Kirchheimbolanden
Borg Warner: In Werk 2 gehen die Lichter aus
Rege Betriebsamkeit wie einst herrscht nicht mehr in Werk 2 des Automobilzulieferers im Industriegebiet. Die letzte Produktionslinie ist abgebaut, bis Mitte Oktober war hier noch gearbeitet worden. An einem Auftrag aus dem klassischen Turboladergeschäft für einen deutschen Fahrzeughersteller.
Zuletzt noch 50 Mitarbeiter im Werk
Waren in den vergangenen Jahren schon einige Hundert Mitarbeiter auf den Campus an Marnheimer Straße und alter B40 umgesiedelt, so sind nun auch die letzten Arbeitsplätze ins große Werk verlegt worden. Dorthin wurden laut Andreas Denne die „Montageeinheiten für einen unserer großen Kunden“ verlagert. Zuletzt waren in der Robert-Bosch-Straße im Industriegebiet noch bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigt, wie der Kirchheimbolander Werkleiter auf Nachfrage berichtet.
Insgesamt beläuft sich der Mitarbeiterstamm aktuell auf gut 1100. Bis Ende 2024 soll er auf rund 1000 sinken, so wie es in der derzeit gültigen Betriebsvereinbarung Kibo 4.0 aus dem Jahr 2020 festgehalten ist. Bis 2028 soll die Anzahl der Mitarbeiter auf 701 gesenkt werden – inklusive Langzeitkranker und Auszubildenden. Auf diese Zahl hatten sich Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter Ende Mai nach zähem Ringen um einen Tarifvertrag geeinigt. Die vereinbarten Grundsätze firmieren unter dem Titel „Kibo Charging Forward 2028“ .
Gespräche zur Zukunft ziehen sich
Vorausgegangen waren etliche Verhandlungsrunden mit Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall auf der einen, der Geschäftsführung auf der anderen Seite. Es gab Gewerkschaftsversammlungen in der Stadthalle und Protestmärsche durch die Stadt, Warnstreiks standen im Raum. Zuvor hatten in Mitarbeiterkreisen gar die Zahlen 360 bis 520 als Belegschaftsgröße – und damit eine noch drastischere Stellenreduzierung – die Runde gemacht.
Wie schon bei Kibo 4.0 – die Betriebsvereinbarung endet mit Ablauf des Jahres 2024 – vereinbart, soll dann auch der weitere Abbau auf 701 Stellen sozialverträglich vonstatten gehen, also ohne betriebsbedingte Kündigungen. Über viele weitere Details haben die Tarifpartner in den vergangenen Monaten hart verhandelt. Diese Gespräche ziehen sich nun schon ein ganzes Stück länger als im Juni prognostiziert, nun dürfte es bis zur Verkündung der Ergebnisse aber nicht mehr allzu lange dauern.
Logistikzentrum auf dem Prüfstand
Die Schließung des Werks 2 war schon länger ausgemachte Sache. Sie ist Bestandteil der Betriebsvereinbarung Kibo 4.0, wie Werkleiter Andreas Denne erläutert. Die Schließung erfolge vor dem Hintergrund der „seit 2019 in Europa rückläufigen Bedarfe für Verbrennungsmotoren und der daraus resultierenden Produktionsüberkapazität in Europa“. Die bisherige Produktionsfläche für Turbolader auf dem Gelände an der Robert-Bosch-Straße, das Borg Warner nur gemietet hat, soll laut Denne bis Mitte Dezember rückgebaut sein. Mit Ablauf des Jahres werde das Gelände an den Vermieter zurückgegeben.
Bei weiter zurückgehender Mitarbeiterzahl setzt Borg Warner damit weiter konsequent auf seine Ein-Campus-Strategie in Kirchheimbolanden. Was dies für die Aussichten des Logistikzentrums gleich neben der L401 bedeutet? Dies sei Teil der Details zu den Grundsätzen von „Kibo Charging Forward 2028“, die derzeit besprochen werden, sagt Denne.
