadurch erhofften zukunftssichernden Aufträge auf sich warten lassen.

Kompromiss (nicht nur) bei der Mitarbeiterzahl

Seit Monaten gab es ein Ringen um einen Tarifvertrag, zunächst mit Blick auf die Zukunftssicherung, später legte die Gewerkschaft ihren Fokus auf die soziale Absicherung der Mitarbeiter. Warnstreiks standen im Raum. Weiterer Stellenabbau – über die in Kibo 4.0 angepeilte Kürzung der Mitarbeiterzahl auf 1000 bis Ende 2024 hinaus – war unvermeidbar, wie Peter Schmitt weiß. „Es geht immer um Kompromisse“, sagt er.

Ein solcher scheint nun gefunden. 701 Mitarbeiter – inklusive Azubis und Inaktiven – bis zum Jahr 2028, das ist die Zahl, auf die man sich in dieser Woche geeinigt hat. Natürlich hätte Schmitt gerne eine etwas höhere Zahl gesehen, doch zuletzt war gar von einer Reduzierung auf 360 bis 520 Beschäftigte in Kibo die Rede gewesen – am Ende steht der Kompromiss. Was für den Betriebsratsvorsitzenden das A und O ist: Wie bei Kibo 4.0 vereinbart, soll auch der weitere Stellenabbau sozialverträglich vonstatten gehen, also ohne betriebsbedingte Kündigungen. Dazu wird unter anderem ein neues Altersteilzeitprogramm aufgesetzt.

Projekt sollte Luft verschaffen

Wie Schmitt zeigt sich auch Andreas Denne zufrieden mit der gefundenen Lösung, die vielschichtig ist, noch einiger Klärungsarbeit bedarf und weiter Flexibilität von allen Beteiligten verlangt. Wichtig ist dem Werkleiter, dass nun ein Grundgerüst stehe, „mit dem wir uns wettbewerbsfähig aufstellen können“.

Dass es nach den zähen Verhandlungen der Vormonate nun für Beobachter überraschend schnell ging, das liegt auch an einer weiteren Entwicklung, die beide mit Erleichterung verkünden: Zeitdruck war entstanden durch die Möglichkeit, ein – wie Denne sagt – „größeres Projekt“ an Land zu ziehen, „das uns, gemeinsam mit dem, was wir an klassischen Projekten haben, erstmal Luft gibt“.

„Über Monate Unruhe im Betrieb“

Dabei handelt es sich um einen Auftrag für elektrische Verdichter für EU-7-Motoren, die Verbrennermotoren, die noch eine Laufzeit bis 2035 haben, wie Denne berichtet. Dieses E-Booster-Projekt habe ein deutlich größeres Volumen als der Auftrag aus dem klassischen Turbolader-Bereich, den Denne rund um den Jahreswechsel hatte vermelden dürfen. Er sieht in dem Abschluss einen wichtigen Baustein dafür, dass die Gesamtstrategie für das Werk aufgeht. In Zeiten, in denen das gesamte Unternehmen in einem Transformationsprozess stecke, „sind wir mit dem E-Produkt weiter als andere bei Borg Warner“. Eine Garantie könne niemand geben, aber „wir sind überzeugt, dass wir es mit unserem Plan schaffen“, sagt der Werkleiter zur Zukunft des Werks.

Die Mitarbeiter in Kibo – es sind derzeit noch knapp 1200 – sind in zehn Infoveranstaltungen über die neuen Entwicklungen informiert worden, berichtet Peter Schmitt. Selbstredend seien die Reaktionen sehr positiv ausgefallen. „Es war über Monate Unruhe im Betrieb“, sagt er. „Die Leute hatten Existenzängste, Angst um den Arbeitsplatz.“ Da seien sowohl der weitere Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen als auch das neue Projekt beruhigende Nachrichten. Bis zum Spätsommer, so schätzt der Betriebsratsvorsitzende, dürfte der neue Tarifvertrag erarbeitet sein.

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